Heiligtum und Thraker-Gräber von Tatul, Bulgarien

Das Heiligtum von Tatul im Süden von Bulgarien ist eine über 2000 Jahre alte heidnische Kultstätte mit dem legendären Grab des Orpheus - © FRASHO / franks-travelbox
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Das Heiligtum von Tatul im Süden von Bulgarien ist eine über 2000 Jahre alte heidnische Kultstätte, auf dessen Berggipfel das sagenumwobene Grab des Orpheus vermutet wird.

Zur selben Zeit wie die berühmte archäologische Stätte Perperikon entstand im Süden von Bulgarien eine Kultstätte, die heute als Heiligtum von Tatul bekannt ist. Auf dem imposanten Megalith-Komplex, der aus zahlreichen Felsgräbern und Felsnischen besteht, wurden einst heidnische Rituale durchgeführt. Im Jahr 2011 wurde das Heiligtum von Tatul zu einem der zehn Wunder Bulgariens gewählt.

BILDER: Heiligtum und Thraker-Gräber von Tatul

Geschichte des Heiligtums von Tatul

Bereits im 12. Jahrhundert vor Christus wurden auf dem einsamen Gipfel inmitten traumhafter Landschaften Riten zur Ehrung des Sonnengottes vollzogen. Das Volk der Thraker hatte dazu nahezu den gesamten Berg mit Altären, Treppen, Nischen und Kanälen durchzogen. Ebenso wie auch in Perperikon wurden hier bis zum 14. Jahrhundert Opfer dargebracht und Rituale vollzogen.

In den vier Jahrhunderten vor Christus wurde der gesamte Hügel des Heiligtums von Tatul mit einer Mauer umgeben, Bulgarien - © FRASHO / franks-travelbox
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In den vier Jahrhunderten vor Christus wurde der gesamte Hügel des Heiligtums mit einer Mauer umgeben und es entstand der erste steinerne Tempel, in dem fortan die Rituale und Begräbnisse stattfanden. Im 14. Jahrhundert wurde die Kultstätte noch um eine Festung ergänzt. Teile des trapezförmigen Turms sind bis heute noch erhalten.

Auf das erste Oberflächengrab von Tatul stieß man erst im Jahr 2000. Mittlerweile wurden in der gesamten Umgebung von Tatul Steinfiguren, Masken, Bronzeringe, Tonscherben, Altäre aus Lehm und weitere Gräber aus unterschiedlichen Epochen entdeckt. 2004 kam in einem Felsengrab die 3000 Jahre alte Wurzel eines Weinstocks zum Vorschein. Tongefäße, die in der Nähe gefunden wurden, wurden sogar auf ein Alter von 7000 Jahren datiert.

Die Festung und die Thrakergräber befinden sich etwa 40km südlich von Perperikon rund 1 km vom heutigen Dorf Tatul entfernt, Bulgarien - © FRASHO / franks-travelbox
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Besuch des Heiligtums von Tatul

Die Festung und die Thrakergräber befinden sich etwa 40km südlich von Perperikon rund 1 km vom heutigen Dorf Tatul entfernt. Alleine die Anreise durch die idyllische Landschaft ist den Weg dorthin wert. Das verschlafene Nest wäre ohne die nahegelegene Kultstätte kaum für den Tourismus interessant gewesen und manche Dorfbewohner zeigen sich ob des großen Interesses an ihrer Region scheinbar überrascht.

Tipp: Auf der Suche nach der Abzweigung heißt es Augen offen halten, denn der Wegweiser von der Hauptstraße zum Heiligtum ist leicht zu übersehen.

Am Parkplatz angekommen führt ein Fußmarsch von rund einem Kilometer direkt zur Festung von Tatul im Süden von Bulgarien - © FRASHO / franks-travelbox
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Am Parkplatz angekommen führt ein Fußmarsch von noch einmal rund einem Kilometer zu einem winzigen Ticketschalter und danach direkt zur Festung von Tatul. Neben den historischen Mauern der Festung besteht der Komplex aus zwei Grabstätten auf dem Gipfel des Berges, den Überresten des Hauptaltars und einem 3m tiefen Ziehbrunnen.

Vielleicht aufgrund der Abgelegenheit des Ortes, vielleicht aufgrund der fehlenden Prominenz in den Reiseführern, ist die Wahrscheinlichkeit groß, die Festung und das Heiligtum von Tatul völlig allein genießen zu können. Apropos genießen: Ebenfalls äußerst sehenswert ist die Aussicht, die sich über die umliegende Landschaft auftut.

Ebenfalls äußerst sehenswert ist die Aussicht, die sich von der Festung von Tatul über die umliegende Landschaft auftut, Bulgarien - © FRASHO / franks-travelbox
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Thrakergräber von Tatul – Grab des Orpheus?

Ganz oben – der Sonne am nächsten – wurden zwei Grabstätten in den Fels geschlagen. Die Archäologen vermuten, dass hier einst ein berühmter Thraker-Herrscher bestattet und nach seinem Tod als Gott verehrt wurde. Normalerweise wurden die Toten der Antike in einem Hügelgrab beigesetzt, Begräbnis-Zeremonien auf einem Berggipfel kommen in Überlieferungen nur äußerst selten vor. Unter anderem wurde beim thrakischen König Rhesos, der im trojanischen Krieg für die Trojaner kämpfte, und bei Orpheus, einem Sänger und Dichter aus der griechischen Mythologie, von einem derartigen Begräbnis gesprochen.

In einer der beiden Grabstätten des Heiligtums von Tatul soll der mythologische Dichter Orpheus begraben liegen, Bulgarien - © FRASHO / franks-travelbox
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Manche Archäologen sehen somit in einem der beiden Sarkophage die letzte Ruhestätte von Orpheus, für die die Thrakergräber von Tatul berühmt wurden. Beweise fehlen allerdings, schließlich ist nicht einmal sicher, dass Orpheus eine reale Person und nicht bloß eine Sagenfigur war.