Jigme Dorji Nationalpark, Bhutan

Der rote Panda zählt zu den possierlichsten Bewohnern des Jigme-Dorji-Nationalparks, Bhutan - © nmelnychuk / Fotolia
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Der Jigme Dorji Nationalpark ist der zweitgrößte Nationalpark Bhutans und wohl das einzige Gebiet auf der Welt, in dem sich Tiger und Schneeleopard die Reviere teilen. Vom Laubwald bis zum Gletscher ist der Nationalpark ein wahres Paradies für Naturliebhaber, Trekker und Hobby-Ornithologen.

Der Jigme Dorji Nationalpark war mit einer Fläche von 4.316km2bis 2008 der größte Nationalpark Bhutans. Dann wurde er vom etwa 600km2größeren Wangchuk Centennial Park überholt.Der Jigme Dorji Nationalpark wurde 1974 gegründet und nach Jigme Dorji Wangchuk, dem dritten König Bhutans benannt. Er erstreckt sich beinahe über das gesamte Gasa-Distrikt und die nördlichen Regionen von Thimphu, Paro, Punakha und Wangdue Phodrang.

Etwa 6.500 Menschen leben im Nationalpark, Bauern in den niederen Lagen, halbnomadische Yak-Hirten im alpinen Raum. Die Berge Jomolhari, Tsherimgang und Jitchu Drake werden als Heimat lokaler Gottheiten verehrt und sind bei Trekkern äußerst beliebt. Die Heilpflanzen des Nationalparks werden von den Dorfbewohnern für medizinische Zwecke und als Räucherwerk verwendet.

Tiger und Leoparden im Jigme Dorji

Durch seine enorme Fläche umfasst der Jigme Dorji Nationalpark alle Klimazonen Bhutans vom Laubwald bis zum ewigen Eis der Gletscher. Im östlichen Himalayagebiet gelegen erstreckt es sich von 1400 Metern auf über 7000 Meter Seehöhe. Die Wälder bestehen aus mächtigen Eichen, Ahorn und Nussbäumen, weiter oben dominieren die Nadelwälder aus Fichten, Tannen, Föhren und Eiben. In den alpinen Gebieten zaubern Edelweiß, Blauer Mohn, der blutrote Rhododendron und Orchideen ein farbenprächtiges Muster auf die saftig grünen Bergwiesen.

Der bengalische Tiger wurde im Royal Chitwan Nationalpark vor dem Aussterben bewahrt, Nepal - © Colette3 / Shutterstock
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Der Jigme Dorji Nationalpark bietet 37 verschiedenen Säugetierarten Zuflucht, darunter einige gefährdete Spezies, wie den Schneeleopard, den Nebelparder, den Bengalischen Tiger, den Roten Panda oder den Himalaya-Schwarzbären, sowie einige Hirsch- und Ziegenarten wie zum Beispiel Bharal, Serow, Sambar oder Goral. Der Jigme Dorji Nationalpark ist der erste und vermutlich auch der einzige Ort der Welt, an dem Tiger über 4.000 Metern Seehöhe vorkommen und sich ihre Reviere mit Schneeleoparden teilen.

Die Lüfte des Jigme Dorji werden von über 300 verschiedenen Vogelarten bevölkert. Außerdem ist es der einzige Park in Bhutan, wo alle Nationalsymbole (Tier, Blume, Vogel und Baum) vereint auftreten: das Takin, sieht aus wie eine Mischung aus Büffel und Ziege, die Blaue Mohnblume, der Rabe und die Zypresse.

Zerstörerische Gletscher im Jigme Dorji

Die beiden Gewogs (Dorfansammlungen) Lunana und Laya im Nationalpark beinhalten die bemerkenswertesten und unberechenbarsten Gletscher Bhutans. In der Geschichte des Landes waren diese Gletscher bereits des Öfteren für zerstörerische Überflutungen verantwortlich, denen auch bereits Menschen zum Opfer fielen. Um dies in Zukunft zu verhindern, wird das Wasser der Gletscherseen immer wieder künstlich abgelassen. Die größten von ihnen sind Thorthormi, Luggye und Teri Kang. Vor allem der Thimphu Chhu wird von den Gletscherwassern gespeist und wächst im Sommer zu enormen Ausmaßen an. Seine wilden Ströme lassen smaragdgrüne Teiche im Nationalpark entstehen.

Klöster und Festungen im Jigme Dorji

Für geschichtlich Interessierte gibt es im Jigme Dorji Nationalpark die beiden Festungen Lingshi Dzong und Gasa Dzong aus dem 17. Jahrhundert zu besichtigen.
Auch der Aufstieg zum 2.600m hoch gelegenen Cheri-Kloster an der Südgrenze des Jigme Dorji Nationalparks ist aufgrund seiner Vogelvielfalt vor allem bei Hobby-Ornithologen äußerst beliebt. Auch Bergziegen ziehen sich in dieses schroffe Felsgebiet zurück, wo ihnen Leopard und Tiger nicht folgen können. Der Pfad bis zum Gipfel ist gut ausgebaut und zählt zu den beliebtesten Trekking-Routen des Parks.