Nationalpark Belaweschskaja Puschtscha, Weißrussland

Im Nationalpark Belaweschskaja Puschtscha in Europas letztem Urwald ist eine fantastische Flora und Fauna erhalten geblieben, Weißrussland - © Neirfy / Shutterstock
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Der Nationalpark Belaweschskaja Puschtscha im Westen von Weißrussland ist der letzte ursprüngliche Urwald Europas und letztes Rückzugsgebiet der Wisente, der europäischen Bisons.

Der Nationalpark Belaweschskaja Puschtscha liegt in der Bialowiezer Heide in Weißrussland und Polen und wurde im Jahr 1932 gegründet. Er beherbergt etwa 10.000 Jahre alten Mischwald, der früher ganz Europa bedeckte. Als letzter Tiefland-Urwald Europas wurde er 1979 von der UNESCO zum Weltnaturerbe ernannt.

Der Belaweschskaja Puschtscha Nationalpark umfasst in Weißrussland die Oblaste (Bezirke) Brest und Hrodna und liegt knapp 350km südlich der weißrussischen Hauptstadt Minsk. Das Gebiet des Biosphärenreservats befindet sich auf knapp 150 bis 200m Seehöhe und umfasst eine Fläche von insgesamt knapp 2.000km2, von denen knapp 1.800km2in Weißrussland liegen. Knapp 900km2davon sind als Nationalpark und Weltnaturerbe geschützt und an die 50km2stehen unter so strengem Schutz, dass sie von Touristen nur mit einem Führer betreten werden dürfen. Diese dürfen sich auch nur auf den festgelegten Wegen durch den prachtvollen Mischwald bewegen, der Rest des Urwaldes darf nur mit Sondergenehmigung zum Beispiel zu Forschungszwecken betreten werden. Auch die Erhaltung der Wege erfolgt mit streng natürlichen Mitteln, umgestürzte Bäume werden ohne maschinelle Hilfe von Hand abtransportiert.

Wisente im letzten Tiefland-Urwald Europas

Dem äußerst umsichtigen Umgang mit dem Belaweschskaja Puschtscha Nationalpark ist es zu verdanken, dass sich hier in einem der letzten Urwälder Europas eine fantastische Flora und Fauna erhalten konnte. Weitere Urwälder in Europa liegen nur noch im Biogradska Gora Nationalpark in Montenegro und im Sutjeska-Nationalpark in Bosnien-Herzegowina.

An der Wasserscheide zwischen der Ostsee und dem Schwarzen Meer gelegen wird der Nationalpark von mehreren großen Flüssen durchzogen, die seine üppige Vegetation ermöglichen.

So sind im Belaweschskaja Puschtscha Nationalpark zum Beispiel immer noch Wisente heimisch, Europas Antwort auf Amerikas Bisons, die mittlerweile zum Symbol der Gegend geworden sind. Sie standen bereits früher unter Schutz und durften nur mit ausdrücklicher Genehmigung der russischen Zaren abgeschossen werden. Im Jahr 1857 gab es noch knapp 2.000 Tiere, die jedoch zwei Epidemien und im Ersten Weltkrieg hungrigen Soldaten und Wilderern zum Opfer fielen. 1921 waren die wildlebenden Wisente völlig ausgerottet, nur noch 56 Exemplare lebten in Zoos und das Gebiet wurde als Wildreservat erstmals offiziell unter Schutz gestellt. Nach erfolgreicher Zucht und Auswilderung durchstreifen heute wieder an die 450 Tiere den Nationalpark. Neben dem Wisent hat noch eine Vielzahl anderer bedrohter Tierarten eine geschützte Zuflucht im Belaweschskaja Puschtscha Nationalpark gefunden, wie zum Beispiel Elche, Wildschweine, Wölfe, Luchse, Dachse, Otter, Marder, Hermeline, Hirsche, Schwarzstörche, Schreiadler, Kraniche, Uhus, Wanderfalken, Adlereulen sowie neun verschiedene Spechtarten.

Neben der eindrucksvollen Tierwelt gedeihen im Belaweschskaja Puschtscha Nationalpark 3.500 verschiedene Pilze und 5.500 Pflanzenarten, darunter an die 500 Jahre alte Eichen mit an die 40m Höhe und einem Stammumfang von knapp 1,5m.

Weiterführende Links:

Offizielle Seite des Nationalparks Belaweschskaja Puschtscha