Die berühmtesten Stätten der Steinschnitzkunst in China

Entlang der Seidenstraße, aber auch in anderen Regionen Chinas haben buddhistische Mönche vor Jahrhunderten fantastische Kunstwerke im und am Fels geschaffen. 

Höhlenmalerei, Steinschnitzereien und Felszeichnungen haben in China seit hunderten von Jahren Tradition. Ursprünglich aus Indien stammend breitete sich der Brauch entlang der Seidenstraße aus. Der Großteil der steinernen Kunstwerke entstand zwischen dem 4. und 14. Jahrhundert nach Christus. Für die damalige Zeit war die Erschaffung dieser Höhlen eine unvergleichliche logistische und handwerkliche Meisterleistung.

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Zusätzlich zur touristischen Anziehungskraft sind die Höhlenzeichnungen auch von enormem archäologischem Wert, da sie neben Buddhas und Himmelskönigen auch Szenen aus dem damaligen Alltagsleben in verschiedenen Gesellschaftsschichten darstellen.

Mogao-Höhlen

Die ca. 1.000 Mogoa-Höhlen sind entlang der Seidenstraße von buddhistischen Mönchen aus dem Sandstein gemeißelte Grotten, China - © Valery Shanin / Shutterstock
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Die Mogao-Höhlen an der Seidenstraße wurden mit Felsmalereien von Buddhas, Himmelskönigen und Szenen aus dem Alltagsleben geschmückt. Bevor sie für die breite Masse zugänglich waren, dienten sie den Mönchen als Bibliothek, Versteck und Rückzugsort. Heute gelten sie als die besterhaltene Stätte der chinesischen Steinschnitzkunst.

Mogao liegt an der Seidenstraße ca. 25 Kilometer von der Stadt Dunhuang entfernt. Das Gebiet ist Schauplatz der Entstehung eines gewaltigen Kunstwerkes von an die 1.000 Höhlen, die von buddhistischen Mönchen über einen Zeitraum von sechs Jahrhunderten in den Sandstein des Bergers Mingshashan gemeißelt wurden. Das gewaltige Kunstwerk gehört zu unseren Top 10 Sehenswürdigkeiten von China.

Der neunstöckige Pavillon der Mogao-Höhlen, China - © Valery Shanin / Shutterstock Fotolia
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Vielfältiger Nutzen der Mogao-Höhlen

Verwendet wurden die auch Tausend-Buddha-Grotten genannten Höhlen einerseits als Versteck für wertvolle Dokumente, als Rückzugsort für Meditationen und spirituelle Sinnsuchen. Aus letzteren entstand eine Vielzahl der Ursprungs-Malereien. Mit steigender Bekanntheit dienten die Mogao Höhlen auch zur künstlerischen Verewigung mächtiger Bürger und Politiker.

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Später wurden die Bildzeichnungen auch verwendet, um analphabetischen Schülern die buddhistischen Konzepte und Lehren verständlich zu machen, was sie im Prinzip auch zu einer Bibliothek machte. Bemerkenswert ist, dass in den Höhlen nicht nur Götter und Herrscher, sondern auch normale Bürger dargestellt sind, was dem Ganzen eine gesellschaftlich vereinigende Rolle bescherte.

Entdeckt wurden sie erst 1900 durch einen daoistischen Mönch, der 50.000 Dokumente fand, die die Mönche eingemauert hatten, um sie vor den angreifenden Mongolen zu schützen. Ein Großteil davon befindet sich heute im Britischen Museum in London.

Nach und nach wurden weitere Höhlen entdeckt und teilweise auch geplündert, sodass sich 1943 die Dunhuang-Akademie dem Schutz und der Erhaltung der bis heute erhaltenen knapp 500 Höhlen verschrieb. Mittlerweile stehen die Mogao-Grotten sowohl auf der Liste der Denkmäler der Volksrepublik China als auch auf der UNESCO-Weltkulturerbeliste.

Sehenswürdigkeiten in der Nähe der Mogoa-Höhlen

Neben den Höhlen und Malereien selbst gibt es auch eine Vielzahl an zusätzlichen Attraktionen zu entdecken. So zum Beispiel die 30 Meter hohe Statue des Weißen Buddha in Höhle 96, der nach dem Abbild der einzigen Kaiserin Chinas, Wu Zetian, gemeißelt wurde, oder den etwas kleineren Schwarzen Buddha in Höhle 130, den Kaiser Xuangzong I errichten ließ. Beide hofften damit auf Erleuchtung und auf die Verankerung ihrer Gestalt in der Religion und ließen auch neue Felsmalereien erschaffen.

Dies wurde mit steigender Bekanntheit der Höhlen zur Gewohnheit, einflussreiche Spender ließen neue Höhlen meißeln, weil sie so auf raschere Erleuchtung hofften, sogar internationale Abkommen wurden mit einer neuen Malerei in den Mogao-Grotten besiegelt. Mit Ende des 14. Jahrhunderts wurden keine neuen Kunstwerke mehr geschaffen.

Yungang Grotten in der Provinz Shanxi

Die Yungang Grotten werden heute als das Zentrum der buddhistischen Kunst in Nordchina angesehen - © Oiotoshi / Fotolia
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Die Yungang Grotten oder „Wolkengrat-Grotten“ befinden sich in der nordchinesischen Provinz Shanxi nahe Datong. Sie wurden von buddhistischen Mönchen am Fuß des Berges Wuzhou in den Sandstein gemeißelt und mit über 50.000 Felsfiguren bestückt.

Die mehrstöckigen Kammern gleichen Bienenwaben im Berg und sind mit kunstvollen Wand- und Deckenschnitzereien verziert. In knapp 50 Höhlen und über 250 kleineren Nischen stehen mehr als 50.000 Felsfiguren, die bis zu 17 Meter hoch sind.

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Im 5. Jahrhundert nach Christus war Datong, damals noch bekannt als Pingcheng, die Hauptstadt der damaligen Wei-Dynastie. Zwischen 398 und 494 nach Christus war dort das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Königreichs. Die Steinfiguren der Yungang-Grotten wurden unter königlicher Aufsicht über den Lauf von 60 Jahren von 460 bis 525 nach Christus geschaffen.

Fantastische Steinfiguren der Yungang Grotten

Manche der Yungang Grotten sind Zwillings- oder Drillingshöhlen, es wurden mehrstöckige Räume und Dachböden geschaffen, China - © Stripped Pixel / Fotolia
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Der Mönch Tan Yao begann mit dem Schnitzen der „Fünf Höhlen“, die auch nach ihm benannt sind. Der offizielle Auftrag endete im Jahre 525 nach Christus. Zu dieser Zeit erreichte die buddhistische Höhlenkunst ihren Höhepunkt und während der Liao-Dynastie arbeiteten die Mönche emsig weiter und schufen immer neue Kunstwerke.

Manche der Grotten sind Zwillings- oder Drillingshöhlen, es wurden mehrstöckige Räume und Dachböden geschaffen, Innenhöfe und kleinere Kammern, alles verziert mit Wandschnitzereien und Deckenkunstwerken. Nach und nach wurde auch der Einfluss der Han-Dynastie bemerkbar, die neue kompliziertere Formen entstehen ließen und sich nicht mehr rein auf buddhistische Darstellungen beschränkten.

Heute werden die Yungang Grotten als Zentrum der buddhistischen Kunst in Nordchina angesehen. Die Stätte der Felsschnitzerei erstreckt sich über eine Länge von 1km und seit der Gründung der Volksrepublik China wird auch streng auf ihre Erhaltung geachtet. Seit 2001 zählen sie zum UNESCO Weltkulturerbe und bereits seit 1961 zu den Denkmälern der Volksrepublik China.

Longmen Grotten in der Provinz Henan

Kalligraphische Schnitzereien in einer der über 2.345 Longmen Grotten in der chinesischen Provinz Henan, China - © Buddhadl / Fotolia
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Die Longmen Grotten 12 Kilometer südlich von Luoyang entstanden in den Sandsteinwänden der Longmen-Schlucht. Hier windet sich der Yishui-Fluss durch die Östlichen und Westlichen Berge nach Norden. Die Form der Berge gab dem Gebiet den Namen „Longmen“ – „Drachentor“.

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Auf einer Länge von 1km meißelten buddhistische Mönche eindrucksvolle Höhlen, Nischen und mehrgeschossige Pagoden in die weichen Sandstein-Klippen und schmückten sie mit über 100.000 Buddhastatuen und mehreren tausend kalligraphischen Gedenktafeln.

Gigantisches Meisterwerk

Zum Schutz der steinernen Meisterwerke wurden die Longmen Grotten 1961 auf die Liste der Denkmäler der Volksrepublik China gesetzt - © Jacek Kaczka/Fotolia
© Jacek Kaczka/Fotolia

Die insgesamt 2.345 Grotten wurden mit mehreren tausend Buddha-Nischen über 60 Buddha-Pagoden und fast 100.000 Buddhastatuen von fingergroß bis zu meterhoch ausgestattet. Auch unzählige Gedenktafeln und kunstvolle kalligraphische Schnitzereien lassen jedem Betrachter vor Staunen den Mund offen stehen.

Besuch der Longmen-Grotten

Im Zuge von geführten Touren können die fantastischen Longmen-Grotten das ganze Jahr über besichtigt werden. Auch eine Besichtigung mit Elektrofahrzeugen kann gebucht werden. Bootstouren zwischen den imposanten Stätten sind ebenfalls möglich. Auf der 20minütigen Bootsfahrt erhalten die Besucher vom Wasser aus ganz neue atemberaubende Perspektiven auf die uralten Schätze der Longmen-Grotten.

Tipp: Im April und der ersten Mai-Woche können auch nächtliche Führungen durch die Longmen-Grotten bei spektakulärer Beleuchtung gebucht werden.

Entstehung der Longmen-Grotten

Faszinierende Felsschnitzereien in der Lotus Höhle in den Longmen Grotten, Provinz Henan, China - © gringos / Fotolia
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Geschaffen wurden die Schnitzereien der Longmen Grotten zur Zeit der Nördlichen Wei-Dynastie Ende des 5. Jahrhunderts nach Christus, als die buddhistische Felsskulptur-Kunst ihre Blütezeit erlebte.

Ihre Fertigstellung dauerte über 400 Jahre und kann in drei Abschnitte unterteilt werden: bis 534 wurde auf Befehl des Kaisers Xiaowen geschnitzt, nachdem er seine Hauptstadt nach Luoyang verlegen ließ. Zu dieser Zeit entstanden durch geschätzte 200 Künstler die meisten Grotten, die erste und größte davon war Guyangdong, oder der Shiku-Tempel.

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Bis 626 nach Christus wurde nicht viel gearbeitet, die Mönche hatten aufgrund landesinterner Unruhen andere Sorgen. So entstanden nur einige kleinere Höhlen. Erst in der Blütezeit der frühen Tang-Dynastie im frühen siebten Jahrhundert nach Christus lebte der Buddhismus wieder auf und damit auch das Interesse an den Höhlenschnitzereien und zwar intensiver als je zuvor.

Da die herrschenden Kaiser Gaozang und danach Wu Zetian (Chinas einziger weiblicher Kaiser) meist in Luoyang anwesend waren, entstanden in dieser Schaffensperiode wahre Meisterwerke von internationaler Bekanntheit, wie zum Beispiel die Gruppe der gigantischen Statuen in der Fengxiansi Grotte. Die äußerst lebendig wirkenden Skulpturen stellen den architektonischen und bildhauerischen Höhepunkt der Yungang Grotten dar, allen voran die kolossale 17m hohe Statue der sitzenden Boddhisattva Vairocana.

Doch schließlich wurde im mittleren 8. Jahrhundert nach Christus Luoyang von Rebellen eingenommen, was die Arbeit an den Grotten zuerst verlangsamte, bis sie schließlich 1175, in der Nördlichen Song-Dynastie ganz versiegte.

International bekannt wurden die Longmen Grotten während der Ming (1368-1644) und Qing (1644-1912) Dynastien. Dann begann auch die historische Erforschung der Zeugnisse der Bildenden Künste, Musik, Kalligraphie, Kleidung, Architektur und Medizin von damals.

Im Lauf der Zeit wurden die Grotten durch Witterungseinflüsse aber auch Vandalismus und Kunstraub zerstört und verwüstet. Vor allem der Kulturrevolution durch Mao Zedong im 20. Jahrhundert fiel ein Großteil der Buddha-Statuen zum Opfer. Zum Schutz dieser steinernen Meisterwerke wurden die Longmen Grotten 1961 auf die Liste der Denkmäler der Volksrepublik China gesetzt und 2000 als UNESCO Weltkulturerbestätte eingetragen.

Felsskulpturen in Dazu

Die Hänge des Dazu liegen in der südlichen Mitte Chinas knapp 170 Kilometer von der Stadt Chongqing entfernt. In über 100 Grotten befinden sich über 60.000 Steinfiguren in buddhistischem, konfuzianischem und daoistischem Stil sowie über 100.000 chinesische Schriftzeichen. Die atemberaubenden Statuen gehören ebenfalls zu unseren Top 10 Sehenswürdigkeiten von China.

Entstehung der Felsskulpturen von Dazu

Neben der Meisterhaftigkeit der Darstellungen im Berg sind die Steinfiguren von Dazu auch archäologisch wertvoll, da sie Einblicke in das frühere Alltagsleben gewähren, China - © surachai / Fotolia
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Die Erschaffung der religiösen Felsskulpturen datiert auf das 7. Jahrhundert zurück. Die Hauptschaffensperiode erstreckte sich vom 9. bis ins 13. Jahrhundert nach Christus zurück und fällt somit in die Tang- und Song-Dynastie. 1961 wurden sie auf die Liste der Denkmäler der Volksrepublik China aufgenommen. Seit 1999 zählen die Felsbilder von Dazu zum UNESCO Weltkulturerbe.

Hier gibt es ähnlich wie in den Mogoa-Höhlen nicht nur buddhistische Motive, sondern auch Szenen aus dem Alltagsleben zu bestaunen. Scheinbar leben in den Grotten Buddhismus, Konfuzianismus und Daoismus in friedlicher Eintracht. Die Figuren sind so meisterhaft gefertigt, dass man sich unwillkürlich fragt, wie machten die das damals? Die Vielfalt an Gegenständen und die Liebe der Künstler zum Detail machen einen Besuch zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Besuch der Felsskulpturen in Dazu

Die Figuren in Dazu sind so meisterhaft gefertigt, dass man sich unwillkürlich fragt, wie machten die das damals, China - © surachai / Fotolia
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Touristisch beliebt sind vor allem die Bei-Shan und die Baoi-Ding-Shan-Höhle, eine hufeisenförmige Stätte am Rand einer Schlucht.

Die Bei-Shan-Höhle ca. 20 Kilometer nordöstlich von Dazu ist eine 500 Meter lange Felswand mit über 10.000 Figuren. Die Flanke des Berges wurde auf einer Höhe von bis zu 15 Meter bearbeitet. Die Felsskulpturen entstanden vor allem zwischen 1180 und 1250 nach Christus durch den Mönch Zhao Zhifeng, der 70 Jahre seines Lebens der Erschaffung der steinernen Kunstwerke widmete.

Zahlreiche Zitate der buddhistischen Lehre weisen auf den Grund seines Schaffens hin: Erhabenheit und Erleuchtung für sich und andere. Demnach wurden die Skulpturen wahrscheinlich auch für didaktische Zwecke genutzt oder als Parabeln verwendet. Zhao hat damit seine Doktrin im wahrsten Sinne des Wortes in Stein gemeißelt und so für seine Schüler und Jahrhunderte später für Besucher aus aller Welt konserviert.

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