Radiostation Grimeton in Varberg, Schweden

Die Radiostation Grimeton in der Gemeinde Varberg wurde 1924 in Betrieb genommen und funkte als erste Sendestation Nachrichten über den Atlantik, Schweden - © maartenhoek / Fotolia
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Die Radiostation Grimeton in der schwedischen Gemeinde Varberg wurde 1924 in Betrieb genommen und funkte als erste Sendestation Nachrichten über den Atlantik. Aufgrund ihrer außergewöhnlich guten Erhaltenheit wurde sie 2004 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

Die Radiostation Grimeton in der schwedischen Gemeinde Varberg, etwa eine Autostunde südlich von Göteborg, ist eine ganz außergewöhnliche technische Sehenswürdigkeit. Die Sendestation wurde noch vor dem Zweiten Weltkrieg in Betrieb genommen und schickte bis zum Jahrtausendwechsel Nachrichten über den Atlantik nach Nordamerika.

Als im Jahr 1895 die Radiowellen entdeckt und die drahtlose Telegrafie erfunden wurde, entstanden Sendestationen über die ganze Welt verteilt. Auch der schwedische Reichstag gab im Ersten Weltkrieg den Auftrag, eine Radiowellen-Empfangsstation zu bauen. Durch die günstige Lage und die Idee des Erfinders Ernst Fredrik Werner Alexanderson, mehrere Antennen gleichzeitig zu verwenden, gelangten die Funkwellen erstmals bis nach New York und revolutionierten die Langstrecken-Kommunikation. Weitere derartige Sender wurden in den USA, Hawaii, in Wales und in Polen errichtet und formten damit das erste interkontinentale Kommunikationsnetzwerk.

Das damalige Wunder der Technik wurde durch 6 knapp 130m hohe Sendetürme ermöglicht, damals die höchsten Bauwerke in Schweden. Die wie Hochspannungsmasten anmutenden Antennen in einem Abstand von knapp 400m zueinander werden von beinahe 50m langen Querstreben gekrönt, die die über 2km langen Kupferleitungen halten.

Heute noch funktionsfähig

Dies ist an sich noch nichts Besonderes – gab es doch viele solcher Sendestationen zu jener Zeit. Das besondere an der Grimeton Radiostation ist jedoch, dass sie seit ihrer Inbetriebnahme 1924 als einzige Sendestation der Welt erstens nicht verändert wurde und zweitens mit der damaligen Technik des Maschinensenders noch immer funktionstüchtig ist. Sowohl die Sendemasten als auch das Sendegebäude in neoklassizistischem Stil können heute im Originalzustand besichtigt werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die interkontinentale Kommunikation durch Kurzwellen auf und die Längstwellen der Radiostation Grimeton wurden nur noch zur Verständigung mit U-Booten genutzt. 1966 wurde die Anlage durch einen 260m hohen Sendemasten zur Verbreitung von Radio- und TV-Programmen erweitert. 1995 wurde die Anlage dann aufgrund mangelnder Verwendungsmöglichkeiten aufgegeben.

Den Bemühungen von Interessensverbänden ist es zu verdanken, dass die Radiostation Grimeton ein Jahr nach seiner Schließung zum nationalen schwedischen Industriedenkmal ernannt wurde und damit seine Erhaltung sichergestellt ist. 2004 wurde die Radiostation in Varberg abermals ausgezeichnet, durch einen Eintrag in die Weltkulturerbe-Liste der UNESCO, als außergewöhnlich gut erhaltenes Beispiel eines Telekommunikationszentrums, das die technische Errungenschaften zur damaligen Zeit und deren Weiterentwicklung über mehrere Jahrzehnte perfekt repräsentiert.

Letzte Nachricht: Die letzte von der Radiostation Grimeton gesendete Nachricht war eine Neujahrsbotschaft zum Jahrtausendwechsel. Der schwedische König Carl XVI. Gustaf schickte einen Gruß ähnlich der ersten gesendeten Nachricht aus den 1920er Jahren um die Welt. Man schätzt, dass sie von rund 100 Menschen um den Globus empfangen wurde.

Weiterführende Links:

Offizielle Website der Grimeton Radiostation in Varberg inkl. Preise, Führungen und Öffnungszeiten