Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin, Deutschland

Die Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche in Berlin Charlottenburg bildet mit ihrer Turmruine und zwei modernen Neubauten das wohl bekannteste Kriegsmahnmal der Stadt, Deutschland - © robert paul van beets / Shutterstock
© robert paul van beets / Shutterstock

Die Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche in Berlin Charlottenburg bildet mit ihrer majestätischen Turmruine aus dem 19. Jahrhundert und zwei modernen Neubauten das wohl bekannteste Kriegsmahnmal in Berlin.

Als Wahrzeichen des Berliner Westens und ewiges Mahnmal für die Schrecken des Krieges thront der von Bomben gezeichnete alte Turm der evangelischen Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche im Stadtteil Charlottenburg. Die bis heute mehrfach sanierte Ruine wirkt inmitten der modernen Bauten wie ein mahnender Zeigefinger und zählt zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten von Berlin.

Der „Hohe Zahn“, wie der majestätische Kirchturm von den Berlinern auch genannt wird, überragt den Breitscheidplatz zwischen Kurfürstendamm und Budapester Straße, an der sich auch der Eingang zum Berliner Zoo befindet.

Von Gedenkstätte zum Symbol für den Wiederaufbau

Der Bau der neuromanischen Gedächtniskirche geschah im Auftrag von Kaiser Wilhelm II. als Gedenkstätte für seinen Großvater Wilhelm I. Das evangelische Gotteshaus entstand zwischen 1891 und 1895 nach Plänen des deutschen Architekten Franz Schwechten. Die ursprüngliche Gedächtniskirche war ein attraktiver Bau mit vielen Spitztürmen, von denen der höchste mit 113 Metern Höhe einst der höchste Turm von Berlin war. Als Denkmal, das eines Kaisers würdig war, fiel auch die Innenausstattung der Gedächtniskirche mit Wandbildern und Mosaiken besonders prächtig aus.

Im Jahr 1943 erlitt die gesamte Kirche massive Schäden durch die zahlreichen Bombenangriffe auf Berlin. Wie durch ein Wunder stürzte der Kirchturm nicht völlig ein. Dies war wohl auch der Grund, aus dem die Kirche nicht völlig abgerissen, sondern nach einer öffentlichen Diskussion als Symbol für den Wiederaufbau bestehen blieb und unter Denkmalschutz gestellt wurde. 1957 wurde vom Architekten Egon Eiermann um die 68m hohe Turmruine herum eine neue Gedächtniskirche entworfen.

Der Innenraum der evangelischen Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin, Deutschland, wird von 20.000 Glasfenstern in ein faszinierendes blaues Licht getaucht - © Ariy / Shutterstock
© Ariy / Shutterstock

Neubau der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche

Die neue Gedächtniskirche steht in starkem Kontrast zu ihrer neuromanischen Vorgängerin. Der alte Turm, der heute ein kleines Museum beherbergt, wird nun von einem sechseckigen Glockenturm und einem achteckigen Kirchenschiff flankiert. Eine viereckige Kapelle und ein Foyer vervollständigen das Kirchenensemble, welches von den Berlinern rasch den Spitznamen „Lippenstift und Puderdose“ verpasst bekam. Die Einweihung der neuen Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche erfolgte am 17. Dezember 1961 nach nur vier Jahren Bauzeit.

Interieur in mystischem Blau

Erst nach dem Eintreten in die Kirche wird klar, warum auch die neue Gedächtniskirche absolut sehenswert ist. Das Kirchenschiff besteht nahezu zur Gänze aus insgesamt 20.000 Glasfenster-Unikaten. Die ähnlich wie Edelstein geschliffenen Mini-Fenster wurden in Frankreich gefertigt und tauchen den Innenraum in einen faszinierenden Lichtschimmer aus verschiedensten Blautönen. Nach Sonnenuntergang wird die Beleuchtung der 4cm dicken Glaswand von LED-Lampen übernommen.

Auch der gesamte Innenraum der neuen Gedächtniskirche wurde vom Altar über das Taufbecken und die Orgel bis hin zu den Kerzenleuchtern von Eiermann geplant. Der Altarraum ist dank seiner effektvollen Altarwand aus intensiv blauem Glas spartanisch, aber dennoch eindrucksvoll eingerichtet. Die Glaswand sorgt nicht nur für mystische Stimmung, sondern blockiert auch den Straßenlärm, wodurch in der Gedächtniskirche immer eine andächtige Stille herrscht.

Weiterführende Links:

Offizielle Website der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin