Tempel von Ġgantija auf Gozo, Malta

Die Tempel von Ġgantija auf der Insel Gozo gehören zu den ältesten freistehenden Gebäuden der Welt und wurden 3.790 Jahre vor Christus erbaut, Malta - © ElinaManninen / Fotolia
© ElinaManninen / Fotolia

Der beeindruckende Tempel von Ġgantija auf der maltesischen Insel Gozo ist fast 6.000 Jahre alt. Bis heute sind noch einige Überreste der Kultstätte, die der Mutter Erde geweiht war, erhalten geblieben.

Die Tempel von Ġgantija liegen auf der Insel Gozo westlich von Malta und gehören zu den ältesten freistehenden Gebäuden der Welt. Der uralte Tempelkomplex von Ġgantija wurde 3.790 Jahre vor Christus erbaut und ist damit älter als das britische Stonehenge oder die ägyptischen Pyramiden von Gizeh. Seit 1980 bzw. 1992 zählen sie unter der Bezeichnung „Megalithische Tempel von Malta” zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Die beiden Tempel von Ġgantija liegen auf einem gut 100m hohen Hügel über dem maltesischem Ort Xaghra und sind nach Südosten ausgerichtet. Die Kultstätte liegt unterhalb der Hauptstraße in Richtung Victoria.

Die Ausgrabungen am Tempelkomplex von Ġgantija begannen im Jahr 1824. Leider ging man damals mit den wertvollen historischen Bauten nicht sehr sorgsam um, und so ist ein Aquarell des deutschen Malers von Brocktorff die einzige Aufzeichnung über das damalige Erscheinungsbild der Ġgantija-Stätte. Das Kunstwerk ist heute im Archäologischen Museum von Gozo zu sehen.

„Gigantischer Tempel”

Ġgantija bedeutet so viel wie „Turm der Riesen” oder „gigantisch”, da die Tempel damals eine recht imposante Größe aufwiesen. Der Legende nach soll die eindrucksvolle Kultstätte von einer Riesin in nur einer Nacht erbaut worden sein, die noch dazu in einem Arm ihr Kind hielt. In Wahrheit wurden sie wahrscheinlich von Bauern- und Hirtenfamilien auf Gozo geschaffen. Noch heute sind die Tempelmauern an einigen Stellen sechs Meter hoch. Die gewaltigen, über 50 Tonnen schweren Korallenkalksteinquader der Mauern deuten auf eine ursprünglich noch größere Höhe hin. Die Megalithen wurden auf kleineren Rollsteinen aus einem 5km weit entfernten Steinbruch zum Tempel von Ġgantija transportiert.

Zu beachten ist vor allem die meisterliche Bautechnik, mit der die massiven Steine bereits vor 5.800 Jahren bearbeitet und vor allem auch bewegt wurden. Neben dem von der Megalithenmauer umsäumten Vorplatz sind noch zwei Tempel zu sehen, der Nord- und Südtempel. Die Dächer der Tempelbauten sind zum Großteil verschwunden.

Die Tempel von Ġgantija weisen alle eine recht ähnliche Bauweise auf. Der Eingang wurde aus zwei senkrechten und einer horizontal darüber gelegten Steinplatte konstruiert und erinnert an einen Höhleneingang. Danach folgen fünf Vorhöfe, so genannte Apsiden, die weiter in die sakralen Kammern führen, die in der Form eines Ahornblattes angeordnet waren. Im Nord- und Südtempel sind noch die Standorte von Altären in den Apsiden zu erkennen. Im Nord-Tempel sind noch die Überreste eines doppelstöckigen Trilith-Altars zu bewundern. Triltih wird er genannt, da er – ähnlich wie die Eingangspforten – aus drei Steinplatten besteht. Steinreste auf dem Boden deuten darauf hin, dass die Gänge in den Tempeln von Ġgantija gepflastert waren.

Bis etwa 2.500 vor Christus diente der Tempel von Ġgantija als Kultstätte für die Große Erdenmutter, die als Fruchtbarkeitsgöttin verehrt wurde. Ihre üppigen Rundungen finden sich in der gesamten Architektur der Ġgantija-Tempel wieder. Wahrscheinlich beinhalteten die Tempel auch ein Orakel. Einige Artefakte, die in der Kultstätte von Ggantija gefunden wurden, sind heute im Nationalmuseum von Malta ausgestellt.

Weiterführende Links:

Besucher-Information zu den Tempeln von Ġgantija (englisch)