Citadelle Laferrière, Haiti

Die Citadelle Laferrière im nördlichen Haiti ist die größte Befestigungsanlage des amerikanischen Kontinents und so etwas wie das inoffizielle Wahrzeichen des Karibikstaates - © SPC Gibran Torres PD/Wiki
© SPC Gibran Torres PD/Wiki

Die mächtige Citadelle Laferrière im Norden Haitis ist die größte Befestigungsanlage des amerikanischen Kontinents. Nach dem Sklavenaufstand, der Haiti die Unabhängigkeit von den Franzosen einbrachte, wurde sie aus Angst vor einem Rückschlag Frankreichs in fantastischer Lage über dem Städtchen Milot errichtet.

Die Citadelle Laferrière, auch bekannt unter der Bezeichnung Citadelle Henry Christophe, im nördlichen Haiti ist die größte Befestigungsanlage des amerikanischen Kontinents und so etwas wie das inoffizielle Wahrzeichen des Karibikstaates. Auch schon als achtes Weltwunder bezeichnet wurde sie im Jahr 1982 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Etwa 10 Kilometer von Milot entfernt thront die kolossale Festung auf einer Seehöhe von knapp 1.000 Meter auf dem Berg Bonnet a L’Eveque, von dem aus sich die umliegenden Täler perfekt überblicken lassen. Auch das knapp 30 Kilometer nördlich liegende Cap Haïtien, sowie der Atlantische Ozean können von seinen Dächern aus gesehen werden. An klaren Tagen sollte sogar die 140km entfernte Küste Kubas sichtbar sein.

40 Meter ragen die mächtigen Steinmauern in die Höhe, welche eine Anlage von gigantischen 10.000 Quadratmetern umfassen. Innerhalb der bis zu 4 Meter dicken Mauern gab es genug Stauraum, um 5.000 Menschen ein Jahr lang versorgen zu können, sogar Residenzen für die Königsfamilie waren für den Notfall vorgesehen. Die Außenmauern wurden durch Mörtel direkt mit dem steinigen Untergrund verbunden und sind so besonders widerstandsfähig.

Geschichte der Citadelle Laferrière

Errichtet wurde die eindrucksvolle Citadelle Laferrière von Henri Christophe, einem General der haitianischen Armee und Schlüsselfigur im Sklavenaufstand Anfang des 19. Jahrhunderts, der sich übrigens 1811, 5 Jahre nach einem Putsch gegen den amtierenden Herrscher Jean-Jaques Dessalines, selbst zum König Haitis ernannte. Über einen Zeitraum von 15 Jahren waren bis zu 20.000 Handwerker mit dem Bau der imposanten Anlage beschäftigt, bis sie 1820 fertiggestellt wurde. Das Grab des Erbauers befindet sich innerhalb der Mauern „seines” Forts, nachdem er sich nach einem Schlaganfall der Legende nach selbst das Leben nahm.

Die Intention war, die kürzlich durch den Aufstand erreichte Unabhängigkeit von Frankreich mit allen Mitteln zu verteidigen. Den Franzosen, die mit der Rückeroberung gedroht hatten, sollten 365 Kanonen in verschiedenen Größen und unglaubliche Mengen an vorrätigen Kanonenkugeln entgegengesetzt werden, die teilweise heute noch an den Steinwänden zu Pyramiden aufgeschichtet besichtigt werden können. Gegen die gefürchteten ehemaligen Kolonialherren hat sich das gewaltige Bollwerk nie behaupten müssen – doch hielt es bereits erfolgreich mehreren Erdbeben stand und musste in all den Jahrzehnten vergleichbar wenig renoviert werden.

Besuch der Citadelle Laferrière

Der Weg zur Citadelle Laferrière ist steil und unwegsam, Erdrutsche verhindern oft sogar ein Vorankommen mit Vierradantrieb. Es kann also passieren, dass man die stundenlange anstrengende Strecke von Milot aus also entweder zu Fuß oder hoch zu Ross zurücklegen muss. Zumindest die letzten drei Kilometer der schmalen steil ansteigenden Straße durch Bananen- und Kaffeeplantagen sind für Autos nicht zu schaffen.

Tipp: Beim Aufstieg zur Citadelle Laferrière auf jeden Fall genügend Wasservorrat, Kopfbedeckung und Sonnenschutz mitnehmen!

Doch auf der imposanten Festung angekommen lohnt sich jegliche Anstrengung allemal! Den prächtigen Anblick der majestätischen Burg, sowie den unvergleichlichen Ausblick von der achtstöckigen Festung aus vergisst man wohl sein Leben lang nicht. Die Innenräume der Befestigungsanlage sind zum Großteil für Besucher zugänglich, viele der Treppen dürfen bis ganz nach oben zur atemberaubenden Aussicht bestiegen werden.