Rila Kloster, Bulgarien

Das Rila Kloster gilt als Nationalheiligtum und beeindruckt Pilger und Touristen durch sein reich verziertes Erscheinungsbild, Bulgarien - © narvall / Fotolia
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Das Rila Kloster im Südwesten Bulgariens war einst geistliches Landeszentrum und Bollwerk gegen den Islam und beeindruckt Pilger und Touristen heute durch sein reich verziertes Erscheinungsbild.

Das Rila-Kloster befindet sich im Südwesten Bulgariens etwa 120km südlich der bulgarischen Hauptstadt Sofia und ist das größte und international bedeutendste orthodoxe Kloster des Landes. Es gilt als Nationalheiligtum und zählt seit 1983 zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Das Rila-Kloster heißt eigentlich „Kloster des Heiligen Iwan Rilski”. Es ist eines der 237 Klöster, die das verhältnismäßig kleine Land Bulgarien beherbergt. Das Rila-Kloster untersteht dem Patriarchen der Bulgarisch-Orthodoxen Kirche und fungiert heute noch als wichtigstes Zentrum des religiösen Tourismus in Bularien. Es liegt in einem malerischen Tal des Rila-Gebirges an der Mündung der beiden Flüsse Rila und Drusljawiza auf knapp 1.150m Seehöhe. Hinter dem Kloster thront der Gipfel des Maljowiza.

Vom Einsiedler zum Heiligen und Klostergründer

Bereits in der Antike kreuzten sich hier die Handelsrouten aus Europa und Asien nach Süden, einige der alten Straßen sind heute noch zu sehen. Das Rila-Kloster wurde Anfang des 10. Jahrhunderts vom Einsiedler und Heiligen Iwan von Rilski gegründet. Aufgrund der begrenzten Mittel entstand eine einfache einschiffige Kirche, die immerhin schon aus Stein war. Das Beinhaus und die Kapelle des Heiligen Luka sind heute noch zu sehen. Iwan Rilski verstarb im Jahr 946 und wurde in der Nähe der „Alten Einsiedelei” begraben, seine Gebeine befinden sich heute im Kloster.

Das Rila-Kloster entwickelte sich nach seinem Tode weiter und erfreute sich immer größerer Beliebtheit. Pilger besuchten das Kloster in Scharen und brachten Geschenke und Spenden dar. Schriftsteller, Künstler, Steinmetz- und Baumeister hinterließen ihre Werke. Bald war das Rila-Kloster das geistige und kulturelle Zentrum Bulgariens und aus der kleinen Kirche wurde ein großer Komplex mit Umfassungsmauer, Wehrturm und Klosterhof. Mit der Eroberung Bulgariens durch die Osmanen verlor das Kloster jedoch an Bedeutung. Im späten 15. Jahrhundert wurde es von den Türken zerstört und geplündert, viele der Reliquien konnten jedoch zurückgebracht werden. Bis ins 18. Jahrhundert war das Rila-Kloster ein mächtiges religiöses Bollwerk gegen den Islam der Osmanen. 1830 fiel es einem Großbrand zum Opfer.

Letzter großer Ausbau im 19. Jahrhundert

Mit vereinten Kräften und Spenden aus der Bevölkerung wurde das Rila-Kloster größer und schöner wiederhergestellt – so wie es heute noch zu sehen ist. 1860 war der Bau fertiggestellt, der 24m hohe Wachturm im Innenhof stammt noch aus dem 14. Jahrhundert. Die Kirche war nun dreischiffig, der Boden mit Marmor ausgelegt und die Wände mit kunstvollen Fresken geschmückt. Die kostbarsten Kunstwerke sind die Darstellung des Jüngsten Gerichts in der Vorhalle der Kirche und die eindrucksvolle vergoldete Ikonenwand im Altarraum.

Kunstvolle Malerei im Rila-Kloster im Südwesten Bulgariens - © XtravaganT / Fotolia
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Doch nicht nur die Kirche wurde prachtvoll geschmückt. Die gesamte Anlage des Rila-Klosters umfasst knapp 9.000m2 und 300 Räume, die alle kunstvolle Verzierungen und fantastische architektonische Details aufweisen. Der majestätische Innenhof verbreitet mit seinen vierstöckigen Arkaden, der filigranen Kirche und dem schwarz-weißen Ziegelmuster einen ganz besonderen Charme. So schroff und uneinnehmbar ihn die 22m lange Umfassungsmauer erscheinen lassen mag, so verspielt und detailverliebt wirkt er von innen.

Mit dem Neubau wurde auch der Aufschwung eingeleitet und das Rila-Kloster war erneut Ziel Tausender Pilger, Baumeister und Künstler. Viele Freiheitskämpfer im Unabhängigkeitskampf Bulgariens suchten im Rila-Kloster Unterschlupf. Über die Vergangenheit des Rila-Klosters erzählt ein kleines Museum im Ostflügel, welches historische Waffen, Kirchengegenstände, Schmuck, Münzen und Urkunden beinhaltet. Ein Meisterstück ist „Raffails Kreuz”, welches ein Mönch in mühevoller Kleinarbeit mit 650 Figürchen in über 100 religiösen Szenen geschaffen hat.

Den perfekten Abschluss eines Besuchs im Rila-Kloster bildet ein kurzer Streifzug durch die Shops in der 16.000 Bände fassenden Klosterbibliothek und im Wachturm, von denen Ikonen, Postkarten, Alben, bulgarische Handwerkskunst und weitere Souvenirs mit nach Hause genommen werden können.

Ausflüge vom Rila Kloster

Vom Rila-Kloster lassen sich einige wunderschöne Wanderungen ins Rila-Gebirge unternehmen, so zum Beispiel der Drei-Stunden-Weg zu den Fischseen oder der Tagesausflug zur Berghütte „Maljowiza”. Auch die 4km entfernte Einsiedelei, in der Iwan Rilski einst begraben wurde, ist ausgeschildert. Übernachtungsmöglichkeiten für einen ausgedehnten Klosterbesuch sind sowohl im Kloster selbst als auch außerhalb ausreichend gegeben.

Weiterführende Links:

Offizielle Website des Rila Klosters in Bulgarien (englisch)