Kathedrale La Seu in Palma de Mallorca, Spanien

Blick auf die imposante Kathedrale La Seu (katalanisch für „Bischofssitz“) in Palma, der Hauptstadt der spanischen Mittelmeerinsel Mallorca, Spanien - © Tamara Kulikova / Shutterstock
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Im südlichen Stadtteil von Palma de Mallorca erhebt sich das gigantische Bauwerk der Kathedrale La Seu. Sowohl ihre Fassade als auch der prachtvolle Innenraum entlocken Besuchern Ausrufe des Staunens.

Die Kathedrale La Seu (katalanisch für „Bischofssitz”) erhebt sich in der Altstadt von Palma de Mallorca, der Hauptstadt der spanischen Mittelmeerinsel Mallorca, vom Meer nur durch den Parc de la Mar und die Autobahn Ronda Litoral getrennt.

BILDER: Kathedrale La Seu in Palma de Mallorca

 

Highlights der Kathedrale La Seu

Für ihre Besucher hält die Kathedrale La Seu einige Attraktionen bereit. Eines davon ist das prachtvolle Rosettenfenster über dem Chor aus dem 14. Jahrhundert, das einen Durchmesser von über zwölf Metern hat und als die größte gotische Rosette der Welt gilt. Neben ihm gibt es noch fünf weitere Rosettenfenster sowie mehrere kunstvoll verarbeitete Glasfenster, die für ein ganz besonderes Licht im Inneren der Kathedrale sorgen.

Es wird aber geschätzt, dass am Bau der monumentalen Kathedrale von Palma de Mallorca insgesamt zehn Generationen beteiligt waren, Spanien - © James Camel / franks-travelbox
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Die Kathedrale La Seu besticht schon allein durch ihre Größe: Der gewaltige Bau misst 110 mal 33 Meter und bietet 18.000 Gläubigen Platz. Betrachtet man den Bau von außen, fällt einem auf, dass die Kathedrale über keine herausragenden Türme verfügt, die beiden Haupttürme übertreffen den restlichen Bau an Größe nicht wirklich. Im nördlichen Glockenturm hängen neun Glocken, von denen die bekannteste die N’Eloi ist. Sie bringt es immerhin auf einen Durchmesser von zwei Metern.

Die Kathedrale verfügt über mehrere Portale. Die Porta Major, das Hauptportal an der Westseite, war von den Veränderungen der beiden Architekten im 19. und 20. Jahrhundert nicht betroffen. Es ist mit Statuen von Heiligen geschmückt, über denen eine Marienfigur schwebt. Das Hauptportal ist allerdings verschlossen, die Kathedrale wird über das Nordportal betreten, die Porta de Almoina (Almosenportal). An der spätgotischen Porta del Mirador arbeiteten mehrere berühmte Architekten mit. Sie ist mit der Abendmahlszene und mit Heiligenfiguren verziert.

Gaudi nannte die eindrucksvolle Kathedrale La Seu den größten und vollkommensten Erfolg in Harmonie, Konstruktion und Mechanik des gotischen Stils, Spanien - © James Camel / franks-travelbox
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In der Kapelle Trinitat an der Ostseite ruhen die sterblichen Überreste zweier Monarchen. Jaume II, unter dessen Herrschaft der Bau der Kathedrale begonnen wurde, und Jaume III wurden hier zu ihrer letzten Ruhe gebettet. Über ihre Sarkophage wacht eine Skulptur aus dem 14. Jahrhundert, die den Namen „Unsere liebe Frau von der Kathedrale” trägt.

Die Capelle de Corpus Cristi (Fronleichnamskapelle), die sich links neben dem Hauptaltar befindet, hält gerade für an der Kunst Interessierte ein wahres Prachtstück bereit: ein Altarbild des Künstlers Jaume Blanquet, welches als herausragendes Werk des Barock bezeichnet wird.

Verschiedene Kunstschätze werden auch im Museu de la Seu, dem Kirchenmuseum, ausgestellt. Dieses ist in der Sakristei und in den Kapitelsälen untergebracht. Man kann bei einem Besuch in der Kathedrale auch an einer Führung teilnehmen, um detaillierte Informationen über die Geschichte und die Architektur des Bauwerks zu erhalten.

Innenansicht des Mittelschiffs in der Kathedrale La Seu, Palma de Mallorca, Spanien - © VLADJ55 / Shutterstock
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Geschichte der Kathedrale La Seu

Das imposante Gotteshaus hat, wie so viele andere sakrale Bauwerke, eine lange Geschichte hinter sich. Ihr Bau wurde im Jahr 1300 von König Jaume II begonnen. Der damalige König ließ den Grundstein für die Kathedrale aus Dankbarkeit für seinen Sieg über die Mauren legen; sehr bezeichnend dafür ist auch die Tatsache, dass La Seu auf den Fundamenten einer ehemaligen Moschee errichtet wurde. Mehrere hundert Jahre dauerte es, bis schließlich das gewaltige Hauptportal fertig gestellt und der Bau somit beendet wurde. Wie viele Arbeiter am Bau beschäftigt waren, ist nicht bekannt, es wird aber geschätzt, dass insgesamt zehn Generationen daran beteiligt waren.

Das Altarbild der Seitenkapelle Corpus Christi aus dem 17. Jahrhundert in der Kathedrale von Palma de Mallorca, Spanien, wird als herausragendes Werk des Barock bezeichnet - © Lila Pharao / franks-travelbox
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Ein dermaßen gewaltiges Projekt kann natürlich nicht ohne das nötige Geld durchgeführt werden. Für die Finanzierung der mächtigen Kathedrale La Seu wurden Mitglieder sämtlicher Bevölkerungsschichten und Berufsgruppen zur Kasse gebeten. Sie glaubten, sich mit ihrer Beteiligung an den Kosten ihr Seelenheil erkaufen zu können. Aber nicht nur in Palma, auch in den umliegenden und weiter entfernten Regionen wurden die Bewohner um Spenden gebeten. Viele von ihnen gaben kein Geld, sondern Sachspenden oder Nahrungsmittel, die später am Markt verkauft wurden. Der Erlös kam den Bauarbeiten an der Kathedrale zugute.

In den verwinkelten Gassen von Palma sind die mächtigen Türme der Catedral La Seu nur hin und da auszumachen, Mallorca, Spanien - © James Camel / franks-travelbox
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Im 19. Jahrhundert wurden Teile der Kathedrale durch ein Erdbeben zerstört. Der Architekt Juan Bautista Peyronnet nahm danach Umbauarbeiten vor, im Zuge derer er die Kathedrale La Seu im neugotischen Stil gestaltete. Vor allem an der Hauptfassade nahm er größere Veränderungen vor. Seine Arbeit war allerdings umstritten, und so bekam der bekannte Architekt Antoni Gaudi im 20. Jahrhundert den Auftrag, das gotische Erscheinungsbild der Kathedrale wiederherzustellen. Seine Aufmerksamkeit lag hauptsächlich auf dem Inneren des Bauwerks, wo er unter anderem den barocken Altar durch einen gotischen ersetzte und das Chorgestühl vom Mittelschiff in die Apsis verlegte. Gaudi sagte über die eindrucksvolle Kathedrale La Seu, sie sei „der größte und vollkommenste Erfolg in Harmonie, Konstruktion und Mechanik des gotischen Stils”.

Der König von Spanien ließ die Kathedrale von Palma de Mallorca zum Dank für seinen Sieg über die Mauren bezeichnenderweise auf den Fundamenten einer Moschee errichten - © James Camel / franks-travelbox
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Aber auch seine Bemühungen fanden keinen allzu großen Anklang, denn die Kirchenleitung betrachtete seine Arbeiten als zu fortschrittlich. Gaudi stellte seine Arbeit an der Kathedrale nach einigen Jahren ein und verließ Palma, um sich fortan voll und ganz der berühmten Sagrada Familia in Barcelona zu widmen.

Weiterführende Links:

Öffnungszeiten und Museumspreise der Kathedrale La Seu (englisch)

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