Insel Kihnu, Estland

Leuchtturm auf der Insel Insel Kihnu, Estland - © Jaak Veskimäe / Fotolia
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Die Insel Kihnu liegt vor der Südwestspitze von Estland im rigaischen Meerbusen und ist neben seiner charakteristischen wildromantischen Landschaft vor allem für seine 600 Jahre alten Traditionen und Bräuche bekannt und beliebt.

Die Insel Kihnu liegt vor der Südwestspitze von Estland im rigaischen Meerbusen etwa 12 Kilometer südlich der Halbinsel Tostamaa. Sie ist eine unabhängige Gemeinde im Kreis Pärnu und umfasst eine Fläche von gut 16km2. Aufgrund der alten gelebten Traditionen wurde Kihnu 2003 von der UNESCO zum immateriellen und mündlichen Weltkulturerbe der Menschheit ernannt.

Die kleine Insel wird von nicht einmal tausend Menschen bewohnt, die sich auf vier Ansiedlungen aufteilen.

Über das Meer nach Kihnu

Am estnischen Festland setzt von Pärnu aus eine Fähre nach Lemsi, dem Hafenort von Kihnu über. Im Herbst und Winter ist das Eiland auch per Flugzeug zu erreichen. Sind die Temperaturen eisig genug, dass die Meerenge zwischen Estland und Kihnu zufriert, kann Kihnu auch auf abenteuerliche Weise über das Eis mit dem Auto erreicht werden. Eine Fährverbindung besteht auch zur nächstgelegenen knapp 8km entfernten Nachbarinsel Manilaid. Kihnu selbst wird auf seinen idyllischen Waldwegen am besten zu Fuß oder mit dem Rad erkundet.

Kihnu war schon vor 3000 Jahren besiedelt, die Bewohner lebten hauptsächlich vom Fisch- und Robbenfang. Die Arbeitsteilung war dabei leicht. Die Männer fuhren aufs Meer und die Frauen verrichteten die Arbeiten, die an Land anfielen. Handarbeiten, Tänze, Spiele und Lieder spielten in der Kihnuer Kultur eine große Rolle und Kihnu ist auch heute noch für seine über 600 Jahre alten Traditionen beliebt und bekannt und unterscheidet sich vom Festland durch seinen besonderen Dialekt und die nach wie vor gelebten Bräuche.

Jahrhunderte alte Traditionen auf Kihnu

Heute wird die traditionelle farbenprächtige Tracht leider nur noch von wenigen Frauen im Alltag getragen, auch die ursprüngliche Seefahrerei der Männer weicht zunehmend der maschinengestützten Landwirtschaft, die früher ganz allein den Frauen vorbehalten war. Erwerbsmöglichkeiten gibt es auf der siebtgrößten Insel Estlands kaum, mit zunehmenden Bekanntheitsgrad spielt jedoch der Tourismus eine immer größere Rolle.

Kihnu eignet sich hervorragend für einen Tagestrip vom estnischen Festland. Besucher werden vor allem durch die Ruhe und Gelassenheit der Kihnu-Kultur angelockt.
Alles an den vier Dörfern Lemsi, Linaküla, Sääre und Rootsiküla deutet auf Fischfang und Landwirtschaft hin. Auf den Feldern werden Fischernetze zum Trocknen ausgebreitet, Wacholderwiesen und Kiefernwäldchen tragen zum charakteristischen wildromantischen Landschaftsbild bei. Besucher werden durch traditionelle Volkstänze und Lieder begeistert und können hautnah die ursprüngliche Lebensweise der Bevölkerung erleben.

Sehenswürdigkeiten auf Kihnu

Als Sehenswürdigkeiten hat Kihnu das Heimatmuseum in Linaküla, in dem Kihnuer Kunst und berühmte Kihnuer vorgestellt werden, sowie einen malerischen 30m hohen Leuchtturm in Rootsiküla im Süden der Insel zu bieten, der 1864 stückweise aus England herbeigeschifft und Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet wurde. Dort steht auch die orthodoxe Kirche mit dem hübschen Tor aus bunten Backsteinen. Am zugehörigen Friedhof, der nie nach Sonnenuntergang betreten wird, um die Toten nicht zu stören, gibt es Grabsteine aus dem 18. Jahrhundert. Unter anderem liegt hier der legendäre Kapitän Enn Uuetoa, auch als Kihnu Jonn bekannt, begraben. Ein Gedenkstein in Rootsiküla erinnert an seinen Geburtsort.

Von der Kihnuer-Kultur zeugen die dreitägigen Hochzeitsfeiern und Volksfeste, die an bestimmten Feiertagen abgehalten werden. Am Johannistag oder am Martinstag zum Beispiel strotzt Kihnu vor ausgelassener Stimmung, traditioneller Musik und farbenfrohen Gewändern.