Schloss Jelgava, Lettland

Winterliches Panorama des Schlosses Jelgava, dem größten Barockschloss des Baltikums, Lettland - © RobertsJ / Fotolia
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Das Schloss Jelgava wurde im 18. Jahrhundert von Herzog Ernst Johann Biron beauftragt und ist das größte Barockschloss des Baltikums. Die frühen Herzöge Lettlands sind noch heute in einer Gruft im Schloss Jelgava bestattet.

In der heutigen Stadt Jelgava im Zentrum von Lettland befindet sich das größte Barockschloss des Baltikums. Das Schloss Jelgava (damals „Mitau”) befindet sich im Fluss Lielupe auf einer idyllischen Insel namens Pilssala. Jelgava liegt gut 40km von der lettischen Hauptstadt Riga entfernt und kann sowohl per Zug als auch per Bus erreicht werden.

Bau des Schlosses Jelgava

Im Jahr 1738 ließ der kurländische Herzog Ernst Johann Biron den Prachtbau von Bartolomeo Francesco Rastrelli errichten. Der russisch-italienisch Architekt hat auch den Winterpalast der Eremitage in der russischen Metropole St. Petersburg entworfen. Im 13. Jahrhundert befand sich an seinem Standort eine Burg der Deutschordensritter und danach eine Burg, die Biron jedoch sprengen ließ.

Nach dem Tod seiner Geliebten Zarin Anna Iwanowna wurde Biron in die Verbannung geschickt und der Bau unterbrochen. Erst 1763 wurden die Bauarbeiten des dreiflügeligen Prachtbaus nach seiner Rückkehr wieder aufgenommen und 9 Jahre später fertiggestellt, ein halbes Jahr vor dem Tod des Herzogs.

Das Schloss Jelgava ist von seinen Ausmaßen her eindrucksvoll, zählt aber laut Kritikern nicht zu den Meisterwerken Rastrellis. Die purpurne Fassade mit den weißen Fensterbögen erscheint im Gegensatz zu anderen Bauten beinahe langweilig und wurde nicht einmal von einem Schlosspark umrahmt.

Das im 18. Jahrhundert erbaute Barockschloss Jelgava wurde vom russisch-italienischen Architekten Bartolomeo Francesco Rastrelli errichtet, Lettland - © nyiragongo / Fotolia
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Der Schlosspark von Jelgava wurde erst im Jahr 1817 anstatt des ehemaligen Walls angelegt. Er lädt heute mit malerischen Kanälen, Brücken und kleinen Bauten zu romantischen Spaziergängen unter alten Kastanien, Pappeln und Eichen ein.

Ebenso wie der nahegelegene herzögliche Sommersitz, das Schloss Rundale, wurde auch das Schloss Jelgava nach Birons Tod von seinem Sohn, Peter von Biron übernommen. Nach dem Anschluss an Russland beherbergte Schloss Jelgava Adelige aus Frankreich, die vor der Französischen Revolution geflohen waren, darunter 4 Jahre auch Ludwig XVIII. und seine Familie. 1918 wurde das Schloss durch die Westrussische Befreiungsarmee verwüstet und geplündert. Im Zweiten Weltkrieg trug auch die schmucke Fassade schwere Schäden davon. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde das Äußere des Schlosses großzügig restauriert und unter anderem ein vierter Flügel angebaut, sodass der Hof umschlossen wurde.

Das Schloss Jelgava heute

Heute befinden sich im Schloss Jelgava die Lettische Landwirtschaftliche Universität sowie nach wie vor die Gruft der Herzöge von Kurland und Semgallen. Alle Herzöge aus den Jahren 1569 bis 1791 haben in den Gewölben der Krypta im südwestlichen Untergeschoß ihre letzte Ruhestätte gefunden. In 21 Sarkophagen aus Stein und 9 Särgen aus Holz ruhen seit dem Jahr 1918 24 Mitglieder der Familie Kettler und sechs Mitglieder der Familie Biron. Die Krypta ist für Besucher zugänglich. Ihre wichtigste Sehenswürdigkeit ist der Sarkophag mit der Asche des ersten Herzogs von Kurland, Gotthard Kettler. Über die Geschichte des Schlosses Jelgava erzählt ein kleines Museum.

Weiterführende Links:

Offizielle Website des Schlosses Jelgava (englisch)