Marienkirche in Danzig, Polen

Blick auf die Marienkirche in Danzig, der größten Backsteinkirche Europas und einer der größten der Welt, Polen - © Nightman1965 / Shutterstock
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Die Marienkirche in Danzig im Norden Polens ist die größte Backsteinkirche Europas und eine der größten der Welt. In ihrem Inneren erinnert ein Mahnmal an den Flugzeugabsturz in Solemsk von 2010.

Die Marienkirche in Danzig im Norden Polens ist die größte Backsteinkirche Europas und eine der größten der Welt. Mit einer Länge von 105 und einer Breite von 66 Metern bietet sie 25.000 Gläubigen Platz. Zum Vergleich: Der um 40m längere Kölner Dom hat nur 4.000 Sitzplätze.

Geschichte der Marienkirche in Danzig

Der Bau des gigantischen Gotteshauses wurde im Jahr 1343 begonnen und Anfang des 16. Jahrhunderts nach einer Bauzeit von 159 Jahren beendet. Der beeindruckende Innenraum der Kirche ist schwindelerregende 30m hoch und, anders als aus manch anderen großen Kirchen bekannt, hell und freundlich gestaltet. Unter dem schneeweißen Verputz finden sich noch Reste der mittelalterlichen Bemalung, die teilweise freigelegt werden konnten.

Ein weiterer Schatz der Marienkirche aus dem 15. Jahrhundert ist die Astronomische Uhr von Hans Düringer aus Nürnberg im linken Seitenschiff. Im 82m hohen Glockenturm hängen zwei Glocken, die knapp 8 Tonnen schwere „Gratia Die” und die gut 2,5 Tonnen schwere „Ave Maria”. Der Turm ist über 402 Stufen zu erklimmen und belohnt den Aufstieg mit einem überwältigenden Ausblick über Danzig.

Der größte evangelisch-lutherische Sakralbau der Welt

Gleich nach ihrer Fertigstellung wurde die Marienkirche von Katholiken und Protestanten gleichermaßen genutzt, wurde aber bald zum größten evangelisch-lutherischen Sakralbau der Welt. Für den katholischen König Polens wurde Ende des 17. Jahrhunderts eigens die karmesinrote „Königliche Kapelle” errichtet, damit auch er bei seinen Besuchen in Danzig einer katholischen Messe beiwohnen konnte. Schon seit dem Mittelalter war die Marienkirche für ihre wundervolle Kirchenmusik bekannt. Im 17. Jahrhundert wurde die Orgel gebaut und der Kirchenchor bestand aus zehn Berufssängern und elf Instrumentalisten.

Zerstörung und Wiederaufbau der Marienkirche

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Marienkirche fast völlig zerstört. Der hölzerne Dachstuhl brannte komplett aus, alle 37 Glasfenster waren zerbrochen und 14 der 26 großen Stützpfeiler im Gewölbe brachen in sich zusammen. Zahlreiche Kunstwerke wurden zerstört, darunter die Orgel, das Taufbecken und nahezu alle 144 Heiligenfiguren der Marienkirche, nur 11 konnten gerettet werden. Nach Kriegsende hielten die polnischen Katholiken in der Marienkirche Einzug und 1946 begann der Wiederaufbau der nun römisch-katholischen Kathedrale. 1955 wurde sie feierlich neu eingeweiht und 10 Jahr später zur Basilika erklärt.

Die Marienkirche als letzte Ruhestätte

Die Marienkirche ist die letzte Ruhestätte des Barockdichters Martin Opitz von Boberfeld und des ehemaligen polnischen Senatspräsident, der beim Flugzeugabsturz bei auf dem Militärflugplatz Smolenks-Nord im April 2010 ums Leben kam. Der Sarkophag des letzteren ist in der Marienkirche ausgestellt, daneben befindet sich ein Mahnmal an die 96 Menschen die bei dem Flugzeugabsturz ums Leben kamen, darunter auch der polnische Staatspräsident und seine Ehefrau, sowie weitere hohe Regierungsbeamte Polens.

Die Geschichte des „Jüngsten Gerichts”

Einst befand sich in der Marienkirche in Danzig das berühmte Triptychon „Das jüngste Gericht”, ein dreiteiliges Gemälde, das vom Brügger Maler Hans Memling geschaffen wurde. Als Auftragsarbeit für die einflussreiche italienische Familie Medici war es ursprünglich für die Badia-Fiesolana-Kirche in Florenz bestimmt, 1473 erbeutete Paul Beneke mit seinem Kaperschiff „Peter von Danzig” es jedoch auf einem britischen Schiff und der Schiffseigner stiftete die wertvolle Fracht der Marienkirche. Langwierigen Verhandlungen, in denen der Papst Danzig sogar mit Kirchenbann drohte, blieben ohne Erfolg.

Im Zweiten Weltkrieg brachten die Sowjets das Kunstwerk in die Ermitage von St. Petersburg und schließlich kam es 1956 im Danziger Nationalmuseum zur Ruhe. In der nördlichen Turmkapelle der Marienkirche in Danzig ist eine Kopie davon zu sehen.