Tempel Mata Mandir in Amritsar, Indien

Der Mata Mandir-Tempel in Amritsar ist durch seine außergewöhnliche, nahezu comichafte Ausstattung an Grotten und Schreinen berühmt, Indien - © Diego Delso CC BY-SA3.0/Wiki
© Diego Delso CC BY-SA3.0/Wiki

Der Mata Mandir wurde zu Ehren von Lal Devi, einer Heiligen aus Pakistan, errichtet und ist wohl der ungewöhnlichste Tempel Indiens. Ein Labyrinth aus verschlungenen Pfaden führt durch zahlreiche verspiegelte oder mit Wasser gefüllte Grotten, bis man sich in der letzten Halle von einer echten Brahmanin seinen Segen abholen kann.

Der Mata Mandir (wörtlich „Muttertempel”) ist ein Hindu Tempel in Amritsar im Norden Indiens. Er befindet sich etwa 2km nordwestlich des Bahnhofs in Amritsar und ist mit keinem herkömmlichen Hindu Tempel zu vergleichen. Er wurde zum Gedenken an Lal Devi errichtet, jene Frau mit Brille, die auf unzähligen Bildern im Tempel zu sehen ist. Das groteske Erscheinungsbild des Mata Mandir wurde von einer frommen alten Dame als Replikat des Vaishno Devi Schreins in Jammu und Kashmir entworfen und 1989 fertiggestellt.

Die Heilige Lal Devi wurde 1923 in Pakistan geboren. Als Brahmanin lebte sie von Früchten und Milch. Sie vertrat die Ansicht, wichtige Schreine an mehreren Orten zu kopieren, damit jeder sie sehen und zu ihnen beten konnte. 1994 trat sie den Weg ins Nirwana an.

Mata Mandir – Unterwegs in einer bizarren, bunten Welt

Der Mata Mandir ist für seine außergewöhnliche, völlig eigene Ausstattung berühmt. Die Grotten und Schreine des Tempels könnten auch aus Disneyland stammen und haben etwas von einem (feministisch angehauchten) Vergnügungspark.

Die Straße vor dem Tempel ist mit glitzernden Lametta-Fäden geschmückt, der Eingang führt von einer noch unspektakulären Halle über ein verwirrendes Labyrinth aus Stufen und Treppen. Weiter geht es äußerst abenteuerlich auf verschlungenen Pfaden durch knöcheltiefe Gewässer, enge Gänge, höhlenartige Räume und niedrige Tunnel. Auf dem Weg zum Hauptschrein des Tempels kommt man an bunten, beinahe schon comic-haften Statuen und Figuren vorbei.

Ein riesiges Spiegelkabinett mit Mosaiken aus unzähligen winzigen Spiegeln und Splittern aus farbigem Glas liegt hinter einer engen Öffnung. Überall sind Abbildungen von Göttinnen zu sehen, die die Hindus anbeten. Ist man am Allerheiligsten angekommen, stellt man fest, dass man sich im Mund der Göttin befindet. Die Belohnung für das ganze Theater ist der Segen einer echten Brahmanin, der einem in der letzten Halle gewährt wird.

Von weit und breit reisen Anhänger zu dem ungewöhnlichen Höhlentempel, um der Muttergöttin zu huldigen. Vor allem Frauen kommen hierher, um zu Lal Devi zu beten, ihr ein Kind zu schenken oder um Gesundheit ihrer Kinder zu bitten. Ein blindes Kind wurde angeblich durch die Kräfte von Lal Devi geheilt.

Die am Mata Mandir abgehaltenen Festivitäten sind stets mit viel Prunk und Show verbunden. Wer am Abend dem Mata Mandir einen Besuch abstattet hat einen kurzen Eindruck vom lebhaften Alltag, in dem es in einer Hindu-Familie zugeht.