Kloster Jasna Góra in Częstochowa (Tschenstochau), Polen

Das Kloster Jasna Góra in der Stadt Częstochowa (Tschenstochau) gilt mit der „Schwarzen Madonna“ als spirituelles Zentrum Polens - © wajan / Fotolia
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Das Kloster Jasna Góra befindet sich in der polnischen Stadt Częstochowa (Tschenstochau). Mit der „Schwarzen Madonna“ gilt es als spirituelles Zentrum Polens und bedeutende Pilgerstätte.

Das Bergkloster Jasna Góra („Heller Berg”) ist eine bedeutende Pilgerstätte in der polnischen Großstadt Częstochowa (Tschenstochau). Częstochowa liegt im Südwesten des Landes etwa 200km südwestlich der polnischen Hauptstadt Warschau und 100km nordwestlich von Krakau und gilt als spirituelles Zentrum Polens.

Das Kloster Jasna Góra wurde im Jahr 1382 auf einem knapp 300m hohen Hügel gegründet und bis heute von den Paulinermönchen betreut. Seinen Weltruhm erhielt Jasna Góra durch die bekannte „Schwarze Madonna”, die bereits zwei Jahre nach seiner Gründung im Kloster Jasna Góra verwahrt wurde.

Die Schwarze Madonna von Jasna Góra

Das Bildnis der Gottesmutter hatte Herzog Wladislaw II. aus der ukrainischen Stadt Belz nach Częstochowa gebracht und gilt nun als heiligste Reliquie des Landes. Die Holztafel, auf der das Bild gemalt wurde, stammt der Legende nach aus einem Tisch der Heiligen Familie, das Bildnis aus der Feder des Evangelisten Lukas. Kaiser Konstantin brachte das Bildnis nach Konstantinopel, auf verworrenen Wegen kam es schließlich in die Ukraine. Ursprünglich hätte die Ikone von Belz angeblich nach Oberschlesien überstellt werden sollen, die Kutschenpferde verweigerten jedoch in Częstochowa, was als Zeichen gesehen wurde, das eigentliche Ziel schon erreicht zu haben.

Am Anfang war das Kloster nur eine kleine unscheinbare Kirche. Mit dem Ruhm der Schwarzen Madonna wurden jedoch immer mehr Pilger angezogen, die Spenden hinterließen, mit denen die Kirche prunkvoll gestaltet werden konnte. Betritt man den Innenraum heute, wird man von der goldglänzenden barocken Pracht regelrecht überwältigt.

Als im Jahr 1430 das Kloster überfallen und das Marienbildnis geschändet wurde, wurde die Bekanntheit von Jasna Góra nur noch größer. Das originale Bild der Schwarzen Madonna ließ sich leider nicht wieder vollständig restaurieren, doch auf der neuen Bemalung sind die Spuren der Schwerthiebe zur Erinnerung an die Zerstörung nachgeritzt.

Symbol politischer und religiöser Freiheit

Nach dem Ausbau des Klosters Jasna Góra zu einer mächtigen Festung im 17. Jahrhundert überstand es 1655 eine monatelange Belagerung schwedischer Truppen im Zweiten Schwedisch-Polnischen Krieg. Damals stand es 3.000 Invasoren gegen 260 Verteidiger, trotzdem konnte die Festung gehalten werden. Ein Wunder der Schwarzen Madonna? Nach diesem Sieg über die Schweden stellte der polnische König Johann II. Kasimir im Dom von Lemberg alle Ländereien des Reiches unter den Schutz der Gottesmutter und krönte sie gar zur symbolhaften Königin Polens. Jasna Góra war von nun an Symbol für politische und religiöse Freiheit der Polen und fungierte vor allem während der Trennung des Landes als bindendes Element.

Der über 100m hohe Turm des Klosters Jasna Góra ragt weit über das Land und weist den Pilgern schon von weitem den Weg an ihr Ziel. Jährlich sind dies 3 bis 4 Millionen aus 66 verschiedenen Staaten und vor allem an hohen kirchlichen Feiertagen zieht Jasna Góra hunderttausende Gläubige an. Ein eigenes Pilgerzentrum im Westen von Jasna Góra bietet Unterkünfte und Restaurants, auf der große Freifläche im Osten werden Massenveranstaltungen abgehalten. Wer den Ort nicht besuchen kann, kann den Messelesungen auch über Radio beiwohnen. Die Radioantenne für den Sender „Radio Maryja” krönt die Kirchturmspitze.

Shrines of Europe

Seit dem Jahr 1996 gibt es die Vereinigung der „Shrines of Europe”, der sechs der bedeutendsten Marienwallfahrtsorte Europas beigetreten sind. Diese sind Altötting in Deutschland, Fátima in Portual, Loreto in Italien, Lourdes in Frankreich, Mariazell in Österreich und eben Częstochowa in Polen. Einmal im Jahr treffen sich die Bürgermeister der Mitgliedsorte zum Erfahrungsaustausch und zur gemeinsamen Planung der Weiterentwicklung ihrer Marienwallfahrtsorte.