Zahntempel in Kandy, Sri Lanka

Der Sri Dalada Maligawa, in deutscher Sprache als „Zahntempel“ bekannt, ist ein buddhistischer Tempel in der Königsstadt Kandy, Sri Lanka - © Brad Pict / Fotolia
© Brad Pict / Fotolia

Der Sri Dalada Maligawa oder Zahntempel genannt ist das Allerheiligste der Stadt Kandy in Sri Lanka, denn er enthält einen Eckzahn Buddhas, der hoch verehrt und einmal im Jahr in einer prächtigen Prozession durch die Stadt getragen wird.

Der Sri Dalada Maligawa, in deutscher Sprache als „Zahntempel” bekannt, ist ein buddhistischer Tempel in der Königsstadt Kandy im Zentrum von Sri Lanka. Er befindet sich im Tempelbezirk von Kandy, der seit 1988 zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt. Der Legende nach soll er einen Eckzahn des Gautama Siddharta, des ersten Buddha beinhalten, was ihn zu einem der höchsten Heiligtümer des Buddhismus macht.

Die verschachtelten Gebäude des Zahntempels wirken von außen eher unscheinbar. Zwischen 1687 und 1782 erbaut, würde er auch als einigermaßen prunkvolles Wohnhaus durchgehen und wirkt irgendwie wie eine Mischung aus Villa und Kloster. Einzig der achteckige Erker mit Spitzdach ist etwas außergewöhnlich. In ihm befindet sich heute eine Bibliothek, in der historische Manuskripte aus Palmblatt aufbewahrt werden. Im Inneren jedoch stoppt einem beim Anblick der prunkvollen Verzierungen, kostbaren Fresken und prächtigen Türen der Atem.

Der Zahntempel hat drei Stockwerke, im obersten befindet sich der Goldene Schrein, in dem der Zahn Buddhas, der „Dalada”, aufbewahrt wird. Hier versammeln sich Pilger aus aller Welt, um die kostbare Reliquie zu verehren und ihr Opfergaben darzubringen. Dreimal am Tag kann der Schrein betreten werden, am Morgen, am Vormittag und am Abend. Innerhalb des Schreins mit der silberbeschlagenen Tür wird der linke Eckzahn des Buddha unter einem Stapel von sieben vergoldeten glockenförmigen Dagobas aufbewahrt. Im gesamten Tempel sitzen und stehen Gläubige, tief im Gebet versunken oder wartend mit Opferblumen in der Hand.

Prozession zu Ehren Buddhas

Die Verehrung des Dalada gipfelt in der jährlichen „Esala Perahera”, im Zuge derer der Zahn in einer tagelangen prachtvollen Prozession mit kunstvoll geschmückten Elefanten durch die Stadt getragen wird, um für ausreichend Regen und eine gute Ernte zu bitten. Dazwischen tanzen und musizieren traditionell farbenprächtig gekleidete Gläubige. Die Parade wurde bereits im 4. Jahrhundert abgehalten und findet an den zehn Tagen vor dem ersten Vollmond im August statt. Auch die Reliquien anderer Schreine aus dem Tempelbezirk nehmen an der Prozession teil, die sich am Schluss zu einem einzigen großen Zug vereint.

Einmal in der Woche wird der Zahn aus seinem heiligen Schrein entfernt, um gereinigt zu werden. Ob es sich tatsächlich um den echten Zahn handelt, ist fraglich, denn aus Sicherheitsgründen sind bereits mehrere Kopien angefertigt worden.

Im Sri Dalada Museum, welches sich ebenfalls im Zahntempel befindet, stellt neben einigen Geschenken von Pilgern auch die turbulente Geschichte des kostbaren Zahns dar.

Turbulente Geschichte des Dalada

Der Legende nach ist im Dalada die spirituelle Kraft Buddhas gespeichert und ähnlich wie der Bodhi-Baum, unter dem Buddha erleuchtet wurde, gilt auch der Zahn als Regenmacher. Man kann sich vorstellen, dass viele Könige sich um diese Reliquie rissen, denn der jeweilige Besitzer des Zahns war hoch angesehen, stand unter religiösem Schutz und sein Volk musste niemals unter Dürre leiden. Dementsprechend ging er durch die Hände vieler indischer Herrscher, nachdem er angeblich von einer Nonne aus der Asche des Erleuchteten geborgen wurde.

Er wurde von Generation zu Generation weitergereicht oder gewaltsam geraubt bis er schließlich von Prinz Dantha und seiner Gemahlin Hemamala als Pilger verkleidet über die Grenze nach Sri Lanka geschmuggelt werden konnte, wo er ab sofort vom singhalesischen König beschützt und in der jeweiligen Hauptstadt aufbewahrt wurde. Auch den Kolonialmächten Portugal und Großbritannien gelang es nicht, den Kult um den Zahn zu brechen und so werden die Prozessionen heute noch fortgeführt und sind mittlerweile eine beliebte Touristenattraktion.

Vorsichtsmaßnahme: Seit dem Selbstmordattentat der Tamilen auf den Zahntempel im Jahr 1998 während des Bürgerkriegs in Sri Lanka, bei dem 8 Menschen ums Leben kamen, kann der Tempelbezirk nur noch durch eine Sicherheitsschleuse betreten werden.