Sewastopol auf der Halbinsel Krim, Ukraine

Sewastopol wird jedes Jahr von etwa einer halben Million Touristen besucht, die die über 2.000 Denkmäler und die prachtvollen Kirchen zu schätzen wissen, Halbinsel Krim, Ukraine - © J29 CC BY-SA3.0/Wiki
© J29 CC BY-SA3.0/Wiki

In Sewastopol auf der Halbinsel Krim am Schwarzen Meer ist bis heute die russische Schwarzmeerflotte stationiert. Die größte Stadt Krims zieht mit seinen Denkmälern und Prachtbauten jedes Jahr eine halbe Million Touristen an.

Sewastopol am Schwarzen Meer ist mit knapp 400.000 Einwohnern die größte und wohl bekannteste Stadt der ukrainischen Halbinsel Krim. Jedes Jahr wird sie von etwa einer halben Million Touristen besucht, die hauptsächlich aus Russland und der Ukraine stammen.

Sewastopol wurde im Jahr 1783 unter russischer Besatzung (neu) gegründet und ist heute Bildungszentrum der autonomen Republik Krim und Sitz zahlreicher wissenschaftlicher Institute und Organisationen. Flächenmäßig ist Sewastopol riesig, etwa so groß wie Berlin oder New York, und umschließt 38 Buchten und mehrere Flussläufe.

Reisetipps für Sewastopol

Die Anreise nach Sewastopol erfolgt über Kiew oder Simferopol mit dem Flugzeug und anschließend mit dem Bus oder Taxi. Eine andere (langwierigere) Alternative ist die Fähre von Istanbul aus, da ist man allerdings 24 Stunden unterwegs.

Das Klima in Sewastopol ist beinahe subtropische mit Sommertemperaturen bis zu 40°C. Die Hitze bleibt jedoch durch die ständige Brise vom Meer her erträglich. Im Winter fallen die Temperaturen auch mal unter den Gefrierpunkt, der Hafen von Sewastopol ist jedoch noch nie zugefroren.

Die Stadt ist zwar kein Urlaubs- und Badeort im eigenen Sinne, verströmt mit seinen ganz besonderen Sehenswürdigkeiten jedoch ein einzigartiges Flair.

Schwarzmeerflotte

Sewastopol ist Hauptstützpunkt der ukrainischen Marine und bis heute auch Heimathafen der russischen Schwarzmeerflotte, die nach der Unabhängigkeit der Ukraine zwischen Russland und der Ukraine aufgeteilt wurde. Sewastopol war zwar dann auf ukrainischem Territorium, die Nutzung des Schwarzmeer-Hafens durch die Russen wurde jedoch vertraglich geregelt. Und so liegen nun ukrainische und russische Kriegsschiffe in Sewastopol nebeneinander vor Anker. Die ukrainischen Schiffe sind leicht an der Schiffsnummer mit dem „U” und der blau-gelben Flagge zu erkennen. Die Stationierung der russischen Schwarzmeerflotte ist auch der Grund, warum in Sewastopol die (pro-)russischen Behörden und Institutionen sehr stark präsent sind und Verbindungen zum Westen abgelehnt werden.

Sowohl Schiffe der russischen als auch der ukrainischen Schwarzmeerflotte liegen in Sewastopol vor Anker, Halbinsel Krim, Ukraine - © Stepanyuchenko CC BY2.0/W
© Stepanyuchenko CC BY2.0/W

Bucht von Balaklawa

Die ehemaligen Militäranlagen können am besten in der zu Sewastopol gehörigen Bucht Balaklawa besichtigt werden, einem malerischen Landeinschnitt im Süden der Stadt. Hier befinden sich außerdem eine in den Berg getriebene U-Bahn-Werft und eine Festung, von der aus sich ein atemberaubender Blick über Balaklawa, seine Bucht und das Schwarze Meer auftut.

Wladimir-Kathedrale

Die Wladimir-Kathedrale (nicht zu verwechseln mit der Wladimir-Kathedrale in Chersones) liegt in der Suworow-Straße auf dem höchsten Hügel von Sewastopol. Der erste byzantinische Bau der Kathedrale begann im Jahr 1854, nachdem der damalige Admiral der russischen Schwarzmeerflotte Alexei Samuilowitsch Greig ein Ansuchen an Zar Alexander I. gestellt hatte, eine Gedenkstätte für den Heiligen Wladimir zu errichten. 1966 musste die Wladimir-Kathedrale nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg komplett neu wieder aufgebaut werden.

Heute erstrahlt die Wladimir-Kathedrale in altem Glanz und beherbergt unter ihrem gut 30m hohen Turm nach wie vor die Grabstätten einiger bedeutender Admirale der Schwarzmeerflotte, deren Namen ebenso in schwarzem Marmor an der Kirchenfassade verewigt wurden.

Weitere sehenswerte Kirchen sind die Peter-und-Paul-Kirche und die Pokrowski-Kathedrale.

Museen in Sewastopol

Das Panorama-Museum in Sewastopol ist ein kreisrunder Bau auf dem Festungshügel Istoritscheski bulwar. Es dient einzig und allein der Präsentation eines einzigen Gemäldes. Ein Panoramabild des russischen Schlachtenmalers Franz Roubaud „Die Verteidigung Sewastopols 1854-1855″ erstreckt sich auf einer über 100m langen Leinwand über die gesamte Innenwand des Museums.

Tipp: Ganz in der Nähe des Panorama-Museums befindet sich das Höhlenkloster Inkerman, auf dessen Weingut der exzellente Wein Sewastopols verkostet werden kann.

Das Museum der Schwarzmeerflotte, eines der ältesten Marine-Museen der Ukraine, berichtet über die turbulente Geschichte von Sewastopol als Flottenstützpunkt und ein kleines Kunstmuseum am Nachimowa 9 stellt Werke russischer und westeuropäischer Maler vom 17. bis zum 19. Jahrhundert aus.

Das Museum der Schwarzmeerflotte in Sewastopol, Halbinsel Krim, Ukraine - © Елизавета Резник CCBY-SA3.0/W
© Елизавета Резник CCBY-SA3.0/W

Chersones

Auf dem Kap von Serwastopol kann die Ausgrabungsstätte der antiken griechischen Siedlung Chersones besichtigt werden, die seit 2013 um Weltkulturerbe der UNESCO zählt. Hier befindet sich auch die Wladimir-Kirche, deren goldenes Kreuz über die gesamte Stadt leuchtet und auf allen internationalen Seekarten verzeichnet ist.

Die St. Vlaidimir-Kathedrale an der Ausgrabungsstätte Chersones auf der Halbinsel Krim stammt aus dem 19. Jahrhundert, Ukraine - © Andrew Butko CC BY-SA3.0/Wiki
© Andrew Butko CC BY-SA3.0/Wiki

Denkmäler in Sewastopol

In der Heldenstadt Sewastopol gibt es über 2.000 Denkmäler zu entdecken. Am Hafen findet sich zum Beispiel die Adlersäule zum Andenken an die im Krimkrieg versenkten russischen Schiffe. Ebenfalls an den Krimkrieg erinnert die Statue des russischen Admirals Pawel S. Nachimow, der während der Belagerung Sewastopols die Verteidigung des Heimathafens organisierte. Auf dem Sapun-Hügel vor den Toren der Stadt erinnert ein Denkmal und Museum an die furchtbaren Tage der Belagerung und Erstürmung Sewastopols im Zweiten Weltkrieg.

Sewastopol und die Malakow-Torte

Die berühmte Malakow-Torte, eine herrliche Komposition aus Biskuit, Vanillecreme und Schlagsahne, hat ihren Ursprung in Sewastopol. Am 8. September 1955 wurde während des Krimkrieges auf einem Hügel in Sewastopol die Festung Malakow erobert (ein Verteidigungsturm der Festung ist heute noch zu sehen) und der damalige französische Marschall zum „Herzog von Malakow” ernannt. Ihm zu Ehren wurde die Malakow-Torte kreiert, die bis heute in ganz Mitteleuropa bekannt und beliebt ist – nur in Sewastopol kennt sie keiner. Auch die schweizerischen Käsebällchen namens Malakow, die vor allem im Waadtland bekannt sind, wurden nach dem Herzog benannt.

Geschichte von Sewastopol

Sewastopol wurde bereits im 7. Jahrhundert vor Christus von den Griechen besiedelt. Daher rührt auch noch sein Name: „sebastós” und „pólis” bedeutet zusammengesetzt in etwa „Majestätsstadt”. Bereits damals war Sewastopol die größte Stadt der Halbinsel Krim. Unter byzantinischer und römischer Herrschaft blieb Sewastopol nocht halbwegs bestehen, erst im 14. Jahrhundert wurde sie durch die Tartaren dem Erdboden gleichgemacht und völlig neu aufgebaut. Als Krim von den Russen erobert wurde, folgte 1783 unter der damaligen Zarin Katharina der Großen die Neugründung von Sewastopol.

Mit der Blütezeit von Sewastopol war es allerdings längst vorbei. Ihre erneute Zerstörung folgte Mitte des 19. Jahrhunderts im Krimkrieg nach elfmonatiger Belagerung. Die Stadt wurde jedoch wieder errichtet und galt im zweiten Weltkrieg als stärkste Festung der Welt. Dennoch fiel sie in der Schlacht um Sewastopol 1941 bis 1942 erneut und war kurzfristig in deutscher Hand, bevor sie 1944 in der Schlacht um Krim von den Sowjets wieder zurückerobert wurde. 1945 wird Sewastopol zur Heldenstadt erklärt, über 2.000 Denkmäler erinnern heute noch an die vergangenen Kriegsereignisse.

1954 schenkte der spätere Regierungschef Nikita Chruschtschow (selbst gebürtiger Ukrainer) die gesamte Halbinsel Krim – und damit auch Sewastopol – der ukrainischen Sowjetrepublik – mit verheerenden Folgen. Sewastopol war seit jeher Heimathafen der russischen Schwarzmeerflotte – die 1991 nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion geteilt wurde. Die Russen erhielten zwar den Großteil der Flotte, verloren jedoch das Gebiet des Hafens an die neue Republik der Ukraine. Alternative zu Sewastopol an der russischen Schwarzmeer-Küste wurd keine gefunden. Langwierige Verhandlungen sicherten Russland schließlich den Verbleib der russischen Schwarzmeerflotte in Sewastopol zu. Der erste Vertrag galt bis 2017 und wurde im Jahr 2010 vom russischen Präsident Putin und dem ukrainischen Präsident Janukowitsch gegen verbilligte Erdgaslieferungen bis 2042 verlängert. Für diese Vereinbarung zahlt Russland jedes Jahr hundert Millionen US-Dollar an die Ukraine, das sind 25% des gesamten ukrainischen Staatsbudgets.

Seit dem Jahr 1994 ist Sewastopol nicht mehr Sperrzone, sondern für Krim-Bewohner und Touristen gleichermaßen geöffnet. Die Stadt ist allerdings nicht Simferopol, der Hauptstadt Krims, sondern als einzige Siedlung der Halbinsel direkt Kiew unterstellt.

Nach den Unruhen in Kiew im Februar 2014 und der Flucht des Präsidenten Janukowitsch allerdings war die Einhaltung des Vertrages aus russischer Sicht nicht mehr gesichert und die Russen marschierten auf der Halbinsel Krim ein, was die Medien sogar von einem Wiederaufleben des Kalten Krieges sprechen ließ. Russland versucht seit geraumer Zeit, die Unabhängigkeit der Halbinsel Krim von der Ukraine herbeizuführen, um seinen Flottenstützpunkt zu sichern.