Christ-Erlöser-Kirche in Moskau, Russland

Die Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau ist die Hauptkathedrale der Russischen-Orthodoxen Kirche und das weltweit höchste orthodoxe Gotteshaus, Russland - © Anton Gvozdikov / Fotolia
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Die Moskauer Christ-Erlöser-Kirche ist die weltweit höchste orthodoxe Kirche. Von Stalin niedergerissen erstrahlt sie heute wieder in alter Pracht und übertrifft alle Erwartungen an den Prunk einer osteuropäischen Kathedrale.

Die gewaltige Christ-Erlöser-Kathedrale in der russischen Hauptstadt Moskau ist die Hauptkathedrale der Russischen-Orthodoxen Kirche und das weltweit höchste orthodoxe Gotteshaus (wenn man vom Glockenturm der St. Petersburger Peter-und-Paul-Kirche absieht). Die monumentale Kirche fasst bis zu 10.000 Personen und ist innen und außen mit kunstvollen Skulpturen und Malereien ausgestattet.

BILDER: Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau

Schwere Geburt der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale

Die Christ-Erlöser-Kathedrale sollte als Dank des russischen Sieges über Napoleon im Vaterländischen Krieg gebaut werden. Die Errichtung von Kirchen als Andenken an militärische Erfolge hatte in Russland Tradition, auch die Basilius-Kathedrale und die Kasaner Kathedrale am Roten Platz wurden aus diesem Grund gebaut. Der damalige Zar Alexander I. hatte die Vision, einen Kirchenbau zu errichten, dessen Ausmaße alles bisher Dagewesene übertreffen sollte, um die Macht und Größe des Russischen Reiches zu demonstrieren.

Den Architekturwettbewerb für den Entwurf der Kirche gewann der schwedisch-stämmige Alexander Witberg, dessen Ursprungspläne einen 250m hohen Komplex mit gewaltigen Säulen, Kuppeln und Portalen, der an den römischen Petersdom erinnern sollte. Alle Opfer des Vaterländischen Krieges sollten in dieser monströsen Kirche begraben werden. Doch der Untergrund auf den Sperlingsbergen stellte sich für ein derartig gewaltiges Bauwerk als zu instabil heraus und die Bauarbeiten gerieten ins Stocken. Als dann der Architekt auch noch wegen Diebstahl von Baumaterial verbannt wurde, wurde der Bau Ende der 1820er-Jahre eingestellt.

Die große Kuppel der Christ-Erlöser-Kirche in Moskau, Russland, hat einen Durchmesser von rund 30 Metern und ist fast 80 Meter hoch - © vladimir salman / Shutterstock
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Einige Jahre später fertigte der russisch-deutsche Architekt Konstantin Thon einen neuerlichen Entwurf an, der in die traditionelle byzantinische Architektur des Moskauer Stadtkerns passte und den Standort der Christ-Erlöser-Kathedrale am Ufer der Moskwa vorsah. Zar Nikolaus I. genehmigte den Vorschlag und die Bauarbeiten konnten 1839 starten. Finanziert wurde der Bau durch den Staat und durch zahlreiche Spenden von Gläubigen.

Die besten Malermeister Russlands waren mit der Verzierung des Innenraums beauftragt. 1881 kam noch die Ermordung des Zaren Alexander II dazwischen, doch 1883 konnte die Christ-Erlöser-Kathedrale unter Zar Alexander III. endlich feierlich eingeweiht werden. Von da an war sie das Zentrum des russisch-orthodoxen Lebens in Moskau. Neben Gottesdiensten wurden auch festliche Zeremonien und zum Beispiel die Uraufführung von Tschaikowskis erfolgreicher Ouvertüre 1812 abgehalten.

Vom Palast der Sowjets über ein Badehaus wieder zur Kathedrale

Nach der Revolution verlor die Kirche zunehmend an Bedeutung. Nachdem Josef Stalin an ihrem Platz den für damalige Verhältnisse mit 415m unvorstellbar hohen „Palast der Sowjets” errichten wollte, waren die Tage der Christ-Erlöser-Kathedrale gezählt. 1931 wurde sie in die Luft gesprengt. Dem Bau von Stalins Ungetüm kam jedoch der Zweite Weltkrieg dazwischen und nach seinem Tod hatte niemand mehr Interesse am sündteuren Palast der Sowjets. Stattdessen wurde aus den schon vorhandenen Fundamenten ein Badehaus.

Die gewaltige Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau ist das weltweit höchste orthodoxe Gotteshaus, Russland - © Chamille White / Shutterstock
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Ende der 1980er Jahre nahm das Bewusstsein der orthodoxen Kultur in Russland wieder stärkere Formen an und 1990 machte sich eine Bürgerinitiative für den Wiederaufbau der Christ-Erlöser-Kathedrale stark. Dieser Wunsch wurde zwei Jahre später durch den damaligen russischen Präsidenten Boris Jelzin gewährt. Die Finanzierung der 170 Millionen US-Dollar stellten diesmal vollständig Organisationen und Privatpersonen bereit.

Um die Kathedrale möglichst originalgetreu zu errichten griff man auf die alten Pläne, Fotos aus den Archiven und die Erinnerungen von Zeitzeugen zurück. Diesmal entstand die Christ-Erlöser-Kathedrale statt aus Backsteinen aus Stahlbeton und der Bau dauerte statt 44 nur 7 Jahre. Somit konnte die neue Kathedrale am 31. Dezember 1999, symbolisch zum 2.000. Geburtstag Christi und zur Begrüßung des neuen Jahrtausends für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Zar Alexander I. wollte mit dem Bau der Christ-Erlöser-Kirche in Moskau die Macht und Größe Russlands demonstrieren - © Natalia Pushchina / Shutterstock
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Die Christ-Erlöser-Kathedrale heute

Die bogenförmigen Fenster und Tore der Christ-Erlöser-Kathedrale und ihre vier spitzen Glockentürme zeugen noch vom damals populären „pseudorussischen Architekturstil”. Die fünf byzantinischen Kuppeln wurden mit insgesamt 12kg Blattgold überzogen (damals waren es aufgrund der weniger ausgereiften Technik noch 400kg), die größte von ihnen hat einen Durchmesser von 30m. Die große Kuppel in der Mitte und die vier kleinen rundherum sollen Jesus Christus und die vier Evangelisten symbolisieren.

Der gewaltige Innenraum der Kirche ist fast 80m hoch und wird von einem knapp 30m hohen Hauptaltar in Form einer Kapelle dominiert, der mit unzähligen aufwändigen Heiligenbildern geschmückt ist. Die fantastischen Malereien ziehen sich an den Wänden der gesamten Kathedrale fort und stellen hauptsächlich Figuren aus dem Alten und Neuen Testament und orthodoxe Heilige dar. Das größte Fresko mit 16m Durchmesser befindet sich direkt unter der Kuppel und zeigt die Heilige Dreifaltigkeit.

Die Christ-Erlöser-Kirche in Moskau, Russland, ist innen und außen mit kunstvollen Skulpturen und Malereien ausgestattet - © Ekaterina Bykova / Shutterstock
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Einen Unterschied zur originalen Kathedrale gibt es jedoch: Im Kellergeschoß der Christ-Erlöser-Kathedrale befindet sich einerseits die neue Christi-Verklärungskirche und andererseits ein Museum über die bewegte Vergangenheit des prachtvollen Gotteshauses mit originalen Fragmenten aus der Ursprungskathedrale. Auch eine Veranstaltungshalle, Festsäle und ein Versammlungsraum für die Russisch-Orthodoxe Synode sind dort zu finden.

Weiterführende Links:

Offizielle Website der Christ-Erlöser-Kathedrale (englisch)

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