Festung Petrovaradin in Novi Sad, Serbien

Blick auf die Festung Petrovaradin die auf einem Hügel über der Donau in der serbischen Stadt Novi Sad thront, Serbien - © igor / Fotolia
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Die Festung Petrovaradin im serbischen Novi Sad ist eine der größten und besterhaltenen Festungen Europas. Nach ihrer turbulenten Vergangenheit beinhaltet sie heute Cafés und Künstlerateliers.

Die Festung Petrovaradin befindet sich im gleichnamigen Stadtteil in der serbischen Hauptstadt Novi Sad und ist die in Europa am besten erhaltene Burg in dieser Größe. Das Wahrzeichen Petrovaradins thront auf einem Hügel über der Donau und zählt zu den wichtigsten historischen Kulturgütern des Landes.

Von der Steinzeit-Feste bis zum modernen „Gibraltar der Donau”

Der Beginn einer Befestigungsanlage auf dem Felsen an der Donau geht unglaublich weit in die Geschichte zurück. Bereits in der Steinzeit an die 15.000 Jahre vor Christus befanden sich hier laut Ausgrabungen erste Siedlungen und uralte Festungswälle deuten darauf hin, dass eine erste keltische Verteidigungsanlage bereits in der Bronzezeit 3000 Jahr vor Christi Geburt existierte. Unter den Römern, die mit dem Limes an der Donau die Grenzen ihres Reiches befestigen, entstand das erste große Bollwerk, genannt Cusum. Mitte des 13. Jahrhunderts wurde es zu einem Zisterzienser-Kloster Petrikon umfunktioniert und gegen die Türken noch stärker befestigt. Dennoch wurde es nach einer zweiwöchigen Belagerung im Jahr 1526 eingenommen.

Gut 150 Jahre später kamen die Österreicher ins heutige Serbien, rissen die alten Festungen nieder und bauten neue. Der Bau der heutigen Festung Petrovaradin begann im Jahr 1692 unter dem österreichisch-russichen Feldmarschall Charles Eugène de Croÿ. Im August 1716 kam es direkt bei der Festung Petrovaradin zur alles entscheidenden Schlacht zwischen den Österreichern unter Prinz Eugen von Savoy und den Türken unter Großwesir Damad Ali Paşa. Die Österreicher siegten trotz starker zahlenmäßiger Unterlegenheit und die Türken stellten für Mitteleuropa nie wieder eine Bedrohung dar.

In den darauffolgenden sechs Jahrzehnten wurde die Festung Petrovaradin immer weiter ausgebaut und nahm bald eine Fläche von über 100 Hektar ein. Sie besaß fünf mächtige Pforten, 12.000 Schießscharten, 400 Feldkanonen und ein geheimes Netz an unterirdischen Tunneln, das sich auf vier Ebenen erstreckt und insgesamt auf 16km ausdehnte. Die Kasematten konnten einerseits für die Versorgung bei Belagerungen als auch als Versteck und Fluchtweg genutzt werden. Eine der Schleusen ist heute das imposante Belgrader Tor. Aufgrund seiner außergewöhnlich starken Befestigung war es auch als „Gibraltar der Donau” bekannt. Bemerkenswert ist hier auch die „umgekehrte Uhr”, bei der der große Zeiger mit einer Länge von 2m die Stunde anzeigt, damit auch die Seefahrer auf der Donau aus weiter Entfernung die Uhrzeit erkennen konnten.

1776 waren die eindrucksvolle Festung Petrovaradin und all ihre furchteinflößenden Verteidigungsanlagen fertig gebaut – und kein weiterer Krieg in Sicht. Erst während der ungarischen Revolution im Jahr 1849 spielte das Fort wieder eine Rolle, als zweidrittel von Novi Sad zerstört wurden. Die Festung fungierte fortan als Lagerhaus und Militärstützpunkt, nach dem Ersten Weltkrieg ging es an das damalige Jugoslawien.

Kasematten, Künstler und Kaffee

Das Fort ist heute eine der wichtigsten Attraktionen in Novi Sad. Sowohl die Obere als auch die Untere Burg sind kostenlos zu besichtigen. Neben den alten Gemäuern und den unterirdischen Tunnel, die nur in Begleitung eines Führers betreten werden dürfen, gibt es auch Museen, Ausstellungen, ein Planetarium und an die 100 Künstlerateliers voller freundlicher Menschen, die Besucher gerne auf eine Tasse Kaffee einladen. Von seinem Hügel aus hat man einen atemberaubenden Blick über die Altstadt von Novi Sad und die Donau, der sich am besten bei einem Cappuccino in einem der zahlreichen Cafés genießen lässt.

Musikfestival auf der Festung Petrovaradin

Das Musikfestival EXIT, oder auch Egzit in serbischer Aussprache, wird seit dem Jahr 2000 jährlich im Juli auf der Festung Petrovaradin abgehalten und begeistert vier Tage lang vor allem Rock’n’Roll-Anhänger und Fans von elektronischer Musik. Seine Existenz und seinen Namen hat das Festival einer Gruppe serbischer Studenten zu verdanken, die der serbischen Jugend nach dem Zerfall Jugoslawiens und der Herrschaft Milosevics einen „Ausgang” („Exit”) bieten wollten. Heute gilt EXIT als das bedeutendste Musikfestival Südosteuropas, bei dem schon große Namen wie Guns N’Roses, Beastie Boys, Fatboy Slim, Franz Ferdinand, HIM, Pet Shop Boys, The Cardigans und Snoop Dogg die Bühne rockten.

Weiterführende Links:

Offizielle Website des EXIT-Festivals in Novi Sad (englisch)