Seen- und Flussgebiet Tonle Sap, Kambodscha

Schwimmendes Haus und Hausbooteauf dem Tonle Sap See, zwischen Battambang und Siem Reap, Kambodscha - © MasterLu / Fotolia
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Der Tonle Sap ist ein gigantisches Seen- und Flussgebiet im Nordwesten Kambodschas. Zweimal im Jahr ändert der Zufluss seine Richtung und das Land wird jeden Sommer überflutet. Die mitgeschwemmten Nährstoffe tragen einen Großteil zur Fruchtbarkeit des Landes bei und schaffen so ein vielfältiges Ökosystem und eines der fischreichsten Gewässer der Welt.

Tonle Sap bedeutet übersetzt soviel wie „Großer Süßwasserfluss” und bezeichnet ein weitläufiges Fluss- und Seengebiet im Nordwesten Kambodschas. Das wichtigste Süßwasservorkommen in Kambodscha wurde 1997 von der UNESCO aufgrund seiner enormen ökologischen Vielfalt zum Biosphären-Reservat ernannt.

Wandelbarer Tonle Sap

Der Tonle Sap wechselt sein Erscheinungsbild im Lauf der Jahreszeiten auf dramatische Art und Weise. In der Trockenzeit ist er kaum mehr als ein Fluss, der in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh in den Mekong mündet. Er bedeckt mit 2.700km2 etwa die Fläche des österreichischen Bundeslandes Vorarlberg und ist nicht tiefer als 1-2 Meter.

Doch in der Regenzeit, von Juni bis Oktober erreicht der Tonle Sap durch ungeheure Ausmaße und schwillt zum größten Seengebiet Südostasiens an. Sein Fluss kehrt sich um, statt sich in den Mekong zu entleeren, wird er nun von ihm gespeist und vergrößert seine Fläche auf das etwa 5fache. 16.000km2 groß und bis zu 14 Meter tief würde er in etwa das Gebiet der Steiermark fluten. Im September bedeckt der Tonle Sap knapp ein Drittel der gesamten Fläche Kambodschas.

Die Strömungsumkehr in Phnom Penh ist zweimal im Jahr am Zusammenfluss Chaktomuk spektakulär zu beobachten. Durch die monsunartigen Regenfälle und das Schmelzwasser aus dem Himalaya wird der Mekong im Juni immer reißender, bis sein Flussbett die enormen Wassermassen nicht mehr halten kann und ein Teil davon in den Tonle Sap gedrückt wird. Im November zieht sich der See wieder zurück und fließt langsam in den Mekong ab, was mit dem Wasserfest „Bon Om Touk” gefeiert wird, welches auch gleichzeitig den Beginn der Fischereisaison darstellt.

Unglaubliche Tierwelt des Tonle Sap

Die riesige Fläche und die Nährstoffe aus dem Mekong und dem gefluteten Land schaffen ideale Lebensbedingungen für Wassertiere aller Art. Der Tonle Sap zählt daher zu den fischreichsten Gewässern der Welt. 75% von Kambodschas Inland-Fischfang stammen aus dem Tonle Sap. Neben etwa 300 verschiedenen Fischarten bevölkert auch eine Vielzahl an Vögeln die Ufer des Sees, darunter Pelikane, Störche, Ibisse, Fischadler und der anmutige Schlangenhalsvogel. Krokodile und Schildkröten tummeln sich ebenfalls in den Fluten, die Gattung der Säugetiere wird vor allem durch Otter und Makaken vertreten.

Ein Dorf auf dem Wasser am Tonle Sap See, Kambodscha - © Kushch Dmitry / Fotolia
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Die zweite wichtige Funktion des Tonle Sap ist die natürliche Bewässerung und Düngung der Reisfelder rund um den See, die in der Trockenzeit über Kanalsysteme künstlich bewässert werden müssen.

Von den positiven Auswirkungen auf Landwirtschaft und Fischfang profitieren die Menschen bereits seit tausenden von Jahren. Ohne diese einmalige Versorgung wäre die Hochblüte von Angkor, das nur wenige Kilometer nördlich des Tonle Sap liegt, vermutlich nicht möglich gewesen. Auch die Bewohner haben sich an die unsteten Bedingungen des Tonle Sap angepasst. Hauptsächlich ethnische Gruppen aus Vietnam und einige Cham-Gemeinden bevölkern das Ufer des Tonle Sap in schwimmenden Dörfern. Auf dem See verkehren Fähren von Phnom Penh im Süden nach Siem Reap im Norden.

Heute ist das einzigartige Ökosystem des Tonle Sap durch industrielle Überfischung, teilweise mit Hilfe von Granaten und Gift sowie durch Umweltverschmutzung hochgradig gefährdet.


Tipp: Erkundung des Tonle Sap mit dem Boot

Am zeitsparendsten lässt sich der Tonle Sap mit einem Boot von Chong Khneas aus befahren. Das kleine schwimmende Dorf ist von Siem Reap aus in einer knappen halben Stunde gut zu erreichen. Vom Boot aus können sowohl die schwimmenden Dörfer der Khmer und Vietnamesen mit ihren Wohnungen, Schulen, Märkten und Krankenhäusern besichtigt, als auch die Tierwelt des Tonle Sap erkundet werden. Aufgrund seiner Nähe zu Siem Reap ist Chong Khneas ziemlich touristisch, weiter entfernt findet man ruhigere Dörfer, die ebenfalls Bootstouren auf dieses einzigartige Ökosystem anbieten.


 

Weiterführende Links:

Schwimmende Dörfer und das Vogelschutzgebiet um den Tonle Sap (englisch)