Chinesische Mauer, China

Die Chinesische Mauer bei Sonnenaufgang - © chungking / Shutterstock
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An der Chinesischen Mauer wurde seit 500 vor Christus bis ins 16. Jahrhundert immer wieder gebaut. Ursprünglich als fast 9.000km langer Grenzschutz gegen feindliche Nomadenstämme aus dem Norden diente sie später auch als Nachrichtenüberbringer und befahrbarer Route durch unwegsames Gelände. Mittlerweile hat sich die Natur den Großteil der Mauer wieder zurückerobert.

Die Chinesische Mauer heißt in der Landessprache „Zhōngguó Chángchéng”, lange chinesische Mauer und wird auch einfach nur „Große Mauer” genannt. Gebaut wurde sie um die Nordgrenze Chinas vor feindlichen Übergriffen durch nomadische Reitervölker zu schützen. Außerdem diente als Abgrenzung des „Reichs der Mitte” vom Rest der Welt und so die chinesische Kultur zu schützen. Ihr ist es unter anderem zu verdanken, dass die traditionelle Lebensweise in China bis heute so unverfälscht und ursprünglich ist. Seit 1987 ist die Chinesischen Mauer UNESCO Weltkulturerbe und 2007 wurde sie von einer Privatinitiative zu einem der „neuen sieben Weltwunder” gewählt.

Endlose Geschichte der Chinesischen Mauer

Die ersten Anfänge der Chinesischen Mauer entstanden bereits 500 vor Christus in der Zeit der „Streitenden Reiche” zum Schutz vor verfeindeten Chinesen. Noch heute bestehen große Teile der Mauer aus dem damals verwendeten Reisig-Stroh-Gemisch und festgeklopftem Lehm.

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Die Gesamtlänge der Chinesischen Mauer beträgt 8.850km und würde damit in den Vereinigten Staaten zweimal von der Ost- bis zur Westküste reichen. Davon sind 2.200m natürliche Barrieren durch Berge oder Flüsse. Zählt man auch die vielen lose verteilten Stücke der Mauer mit, die zwar errichtet aber nie angeschlossen wurden, kommt man auf eine Gesamtlänge von sagenhaften 9.800km. Die Länge der Hauptmauer ohne natürliche Hilfsmittel der Landschaft oder Verzweigungen misst „nur” ca. 2.400km. Höhe und Breite der Chinesischen Mauer variieren von 4-8m Breite und 6-9m Höhe bis zu 12m bei den Wachtürmen, die die Mauer alle 100m verstärken und als Waffenlager oder Feuersignaltürme dienten.

Den Bau der Chinesischen Mauer gab der erste chinesische Kaiser Shihuangdi zur Qin-Zeit bei General Meng Tian in Auftrag, jener, dessen Grabmal noch heute von der weltberühmten Terrakotta-Armee bewacht wird. Der erste Schritt war die Verbindung der vielen einzelnen Mauerstücke, die als Schutzmaßnahme bereits errichtet wurden. Vor allem Bauernfamilien, Männer, Frauen und sogar Kinder arbeiteten gemeinsam mit ihren Händen als Werkzeug am Bau der Mauer. Zum Bauhöhepunkt waren gigantische 20% der Bevölkerung Chinas an der Errichtung beteiligt.

Mörderische Angelegenheit

Böse Zungen behaupten, dass die Arbeiter teilweise vor Hunger und Erschöpfung tot zusammenbrachen und über 250.000 Leichen eingemauert wurden, manche sprechen sogar von einer Million. Dieser Umstand ist zwar nicht bewiesen, brachte der Chinesischen Mauer jedoch den wenig schmeichelhaften Namen „Langer Friedhof” ein. Auch durch die Hand der Aufseher sollten einige ihr Leben gelassen haben, die sich weigerten, weiterzuarbeiten, oder versuchten zu fliehen.

Beeindruckender Ausblick auf die Chinesische Mauer, China - © jonasginter / Fotolia
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Die Chinesische Mauer als Nachrichtenüberbringer

Der nächste Kaiser der Han-Dynastie ließ die Mauer weiter errichten, ergänzte sie um Türme und zusätzliche Verteidigungsanlagen und entwickelte geheime Signale aus Feuer und Rauch zur Nachrichtenübermittlung. Für das Nachrichtenwesen generell war die Chinesische Mauer von großem Vorteil, da sie auch als Straße durch unwegsames Gelände genutzt werden konnte und sogar Pferdewagen Platz bot. Aufgrund staatsinterner Unruhen wurden die Arbeiten dann erst im 14. Jahrhundert wieder aufgenommen, da die Mongolen zusehends nach China drängten. Mittlerweile wurde statt Lehm eine Mischung aus gebranntem Kalk und Klebreis verwendet, was beinahe der Festigkeit des heutigen Zements entspricht.

150 Jahre lang schützte die Chinesische Mauer ihr Land bis zum 16. Jahrhundert, wo aufgrund von internen Problemen nicht genügend Soldaten zur Verfügung standen und die Mandschu die Mauer überwanden und China überfielen. Als China dann wieder an die Macht der Chinesen ging, war die Zeit soweit fortgeschritten, dass ein Weiterbau an der Mauer überflüssig geworden war. Gegen Panzer und Flugzeuge konnte sie schließlich nichts ausrichten. Die Chinesische Mauer begann langsam zu verfallen und wurde zum Steinbruch, viele Bauern holten sich von dort Steine für ihre Häuser. Dies ist jetzt seit 2006 bei hoher Strafe verboten.

Zauberer und Weltrekorde auf der Mauer

Mit der Chinesischen Mauer wurde schon einiges angestellt. 1986 durchquerte David Copperfield das Gestein auf magische Weise, der amerikanische Skateboard-Profi Danny Way übersprang sie auf einem Skateboard und sicherte sich so einen Eintrag ins Guiness Buch der Rekorde. Darüber hinaus finden immer wieder kleine Festivals und Events statt, was vom Denkmalschutz der Regierung nicht besonders gerne gesehen wird.

Besichtigung der Chinesischen Mauer

Heute sind noch ca. 500km der Mauer sehr gut erhalten, den Rest hat sich die Natur großteils zurückerobert. An vielen Stellen, an denen die Chinesische Mauer nur aus Lehm besteht, ist sie bereits auf ein Drittel ihrer ursprünglichen Größe geschrumpft. Restaurierungen finden nur statt, wo sich die Touristen tummeln. Dies ist vor allem in der Gegend um Peking (Beijing) und entlang des zweiwöchigen Wanderweges über Chengde, Qinhuangdao und Tianjin bis nach Datong, von wo aus man mit dem Zug wieder zurück nach Peking gelangt.

Panoramaansicht der Chinesischen Mauer, China - © XtravaganT / Fotolia
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Der Mauerabschnitt Badaling 80km nordwestlich von Peking wurde am besten restauriert, hierher kommen auch die meisten Besucher. Nordöstlich von Peking, etwa 70km entfernt befindet sich mit Mutianyu ein weiterer beliebter Mauerpunkt, der nicht weniger dicht bevölkert ist. Restaurants und Hotels findet man an beiden Orten zu Hauf.

Tipp: Für Menschenscheue: Wer dem allgemeinen Touristenstrom entgehen und den Anblick der Mauer in aller Ruhe genießen möchte, sollte sich für ein paar Euro einen Fremdenführer suchen, der Privatführungen anbietet. Führungen sind auf Englisch, und oft sogar auf Deutsch möglich.

Gerücht: Die Chinesische Mauer ist NICHT mit freiem Auge aus dem Weltall zu sehen. Mit einer Breite von maximal 8 Metern wäre ja jede mehrspurige Autobahn sichtbar. Im Oktober 2003 veranlasste der erste chinesische Astronaut mit dieser Erkenntnis, dass in China die Schulbücher umgeschrieben wurden.

Weiterführende Links:

Detaillierte Info zur Chinesischen Mauer inkl. Kartenskizzen und genauer Beschreibung der einzelnen Mauerabschnitte
Sehenswürdigkeiten und Geschichten zur Chinesischen Mauer