Parther-Festungen in Nisa, Turkmenistan

Von den einst grandiosen Bauten der Parther sind in Nisa heute nur noch einige Mauern übrig geblieben, Turkmenistan - © cartela / Shutterstock
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Die Parther-Festungen in Nisa waren eines der wichtigsten Bollwerke, die das Partherreich im heutigen Turkmenistan sogar gegen das Römische Reich verteidigte. An der Ausgrabungsstätte sind die Ruinen der Gebäude und der mächtigen bis zu 9 Meter hohen Erdwälle mit ihren Wachtürmen zu sehen.

Die historische Stadt Nisa liegt in Turkmenistan 12km westlich der turkmenischen Hauptstadt Aşgabat. Nisa war die erste Hauptstadt der Parther, ein iranisches Volk, welches ab dem 3. Jahrhundert vor Christus ihr Reich im Nahen Osten aufbaute. Die königlichen Herrscher der Parther, ihre Kultur und ihr Wohlstand wurden anhand der Funde in Nisa dokumentiert. Die Ausgrabungsstätte der historischen Stadt im Süden Turkmenistans zählt seit dem Jahr 2007 zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Nisa war bereits im 3. Jahrtausend vor Christus besiedelt, vermutlich ab dem 1. Jahrtausend vor Christus begann die Ortschaft zu wachsen, unter den Parthern begann ab dem 3. Jahrhundert vor Christus ihr größter Entwicklungsschub. Die Parther errichteten grandiose Bauten und machten Nisa zu einem würdigen Verwaltungszentrum ihres wachsenden Reiches. Entdeckt wurde das historische Nisa der Parther in den 1930er Jahren, systematische Ausgrabungen erfolgten seit 1946.

Besuch der Parther-Festungen in Nisa

Nisa ist ein Neu-Nisa und Alt-Nisa eingeteilt. Neu-Nisa ist die eigentliche Stadt. Von einem bis zu 9 Meter hohen Erdwall umgeben beherbergte sie die Wohnhäuser des Volkes und den Friedhof. In den Vorratskellern der Häuser wurden Tonkrüge entdeckt, die zur Kühlung direkt in die Erde eingegraben wurden. Neu-Nisa bestand bis ins Mittelalter und war der erste Ort, an dem die neolithische Dschejtun-Kultur nachgewiesen wurde.

Alt-Nisa kann als Königsstadt bezeichnet werden, sie wurde bereits im 3. Jahrhundert nach Christus aufgegeben, nachdem das Partherreich 224 nach Christus von den Persern erobert wurde. Auf den 14 Hektar umfassenden Ruinenhügeln von Alt-Nisa ist der königliche Palast der Parther zu finden. Die fünfeckige Festung ist von einer monumentalen Mauer umgeben.

5-7 Meter hoch und 8-9 Meter dick schützte sie die ehemalige Hauptstadt der Parther vor Eindringlingen. Der Wall bestand aus gestampftem Lehm, war mit Ziegeln verstärkt und wurde von 43 Türmen aus überwacht. Über eine 250m lange und 4m breite Auffahrtsrampe war die damals uneinnehmbare Festung der Parther zu erreichen.

Die heutige Ruinenstadt Nisa in Turkmenistan entstand ab dem dritten Jahrhundert vor Christus als erste Hauptstadt des Partherreiches - © cartela / Shutterstock
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Im Inneren der Mauern befanden sich 5 gewaltige Hauptbastionen, ein kolossaler 17m messender Rundtempel, sowie ein Totenpalast, in dem sich quadratische Säulenhallen um einen zentralen Hof gruppierten. Der mächtige königliche Palast beherbergte einen Thronsaal von 20 mal 20 Metern Fläche sowie den 12 Meter hohen Turm des Feuers, in dessen Spitze sich der Altarraum befand. In der 60 mal 60 Meter messenden Schatzkammer waren neben 12 Zimmern die wertvollsten Habseligkeiten der Partherkönige untergebracht: Gold- und Silberschmuck, feinste Seidenstoffe sowie kunstvoll gefertigte Waffen.

Die Funde wiesen starke Einflüsse aus verschiedensten Völkern auf. Dies war nicht verwunderlich, lag Nisa doch an den Handelsrouten zwischen Persien, Griechenland und Zentralasien. Neben den Gipsreliefs in typisch parthischem Stil und lebensgroßen Statuen aus Ton, die vermutlich parthische Herrscher darstellen, wurden auch Marmorplastiken und elfenbeinerne Trinkgefäße, so genannte Rhyta, mit deutlich hellenistischen Motiven entdeckt.

Szenen aus der griechischen Mythologie, Statuen von griechischen Göttern, Flügelpferde, Centauren, Greife und Löwenfiguren waren unter den Verzierungen. Auch aramäische Schriftzeichen wurden gefunden, die meist als Quittungen für Weinlieferungen aus den Kellern des parthischen Reiches an den königlichen Hof identifiziert wurden.

Die Partherkönige waren augenscheinlich dem Wein sehr angetan, was sich auch in den riesigen Vorratskammern widerspiegelte, in denen Unmengen an Tonkrügen gefunden wurden. Viele der Fundstücke aus Nisa sind heute im Museum von Asgabat zu bewundern.