Weltraumbahnhof Baikonur, Kasachstan

Der Weltraumbahnhof von Baikonur in der Steppe Kasachstans ist der größte Raketenstartplatz der Welt - © iurii / Shutterstock
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Der Weltraumbahnhof Baikonur in der kasachischen Steppe Kasachstans ist der größte Raketenstartplatz der Welt. Von Baikonur aus wurden alle wichtigen Weltraummissionen der Sowjetunion gestartet, darunter der erste künstliche Satellit, das erste Lebewesen und der erste Mensch im All.

In der kasachischen Stadt Baikonur im Süden des Landes liegt der mit über 6.700km2größte Raketenstartplatz der Welt. Die bis 1955 „Leninsk” genannte Stadt ist für das dort befindliche Kosmodrom weltweit bekannt. Seit über 50 Jahren starten von dort die sowjetischen bzw. russischen Weltraummissionen.

1955 errichtet die Sowjetunion an der verkehrsgünstig gelegenen Stelle am Ufer des Flusses Syrdarja und an der Eisenbahnlinie Moskau-Taschkent ein erstes Testgelände für Interkontinentalraketen, genannt „Forschungs- und Versuchsgelände #5″. Der eigentliche streng geheime Standort des Weltraumbahnhofs ist Tjuratam. Baikonur liegt 230km nordöstlich, die Bezeichnung diente nur zur Irreführung der westlichen Mächte, mit der sich die Sowjetunion im Jahr 1961 mit Juri Gagarins Raumflug rühmte. Die Bezeichnung „Kosmodrom Baikonur” blieb dem Weltraumbahnhof bis heute.

Erst 1995 wurde auch die Stadt Leninsk in „Baikonur” umbenannt. Die offizielle Bezeichung lautet „5. Staatliches Versuchskosmodrom der Russischen Föderation”. Auch wenn Baikonur durch den Start bemannter Raumflüge bekannt wurde, lag der Fokus des Testgeländes immer auf der Entwicklung von Langstreckenraketen. Gab es offizielle Staatsbesuche in Baikonur wurden die Militärs angewiesen, Zivilkleidung zu tragen, um die wahren Hintergründe zu verschleiern.

Streit um Baikonur zwischen Russland und Kasachstan

Als Kasachstan 1991 zum eigenen Staat erklärt wurde, stürzten Leninsk und der Weltraumbahnhof in eine tiefe Krise. Die Startplätze auf russischem Staatsgebiet konnten den nun kasachischen Weltraumbahnhof kaum ersetzen. Verhandlungen zwischen Russland und Kasachstan starteten zwar relativ früh, dauerten aber extrem lange.

Inzwischen plünderte die Bevölkerung die Stadt, weil keine Gehälter und Renten mehr ausbezahlt werden konnten, knapp die Hälfte von Baikonurs etwa 100.000 Einwohner verließ die Stadt. Im Jahr 1994 schließlich pachtete Russland das gesamte Geländer der Stadt um 115 Millionen Dollar jährlich. Bis 2050 steht diese Region Kasachstans unter russischer Verwaltung. Somit gilt auf dem Gelände sowohl russisches als auch kasachisches Recht, was zum einen oder anderen komplizierten juristischen Konflikt führte.

Weltberühmte Astronauten-Tiere und -Menschen

Vom Baikonur-Kosmodrom aus wurden alle berühmten Weltraummissionen der Sowjetunion gestartet. 1957 war dies mit Sputnik 1 der erste künstliche Satellit im Weltraum und mit der Hündin Laika das erste Lebewesen im All, welches den Flug allerdings nur ein paar Stunden überlebte. Kurz nach dem Start starb sie, vermutlich an Stress und Überhitzung. 1960 kamen Strelka und Belka in Begleitung von einem Hasen, Mäusen, Fliegen und Pflanzen aus der Erdumlaufbahn auch heil wieder zurück.

1961 folgte Juri Gagarin in der Trägerrakete Wostok als erster Mensch im Weltall, 1986 die MIR, die erste ständig bemannte Raumstation. Vor allem der russische Regierungschef Nikita Chruschtschow drängte auf die rasche Weiterentwicklung der prestigeträchtigen Raumfahrt.

Der aus Moskau angeordnete Zeitdruck führte auch immer wieder zu Unfällen. Der verheerendste von ihnen war die Nedelin-Katastrophe 1960, bei der 126 Menschen durch eine Raketenexplosion ums Leben kamen. Die waren Umstände und Ausmaße des Unfalls kamen erst 29 Jahre später an die Öffentlichkeit.

Besichtigung von Baikonur

Das riesige Gelände verfügt heute über 15 Startplätze auf 9 Startkomplexen. In 11 gigantischen Test- und Integrationshallen werden die Startvorbereitungen durchgeführt. Der Startkomplex „Soyuz” ging mit Flügen zum Mars und zur Venus in die Geschichte ein.

Die einst streng geheime Stadt Baikonur und der Weltraumbahnhof können im Rahmen einer professionellen Führung besichtigt werden. Die Raketenstartplätze, die perfekte Organisation rundherum und die faszinierende Mischung Technik und Mensch sind nicht nur für Technik-Fans ein unvergessliches Erlebnis.

Weiterführende Links:

Offizielle Seite von Baikonur (englisch)
Touren und Besichtigungen von Baikonur
Beispiel für die Besichtigung eines Raketenstarts in Baikonur