Festung Tsarevets in Veliko Tarnovo, Bulgarien

Die Festung Tsarevets aus dem Mittelalter war damals die bedeutendste Burg des bulgarischen Reiches, Bulgarien - © melann411 / Fotolia
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Die Festung Tsarevets in Veliko Tarnovo ist ein gewaltiger Festungskomplex aus dem Mittelalter. Auf dem Tsarevets-Hügel wurden Kirchen, Klöster, Paläste, Häuser und Burgmauern freigelegt.

Die Festung Tsarevets liegt auf dem gleichnamigen Hügel in der bulgarischen Stadt Veliko Tarnovo. In der einstigen Hauptstadt Bulgariens gelegen fungierte Tsarevets einst als bedeutendste Burg des bulgarischen Reiches.

Der Bau der Festung Tsarevets wurde im 12. Jahrhundert begonnen, erste Siedlungsspuren auf dem Hügel Tsarevets gehen bis auf das 2. Jahrtausend vor Christus zurück. Seine gewaltige Größe wird oft mit den Festungen in Rom oder Konstantinopel verglichen.

Mächtiges Bollwerk

Der gesamte Komplex war von einer bis zu 10m hohen und knapp 4m hohen Mauer umgeben, die eine Gesamtlänge von über einem Kilometer erreichte. Sie wurde mit Wehrtürmen verstärkt und konnte durch drei Portale durchquert werden, die ca. 20m auseinander lagen. Balduins Turm erinnert heute noch an den Imperator Balduin von Flandern, der Anfang des 13. Jahrhunderts im Turm eingesperrt den Tod gefunden hat. Das Haupttor war durch eine Zugbrücke gesichert. Nach dieser Mauer kam eine weitere mit wiederum 2 Wachtürmen und zwei Portalen, die eine Fläche von knapp 5.000m2 umschloss und die Palastbauten umgab. Diese umfassten die Thronhallen und die Gemächer des Königs, sowie eine Palastkirche. Ganz oben auf dem Hügel thronte das Patriarchat, die Hauptkirche der Bulgarisch-Orthodoxen. Das etwa 3.000m² messende Areal, in dessen Mitte die Auferstehungskathedrale emporragt, wurde abermals von einer Ringmauer umgeben. Die prachtvolle Kirche mit dem für damals auf dem Balkan unüblichen Glockenturm kann heute noch besichtigt werden, erst 1985 wurde sie das letzte Mal restauriert. Die Fresken in ihrem Inneren stellen erstaunlich moderne christliche Motive dar, sowie manche Szenen aus der Geschichte des bulgarischen Reiches.

Rund um die Festung entdeckten Archäologen bei Ausgrabungen am Tsarevets-Hügel die Überreste von 400 Wohnhäusern, 22 Kirchen und 4 Klöstern.

Bereits mehrmals zur schönsten Stadt Bulgariens gewählt lockt Veliko Tarnovo mit jahrhundertealter Architektur und einem breiten kulturellen Angebot - © Nickolay Stanev / Shutterstock
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Von 1185 bis 1393 war es das mächtigste Bollwerk der Bulgaren, bis es schließlich von den Osmanen nach einer dreimonatigen Belagerung erobert und niedergebrannt wurde. Damit war nicht nur die Festung Tsarevets, sondern das gesamte bulgarische Reich in die Hände der Türken gefallen.

Die Festung Tsarevets heute

Die Ruinen der prachtvollen Festung Tsarevets wurden Mitte des 20. Jahrhunderts renoviert und stellen heute eine bedeutende Sehenswürdigkeit Bulgariens dar. Die Mauern, Türme, Portale und die Patriarchenkirche mit ihren Ikonenmalereien sind vollständig wiederhergestellt. Auch der berühmt-berüchtigte „Richterfelsen” („Lobna-Fels”) kann besichtigt werden. Von diesem Felsvorsprung über dem Fluss Yantra wurden früher Verbrecher und Hochverräter zu Recht oder zu Unrecht in die Tiefe gestoßen, unter anderem der letzte bulgarische Patriarch.

Am Westhang des Hügels ist eines der wertvollsten mittelalterlichen Denkmäler zu sehen. Hier ließ Zar Iwan Assen II. im 13. Jahrhundert die „Kirche der 40 Märtyrer” errichten, die unter den Osmanen zur Moschee umgewandelt wurde und deren Säulen für die Wissenschaft wertvolle Inschriften lieferten. Am Nordhang liegt die Peter-und-Paul-Kirche, in der auch die Bibliothek untergebracht war. Die beiden weiteren historisch wertvollen Sakralbauten aus dem Mittelalter sind die Kirchen des Heiligen Georg und des Heiligen Demetrios von Thessaloniki.

Bei Einbruch der Dunkelheit bietet sich den nächtlichen Besuchern der Festung am Tsarevets-Hügel eine spektakuläre Show aus Laserlicht, dramatischer Musik und dröhnenden Kirchenglocken, die den tragischen Fall von Veliko Tarnovo an die Osmanen erzählt.