Gadara (Umm Qais), Jordanien

Die griechisch-römische Stadt Gadara im Norden von Jordanien erlebte ihre Blütezeit als Teil des römischen Reiches und bestand einst aus prächtigen Bauten der Antike - © flog / franks-travelbox
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Die griechisch-römische Stadt Gadara im Norden von Jordanien erlebte ihre Blütezeit als Teil des römischen Reiches und schreibt zwischen Jordanien, Syrien und Israel gelegen auch heute noch Geschichte.

Die antike Stadt Gadara, die heute Umm Qais genannt wird, war einst ebenso wie Gerasa nahe Jerash Teil der so genannten Dekapolis (griechisch für „zehn Städte“) in Jordanien, die Alexander der Große nach seinen Eroberungen im Nahen Osten gegründet hat. Sie lag einst östlich des Jordan und etwa 10 Kilometer südlich des bereits in der Bibel erwähnten Sees Genezareth. Auch Gadara selbst fand bereits in der Bibel Erwähnung. Laut dem Matthäus-Evangelium war dies der Ort, an dem Jesus einen besessenen Mann von seinen Dämonen befreite, die anschließend in eine Herde Schweine fuhren.

Heute befindet sich Umm Qais 110 Kilometer nördlich von Jordaniens Hauptstadt Amman am immer wieder heftig umkämpften Dreiländereck mit Syrien und Israel.

BILDER: Gadara (Umm Qais)

Sehenswerte Bauten von Gadara

Gadara erreichte vor allem im zweiten Jahrhundert nach Christus großen Wohlstand und unter römischer Herrschaft schossen damals prächtige Bauten, wie Tempel, Bäder, Theater und säulenbewährte Prachtstraßen aus dem Boden. Die Stadt wurde damals sogar mit dem antiken Athen verglichen. Ab dem 4. Jahrhundert breitete sich das Christentum langsam auch in Gerada aus und es entstanden die ersten Kirchen und Kathedralen.

Westtheater

Noch heute zählte das Westtheater zu den eindrucksvollsten Strukturen der historischen Stadt Gadara, Jordanien - © flog / franks-travelbox
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Noch heute zählt das Westtheater zu den eindrucksvollsten Strukturen der historischen Stadt. Es wurde im 2. Jahrhundert am Westhang des Burgberges, der Akropolis, errichtet. Das Theater, das auch für politische und religiöse Veranstaltungen genutzt wurde, fasste etwa 3.000 Zuschauer und besteht vollständig aus schwarzem Basalt. Einige der Sitzplätze waren – äußerst luxuriös – sogar mit einer Rückenlehne ausgestattet. Vom oberen Rand des Theater offenbart sich ein herrlicher Panoramablick über das Gelände und die einstige Ausdehnung der Stadt kann so richtig erfasst werden. Der Blick fällt bis zum blau schimmernden See Genezareth, das Flusstal des Yarmuk und die zwischen Syrien und Israel stark umkämpften Golanhöhen.

Gleich neben dem Theater führt die Cardo vorbei, eine von Kolonnaden gesäumten, gepflasterte Straße, die einst das kommerzielle Zentrum der Stadt darstellte. Von großer geschichtlicher Bedeutung war außerdem das Aquädukt von Gadara, welches unter Kaiser Hadrian errichtet wurde und das Trinkwasser über eine Länge von 170 Kilometern in die Stadt transportierte.

Die Hauptstraße von Gadara im Norden Jordaniens wurde einst von prachtvollen Kolonnaden gesäumt - © flog / franks-travelbox
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Die zweite sehenswerte Struktur neben dem Westtheater ist die so genannte Kirchenterrasse, die einst eine Kirche und eine Basilika beherbergte, von der noch der Grundriss und einige Säulen zu sehen sind.

Neben dem Westtheater hatten die Römer einst auch ein Nordtheater errichtet, das 6.000 Zuschauerplätze bereitstellte. Von ihm ist über die Jahrtausende allerdings nicht mehr viel übrig geblieben.

Geschichte von Umm Qais

Die heute kopflose Statue der griechischen Schicksalsgöttin Tyche thronte einst im Orchester des Westtheaters, Gadara, Jordanien - © flog / franks-travelbox
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Die Ursprünge von Umm Qais gehen vermutlich noch auf die Ptolomäer zurück, ihre Festung wurde allerdings im Jahr 200 vor Christus vom Seleukiden-König Antiochos III. zerstört.

Die Römer eroberten die Siedlung im Jahr 64 vor Christus durch Kaiser Pompeius und das einstige Gadara wurden als Teil des Römischen Imperiums zu einer florierenden Handelsstadt, deren Handelsrouten nach Syrien und Palästina führten. Unter Kaiser Augustus erlebte Gadara mit Schulen, Philosophen, Schriftstellern und Künstlern auch einen intellektuellen Aufschwung. Schwere Erdbeben im 7. und 8. Jahrhundert zerstörten große Teile von Gadara, die Bewohner gaben die Stadt archäologischen Funden zufolge aber erst im 13. Jahrhundert auf.

1974 führte das Deutsche Evangelische Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes in Jordanien Ausgrabungen durch und förderte die ersten Überreste von Gadara zutage. Das erste Gebäude, das freigelegt wurde, was eine byzantinische Kirche. Weitere deutsche Institute schlossen sich den scheinbar vielversprechenden Forschungen an, die seit 2001 auch auf die Umgebung von Umm Qais ausgeweitet werden.