Wadi Qadisha (Heiliges Tal), Libanon

Eine 250 Jahre alte Zeder im  Wald der Libanonzedern im Wadi Qadisha, Libanon  - © Stephen Farhall / Shutterstock
© Stephen Farhall / Shutterstock

Das Wadi Qadisha im Norden Libanons hält neben seiner dramatischen Landschaft auch historische Klöster, die schon den frühen Christen als Zuflucht dienten, ein weit verzweigtes Höhlensystem in seinen schroffen Klippen sowie den uralten Wald der „Zedern des Herrn“ für den Besucher bereit.

Das Wadi Qadisha („Heiliges Tal”) liegt im Norden von Libanon. An seinem Grund zu Füßen des al-Makmal Berges bahnt sich der Nahr Qadisha („Heiliger Fluss”), oder Nahr Abu Ali seinen Weg durch steile Felsklippen. Seit vielen Jahrhunderten bot das Wadi Qadisha christlichen Klöstern Zuflucht, es wird jedoch zunehmend von illegalen Ansiedlungen und Verstößen gegen die Schutzmaßnahmen bedroht. Seit 1998 zählt es aufgrund seiner frühen klösterlichen Ansiedlungen der Christen zum Weltkulturerbe der UNESCO, die das „Heilige Tal” bald auf die Liste des gefährdeten Welterbes setzen könnte.

Höhlen als Klöster und Wohnungen

Das Wadi Qadisha besticht vor allem durch sein überwältigendes Landschaftsbild. Der eindeutig spektakulärste Abschnitt des Tals liegt zwischen Tourza und Bsharri, der Heimatstadt des Künstlers und Schriftstellers Khalil Gibran. Der 35km lange Fluss hat eine tiefe Schneise in den Kreidekalkstein geschnitten, dessen schroffe Klippen von unzähligen schwer zugänglichen Höhlen nahezu durchlöchert sind. Sie wurden oft als Wohnung, Kapelle oder Kloster genutzt, manche von ihnen wurden künstlich vergrößert oder mit Fresken verziert. Archäologische Funde deuten auf eine Nutzung mancher Höhlen als Wohn- und Grabstätte bereits in der Steinzeit hin. In einer von ihnen wurden im späten 13. Jahrhundert die natürlich mumifizierten Überreste von 8 Dorfbewohnern gefunden. In der Qadisha-Grotte finden sich spektakuläre Tropfsteinformationen, die ebenfalls zu den Hauptattraktionen im Wadi Qadisha zählen. In dieser Grotte hat auch der mächtige Qadisha-Fluss seinen Ursprung.

Zedern des Herrn im Wadi Qadisha

Oberhalb der Grotte liegt auf einer Höhe von 1950m über dem Meeresspiegel eine weitere Sensation in der Nähe des atemberaubenden Qadisha-Tals: Der Wald Arz al-Rab, die „Zedern des Herrn” besteht aus knapp 400 der letzten Überlebenden der uralten Libanonzedern, die in der antiken Welt das beste und teuerste Baumaterial waren. Zwei der knorrigen Bäume sind über 3.000 Jahre alt, zehn von ihnen über 1.000. Schon in historischen Schriften wird die Libanonzeder als der älteste Baum der Welt beschrieben. Der erste und zweite Tempel Jerusalems wurde aus ihrem Holz erbaut. Im 6. Jahrhundert begannen die Zedernwälder plötzlich aus ungeklärten Gründen zu verschwinden, jene Baumgruppe in der Nähe des Heiligen Tals zählt somit zu den berühmtesten Wäldern im Libanon. Jährlich am 6. August wird in der kleinen Kapelle inmitten des Götterwaldes eine Messe zum Schutz der Zedern abgehalten. Als Wahrzeichen Libanons ziert die Zeder auch die Landesflagge Libanons.

Historische Klosterbauten im Wadi Qadisha

Das Wadi Qadisha war immer schon eine Zufluchtsstätte für Menschen, die die Einsamkeit suchten oder auf der Flucht waren. Aus beiden Gründen entstand eine Vielzahl an, mehrheitlich christlichen, Klöstern im Wadi Qadisha, deren Mönche aber auch Muslime sich entweder in die Stille und Schönheit des Wadis zurückzogen, um zu beten oder um sich vor ihren Verfolgern zu verstecken. Die im Wadi errichteten christlichen Klöster zählen zu den ersten im Nahen Osten. Den größten Anteil im Wadi Qadisha stellten dabei die Maroniten dar, eine semitisch-christliche Gruppe, die das Wadi seit dem späten 7. Jahrhundert als Rückzugsort nutzten. Ihr Zentrum befand sich in Qannubin im Herzen des Wadis, von wo aus sich die Errichtung von Klöstern nahezu sternförmig ausbreitete. Die wichtigsten Klosteranlagen sind das Qanubin-Kloster, das Kloster von Mar Sarkis, das Kloster Mar Alischa, das Kloster zu unserer lieben Frau von Hauqa sowie das. Qozhaya-Kloster. Die Frömmigkeit der maronitischen Mönche wurde weltweit bekannt und aus aller Welt kamen Dichter, Schriftsteller, Politiker und Priester, um die Gemeinschaft zu besuchen. Einige davon wurden sogar Teil von ihr.

Über Wanderwege mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden sind alle Attraktionen des Qadisha-Tals zu erreichen. Wer hier eher die Erholung, die Meditation oder das Gebet sucht, kann sich in einen abgelegenen Winkel zurückziehen und die Stille und Einsamkeit genießen.