Gunnbjørns Fjeld, Grönland

Gunnbjørns Fjeld ist mit einer Höhe von 3.694 Metern der höchste Berg Grönlands sowie der höchste Berg der Arktis - © Maxim Bouev CC0 1.0/Wiki
© Maxim Bouev CC0 1.0/Wiki

Gunnbjørns Fjeld ist mit einer Höhe von 3.694 Metern der höchste Berg Grönlands. Wer den mächtigen Eisriesen besteigt, gelangt auf das Dach der Arktis.

Gunnbjørns Fjeld ist mit einer Höhe von 3.694 Metern der höchste Berg Grönlands und damit auch Dänemarks, sowie der höchste Berg der Arktis. Er ist ein so genannter Nunatak (aus der Sprache der Inuit), was in der Gletscherwissenschaft einen Felsen oder Berg bezeichnet, der über die Oberfläche der Gletscher und Eisfelder hinausragt. Seinen Namen hat der Gunnbjørns Fjeld von Gunnbjorn Ulfsson, einem Wikinger, der der Sage nach um etwa 875 nach Christus als erster Europäer Grönland erreichte. Das auch als Hvitserk („Weißes Hemd”) bezeichnete Massiv liegt an der Ostküste Grönlands im Watkins-Gebirge.

Die Region des Gunnbjørns Fjeld liegt etwa 60km von der Küste Grönlands entfernt in äußerst unzugänglichem Gebiet. Erst im August 1935 wurde der mächtige Fels aus Schnee und Eis das erste Mal bestiegen. Den fünf Briten Augustine Courtauld, Jack Longland, Harold G. und Lawrence Wager und Ebbe Munck gelang der schwierige Aufstieg auf den höchsten Punkt nördlich des nördlichen Polarkreises. Weitere Gipfelstürme erfolgten erst 1971 und 1987. Heute ist der mächtige Berg besser erschlossen, Touren auf den Gunnbjørns Feld erfolgen meist mit Skiern.

Extreme Bedingungen am Gunnbjørns Fjeld

Wer das Dach der Arktis besteigen möchte, muss in ausgezeichneter körperlicher Verfassung sein und sollte einiges an Bergsteiger-Erfahrung mitbringen. Die Tour auf den Gunnbjorns Feld startet am Fuß des mächtigen Berges, der mit Hundeschlitten, Skiern oder bequemer mit Flugzeug oder Helikopter erreicht werden kann.

Der Aufstieg auf den Gipfel kann über den Nordgrat und den Südgrat erfolgen und ist selten von Erfolg gekrönt. Das Wetter in der eisigen Wüstenlandschaft spielt mutigen Bergsteigern oft einen Streich, tagelange Nebelfelder oder Schneestürme, dazu Eiseskälte von bis zu -40°C, die sich ob des schneidenden Windes wie -80°C anfühlen, machen jede Besteigung zu einer wahren Zerreißprobe. Des Öfteren mussten Expeditionen aufgrund des schlechten Wetters abgebrochen werden. Tagelanges Ausharren im Zelt, wo man sowohl die Zeit totschlagen als auch unter Umständen Kälte und Hunger ignorieren muss, bis das Rettungsflugzeug kommt, kann so manchem schon den einen oder anderen Nerv kosten.

Durch die ewige Schneelandschaft entstehen optische Täuschungen, wie zum Beispiel das so genannte „Whiteout” ein Zustand, bei dem der schneebedeckte Boden mit dem wolken- oder nebelverhangenem Himmel zu einer einzigen weißen Fläche verschwimmt. Konturen können nur noch wage wahrgenommen werden, im Ernstfall führt ein Whiteout zur vollständigen Orientierungslosigkeit, in der man ohne GPS verloren ist. Ein weiteres Phänomen sind die so genannten „Zwillingssonnen”. Durch die Lichtbrechung auf den unterschiedlich ausgerichteten Schneekristallen sieht es aus, als würde eine zweite Sonne am Himmel erstrahlen.

Doch gelingt das Abenteuer und schafft man es auf den Gipfel, ist die Belohnung das atemberaubende Gefühl, am Dach der Arktis zu stehen, wo sich die unendliche Eiswüste zu seinen Füßen ausbreitet. Ein wahrlich erhebender Anblick, den man wohl sein Leben lang nicht vergisst.