Ruinen von Anjar, Libanon

Das historische Areal der Ruinen von Anjar umfasst etwa 114.000m2, umgeben von einer 2m dicken Stadtmauer, Libanon - © A.Karnholz - Fotolia
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Die spektakulären Ruinen von Anjar gehen auf die Blütezeit der Stadt in der Umayyaden-Periode im 8. Jahrhundert zurück. Neben einer Moschee in Beekaa sind die Ruinen von Anjar die einzigen archäologischen Überreste Libanons aus dieser Epoche.

Anjar liegt in Libanon im Bekaa-Tal etwa 60km südöstlich von Beirut. Gelegen in einem der fruchtbarsten Landstriche Libanons und an der Kreuzung zwischen den Handelsrouten nach Damaskus, Beirut, Baalbeek und in den Süden war es zwischen 650 und 750 zur Zeit der Umayyaden eine wichtige Handelsstadt. Die Ruinen aus dem 8. Jahrhundert sind heute noch besichtigen und wurden 1984 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Anjar entwickelte sich aus den arabischen Worten ain-Gerrah, „der Ursprung Gerrahs” und war im 8. Jahrhundert unter dem Namen Gerrha als befestigte Stadt des Umayyaden-Kalifs Al-Walid ibn Abdel Malek bekannt. Anjar stellte eines der wenigen Wirtschaftszentren dar, die im Inland angesiedelt waren. Ihre penible viereckige Stadtplanung und das ausgeklügelte Bewässerungs- und Abwassersystem erinnert an römische Städte. Die Blütezeit der Umayyaden-Stadt dauerte etwa 100 Jahre , danach schlug Marwan II den damaligen Herrscher der Stadt in einer Schlacht etwa 2km von Anjar entfernt. Sein Cousin und Sohn des Gründers Al-Walid musste sich geschlagen geben und die Stadt wurde verlassen und begann langsam zu verfallen.

Anjar heute

Die Überreste der einstigen Anlagen wurden kurz nach der Unabhängigkeit Libanons 1943 durch systematische Ausgrabungen des Ministeriums für Altertum im Bekaa-Tal entdeckt. Heute umfasst das historische Areal der Ruinen von Anjar etwa 114.000m2, umgeben von einer 2m dicken Stadtmauer. Die Mauern bestehen aus behauenem Stein, der mit Lehmziegeln ergänzt wurde. Ein gewaltiges Tor an jeder Seite gewährte Zutritt zur Stadt, von über 40 Wachtürmen konnte das Geschehen rund um Anjar beobachtet werden.

Die spektakulären Ruinen von Anjar gehen auf die Blütezeit der Stadt in der Umayyaden-Periode im 8. Jahrhundert zurück, Libanon - © A.Karnholz - Fotolia
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Innerhalb der Mauern recken sich schlanke Säulen und Arkaden-Bögen in den Himmel, Reste davon liegen zerbrochen auf der Erde. Einige davon haben früher die Hauptstraße gesäumt, auf der die Kalifen wandelten. Bemerkenswert ist, dass keine der Säulen einer anderen gleicht. Die meisten weisen byzantinische Merkmale auf, doch auf manchen sind auch griechische Inschriften und korinthische Buchstaben zu entdecken.

Tipp: Heute erfolgt der Zutritt in die historische Stadt durch das Nordtor, da die spektakulärsten Attraktionen jedoch im Süden liegen, ist anzuraten, schnurstracks die Hauptstraße zum anderen Ende von Anjar zu nehmen. Sie wird von teilweise rekonstruierten Läden gesäumt und an ihrer Mitte von der zweiten ost-west-verlaufenden Hauptstraße gekreuzt, wodurch die Stadt genau in vier Viertel geteilt wird – ideal für eine systematische Besichtigung.

Zu den wichtigsten Ruinen gehören der Große Palast sowie die Moschee im Süden, das Wohnviertel im Südwesten, sowie der Kleine Palast im Nordwesten der Stadt. Im Nordosten sind außerdem noch Teile einer öffentlichen Badeanstalt erhalten geblieben, die eindeutig römischen Einfluss aufweist und aufgrund ihrer Größe vermutlich auch für soziale Treffen verwendet wurde. Vor allem zwischen den immer noch überragenden Ruinen des Großen Palastes kann man sich die Pracht von früher noch gut vorstellen.

Die Ruinen von Anjar sind einzigartig, da sie ausschließlich die Baukunst und das soziale Leben der Umayyaden widerspiegeln, Libanon - © A.Karnholz - Fotolia
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Im Kleinen Palast sind die Verzierungen feiner und detaillierter, viele Motive wurden wiederum von den Griechen und Römern übernommen. Die kunstvollen Mosaikböden der Hallen und Plätze sind nahezu original erhalten und stellen Pflanzen, Muscheln, Adler und Eulen dar.

Die Ruinen von Anjar sind so einzigartig, da sie nicht mit anderen Kulturen vermischt wurden, sondern ausschließlich die Baukunst und das soziale Leben der Umayyaden widerspiegeln. Außer einer Moschee in Baalbeek gibt es so gut wie keine Überbleibsel aus dieser kurzen Periode von Libanons Geschichte.

Anjar wird heute beinahe zur Gänze von Armeniern bewohnt, die sich 1939 nach ihrer Flucht aus Ägypten zu tausenden in Anjar ansiedelten. Aufgrund der Nähe zur Grenze Syriens hat das syrische Militär Anjar als ihren Sitz auserkoren. Neben ihrer Hauptbasis im Bekaa-Tal befindet sich in Anjar auch das strategische Hauptquartier.

Weiterführende Links:

Fotos der Ruinenstadt Anjar (englisch)