Ausgrabungsstätte bei Pliska, Bulgarien

Im Nordwesten von Bulgarien liegen die Überreste der Stadt Pliska, einst Hauptstadt des Ersten Bulgarischen Reiches - © FRASHO / franks-travelbox
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Die Überreste der Stadt Pliska, einst Hauptstadt des Ersten Bulgarischen Reiches, liegen im Nordwesten des Landes ganz in der Nähe der heutigen Ortschaft Pliska und gelten seit 1970 als Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung.

Die heutige Ortschaft Pliska im Nordosten von Bulgarien hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Sie ging aus der alten Stadt Pliska, auch Ak Baba oder Aboba genannt, hervor, die einst Hauptstadt des Ersten Bulgarischen Reiches war. Rund 2km südlich von Pliska und 7km westlich von Nowi Pasar sind einige Überreste der uralten Stadt bis heute erhalten, die an der Ausgrabungsstätte Pliska als archäologischer Park besichtigt werden können.

BILDER: Ausgrabungsstätte Pliska

Geschichte von Pliska

Pliska wurde im 7. Jahrhundert durch Khan Asparuch gegründet und behielt ihre Vormachtstellung als Reichshauptstadt über 2 Jahrhunderte. Gemeinsam mit Preslaw und Ohrid zählte Pliska zu den bedeutenden geistigen Hochschulen Bulgariens. 822 wurde sie erstmals in einer Inschrift erwähnt. Damals war Pliska größer als Konstantinopel (das heutige Istanbul) und verfügte über Paläste und Tempel, Wasserspeicher, Badehäuser und eine mächtige, turmbewährte Festungsmauer.

Als Reichshauptstadt Bulgariens verfügte Pliska über Paläste und Tempel, Wasserspeicher, Badehäuser und eine mächtige, turmbewährte Festungsmauer - © FRASHO / franks-travelbox
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Hauptkultstätte von Pliska war das Felsplateau Madara. Dort ist bis heute der Reiter von Madara als Wand-Relief zu sehen, der als Nationalsymbol von Bulgarien gilt. Aus der Zeit der Christianisierung ab 864 stammt die eindrucksvolle Basilika, die heute die wichtigste Sehenswürdigkeit der Ausgrabungsstätte darstellt. 893 wurde die Hauptstadt des Ersten Bulgarischen Reiches von Boris I. aus bisher ungeklärten Gründen nach Preslaw verlegt und die Stadt verlor zunehmend an Bedeutung. Mit der Invasion der Petschenegen im Jahr 1049 wurde ihr Verfall eingeleitet.

Sehenswürdigkeiten der Ausgrabungsstätte Pliska

Seit ihrem Niedergang bis ins 19. Jahrhundert wurde Pliska als Steinbruch verwendet. Viele der Felsblöcke aus der ehemaligen Hauptstadt finden sich in der Umgebung wieder. Manche von ihnen wurden sogar bis ins 80km entfernte Warna gekarrt und zum Beispiel für den Bau der dortigen türkischen Festung und nach deren Schleifung schließlich für die Kathedrale verwendet. Aus diesem Grund sind von der einst stolzen Hauptstadt nur noch einige niedrige Mauerreste übrig.

Das Ost-Tor der Festung der historischen Stadt Pliska stellt heute den Haupteingang zur Ausgrabungsstätte dar, Bulgarien - © FRASHO / franks-travelbox
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Eindrucksvoll ist allerdings das Ost-Tor der Festung, welches heute den Haupteingang zur Ausgrabungsstätte darstellt (direkt am Parkplatz davor werden auch die Eintrittskarten verkauft). Die Erkundung der teilweise parkähnlich angelegten Ausgrabungsstätte ist ein netter Spaziergang. Etwa 1,5km nach dem Haupttor stoßen Besucher auf die Überreste der 100×30 Meter messenden Großen Basilika, den Thronpalast des Fürsten Omurtag und den „Kleinen Palast“. Zwischen den Grundmauern scheinbar wahllos verstreut liegen zahlreiche Steinblöcke, auf denen deutlich die Spuren von Reliefs oder Wasserleitungen zu erkennen sind.

Auf zweisprachigen Informationstafeln werden die wichtigsten Ruinen erklärt und ihre ursprüngliche Architektur wieder zum Leben erweckt. Weitere Infos, Rekonstruktionen von Gebäuden und zahlreiche Fundstücke, die auf dem Gelände gefunden wurden, sind in einem Museum ausgestellt, welches sich im nordöstlichen Teil der Ausgrabungsstätte befindet. Dort sorgt auch ein kleines Café-Restaurant mit Snacks und Getränken für einen gelungenen Ausklang der Zeitreise ins historische Pliska.