Ahmad Sanjar Mausoleum, Turkmenistan

Das kolossale Mausoleum des Sultans Sanjar wurde im Jahr 1157 nach dem Tod des Sultans errichtet und stellt den architektonischen Höhepunkt der zerstörten Seldschuken-Hauptstadt dar, Turkmenistan - © tracingtea / Fotolia
© tracingtea / Fotolia

Das Grabmal des Sultans Ahmad Sanjar befindet sich im Zentrum der antiken Ruinenstadt Merv in Turkmenistan. Das kolossale Mausoleum aus Lehmziegeln gilt als architektonischer Höhepunkt der zerstörten Seldschuken-Hauptstadt.

Das Grabmal des Sultans Ahmad Sanjar befindet sich im Zentrum der antiken Ruinenstadt Merv an der Seidenstraße in Turkmenistan, die seit 1999 zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt. Das kolossale Mausoleum aus Lehmziegeln wurde im Jahr 1157 nach dem Tod des Sultans errichtet und stellt den architektonischen Höhepunkt der zerstörten Seldschuken-Hauptstadt dar. Seine Anhänger nutzten es als Pilgerstätte.

Das Grab des Sultans Sanjar war eines der eindrucksvollsten Gräber des Seldschuken-Reiches. Es wird auch „Dar-al-Akyre”, „die andere Welt”, genannt. Isoliert von anderen Gebäuden ist es in der UNESCO-Stadt Merv noch heute eine spektakuläre Erscheinung. Der quadratische Bau weist eine Seitenlänge von 17 Metern auf und ist mit der Kuppel 27 Meter hoch. Die 14 Meter hohen Wände waren relativ einfach gehalten, das gesamte Mausoleum ist im oberen Teil der Mauer und in der Kuppel mit einer Galerie von Rundbogenfenstern geschmückt. Die Fenster an der Basis der Kuppel sollen beim Betrachter den Eindruck einer schwebenden Kuppel erwecken.

Zwischen den Rundbogenfenstern am oberen Ende des Quaders wurden schmale Öffnungen in der Form eines Obelisken eingelassen, die das solide Erscheinungsbild des Grabmals noch verstärken. An den Ecken der Galerien stellen Rundpfeiler äußerst harmonisch die Verbindung zwischen dem Quader mit der Kuppel her. Die Kuppel, die auf dem Dach des Grabmals thront, war einst mit türkisblauen Fliesen geschmückt, von denen heute jedoch nichts mehr zu sehen ist.

Besuch des Grabmals von Sultan Sanjar

Das Grabmal des Sultans Sanjar war so gewaltig, dass es von der Seidenstraße aus bereits aus einem Tagesmarsch Entfernung am Horizont der Karakum-Wüste mit freiem Auge ausgemacht werden konnte.

Das Grabmal war früher Teil eines größeren Komplexes, zu dem auch eine Moschee und Palast gehörten. Bis heute ist jedoch nur das Mausoleum erhalten geblieben. Das Mausoleum kann durch zwei Eingänge betreten werden. Ein Portal befindet sich auf der Ost-, eines auf der West-Seite.


Legende von der Entstehung des Mausoleums

Der Sage nach soll sich der Sultan einst in eine Magierin verliebt haben, die ihn nur unter drei Bedingungen heiratete. Er darf sie weder umarmen, noch auf ihre Füße sehen, noch sie beim Bürsten ihrer Haare beobachten. Aus Neugier brach der Sultan alle drei Versprechungen und entdeckte so ihre Geheimnisse: Sie hatte keine Knochen, sie lief nicht sondern flog und sie nahm ihren Kopf ab, um ihr Haar zu pflegen. Als sie herausfand, dass er all dies wusste, verwandelte sie sich in ein weiße Taube und flog von dannen. Der Sultan jedoch bettelte, sie wiedersehen zu dürfen. Ihre Antwort war, das größte Grabmal der Welt zu bauen und an der Kuppel eine kleine Öffnung zu lassen. Nach seinem Tod wird sie vorbeifliegen und nach ihm sehen. Und so geschah es.


 

Grab ohne Leichnam

Im Jahr 1221 wurde Merv durch die Mongolen angegriffen und die Stadt niedergebrannt. Der Leichnam des Sultans wurde noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht – wo sich seine sterblichen Überreste heute befinden, weiß niemand. Im Mausoleum selbst ist auf jeden Fall niemand mehr begraben.

Im Lauf der letzten Jahrhunderte wurde das Grabmal von Ahmed Sanjar mehrere Male renoviert, vor allem die Kuppel und die Rundbogen-Galerien litten unter dem Zahn der Zeit. Seit das Mausoleum mit der umgebenden Ruinenstadt zum Weltkulturerbe ernannt wurde, können über die Besucherströme mehr Geldmittel aufgetrieben werden, um diesen majestätischen Bau noch viele Jahre in seiner jetzigen Pracht zu erhalten.