Bischofsburg von Haapsalu, Estland

Die Bischofsburg der Stadt Haapsalu wurde im 13. Jahrhundert im Zuge der Christianisierung Estlands als eine der zentralen Burgen des Bistums Ösel-Wiek errichtet - © Ad Oculos / Shutterstock
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Die Bischofsburg von Haapsalu wurde im 13. Jahrhundert errichtet und hat bis heute eine bewegte Geschichte hinter sich. Bis zum 17. Jahrhundert wurde sie als Bischofssitz und Verteidigungsanlage verwendet, heute ist die imposante Anlage zu besichtigen und fungiert als Museum.

Die Bischofsburg der Stadt Haapsalu im Westen Estlands wurde im 13. Jahrhundert im Zuge der Christianisierung Estlands als eine der zentralen Burgen des Bistums Ösel-Wiek errichtet.

Haapsalu war bereits die dritte Residenz des 1234 ausgerufenen Bistums, nachdem die Burg Lihula nach Streitigkeiten mit dem Livländischen Orden verlassen werden musste und die darauffolgende Festung in Alt-Pämu am Pämu-Fluss von den Litauen niedergebrannt wurde.

Geschichte der Bischofsburg in Haapsalu

Die erste Bauphase der Bischofsburg in Haapsalu war 1300 abgeschlossen, in den darauffolgenden Jahrhunderten bis ins frühe 16. Jahrhundert wurde sie jedoch noch weiter ausgebaut und verstärkt. In die Burg integriert war die romanisch-gotische Domkirche von Haapsalu mit der Kanzlei des Bischofs von Ösel-Wiek. Mit einer Grundfläche von über 400m² zählte sie damals zu den größten einschiffigen Kathedralen im Baltikum.

Auf einer künstlichen Anhöhe gelegen umfasste die Festungsanlage bereits mehr als 3 Hektar, 15m hohe und bis zu knapp 2m dicke Mauern schützen ihre Insassen vor feindlichen Angriffen. Zum Schutz des Hauptportals wurde bereits in der ersten Bauphase ein knapp 30m hoher Wachturm errichtet. Er ist heute beinahe 40m hoch und fungiert als Glockenturm.

Bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts hielt die Burg allen Attacken stand, erst im Zuge der den Kämpfe des Livländischen Krieges wurden große Teile der Mauern und die äußeren Verteidigungsanlagen zerstört und das Bistum Ösel-Wiek kam unter schwedische Herrschaft, die Verteidigungsanlage wurde nicht mehr gebraucht. Danach folge ein jahrhundertelanges Auf und Ab in der Geschichte der mächtigen Bischofsburg. Zuerst sollte sie zu einem Schloss ausgebaut werden, was durch einen Brand vereitelt wurde, schließlich wurde sie zu einem Park umfunktioniert, während der Besetzung durch die Sowjets wurde sie wieder zum Kornspeicher degradiert. Die letzte Restaurierung fand 1979 statt, 1990 wurde sie erneut geweiht – im unabhängigen Estland.

Besuch der Bischofsburg von Haapsalu

Die Außenanlagen der Bischofsburg können heute ohne Eintritt besichtigt werden, die Innenräume sind im Winter nur auf Anfrage geöffnet. Die gigantischen Ausmaße des Burgareals sind heute noch zu erkennen, die Kirche und die Taufkapelle mit der deutschen Inschrift am Taufbecken sowie die Kellergewölbe, die heute als Kunstmuseum fungieren, können besichtigt werden. Im ersten Obergeschoß werden mittelalterliche Waffen und Rüstungen ausgestellt, der dritte Stock bietet eine herrliche Aussicht über Haapsalu. Für Kinder gibt es neben der Faszination einer mittelalterlichen Burg auch einen weitläufigen Spielplatz in einem der Burggräben.

Jedes Jahr im August wird bei Vollmond das „Musikfestival der Weißen Dame” abgehalten, zur Erinnerung an die Legende der rastlosen Seele eines Mädchens, das einst in die Burg geschmuggelt und zur Strafe lebendig eingemauert wurde. Einmal im Jahr im August soll sie am Fenster der Kapelle zu sehen sein, wo sie heute noch um ihren damaligen Geliebten trauert.

Weiterführende Links:

Offizielle Seite der Bischofsburg von Haapsalu mit Fotos, Eintrittspreisen und Öffnungszeiten (englisch)