Sabayil Burg, Aserbaidschan

Die Sabayil-Burg in Aserbaidschan liegt im Kaspischen Meer begraben, kommt jedoch Stück für Stück wieder an die Oberfläche - © Bruno Girin CC BY-SA2.0 /Wiki
© Bruno Girin CC BY-SA2.0 /Wiki

Die sagenumwobene Sabayil Burg liegt nahe der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku im Kaspischen Meer. Einst auf einer Insel erbaut, wurde die Festung Anfang des 14. Jahrhunderts durch ein Erdbeben zerstört und versank in den Fluten. Als sich der Wasserspiegel senkte, kamen die geschichtsträchtigen Mauern langsam wieder zum Vorschein.

Die Sabayil Burg wurde nach der Bucht Bayil, in der es sich auf einer Insel befindet, benannt. Sie hat jedoch viele Namen und wird auch als Bandargala, unterirdische Stadt, Atlantis von Baku, Kloster, Karawanserei und Verteidigungsbollwerk bezeichnet.

Aufbau und Zerstörung der Sabayil Burg

Die Sabayil Burg wurde im Jahr 1233 vom Architekten Abdul-Majid Masud Oglu auf einer Insel an der Küste Bakus errichtet, den Auftrag dazu gab der damalige Herrscher und Shirvanshah, Fariburz III. Den Forschern zufolge diente die Sabayil Burg sowohl als Befestigungsanlage zur Verteidigung gegen Angriffe vom Kaspischen Meer aus, aber auch als Herrscherresidenz der Shirvanshahs.

Knapp 100 Jahre später, im Jahr 1306, wurde Baku von einem heftigen Erdbeben erschüttert, wodurch die Sabayil Burg in sich zusammen stürzte und ihre Trümmer im Kaspischen Meer versanken. Für viele Jahrhunderte waren die Ruinen unter den Wassermassen begraben. Als jedoch im 18. Jahrhundert der Wasserspiegel des Kaspischen Meeres sank, traten die geschichtsträchtigen Mauern der Sabayil Burg Zentimeter für Zentimeter wieder an die Oberfläche.

Besuch der Sabayil Burg

Etwa 350m vom Ufer entfernt wurde so in Ansätzen deutlich, wie prachtvoll das mächtige Bollwerk einst war. Der gesamte Komplex ist 40m lang und 180m breit und besteht aus 15 halbrunden Einzelbastionen, die durch eine bis zu eineinhalb Meter dicke Mauer verbunden sind. Der obere Teil der Burg ist völlig zerstört, nur die unteren, etwa 2m hohen Teile der Mauern und Türme sind hin und wieder, je nach Wasserpegel, an der Oberfläche zu sehen.

In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden im Zuge einer groß angelegten Forschungsaktion mehr als 700 Steintafeln mit persischen Inschriften und kunstvollen Gravuren aus der historischen Befestigungsanlage geborgen, die heute vor dem Palast der Shirvanshahs zu sehen sind und sehr zur Klärung der Funktion und der Bauzeit des Sabayil Schlosses beitrugen. Auch die Namen der damaligen Herrscher und andere geschichtliche Details konnten den Steintafeln entnommen werden. Die Gravuren sind auch deshalb so bemerkenswert, da die Sabayil Burg damit eines der ersten muslimischen Gebäude war, auf dem Tier- und Menschenfiguren abgebildet waren.

Gemeinsam mit den Steintafeln wurden auch andere Relikte geborgen, wie zum Beispiel Scherben von Töpferwaren aus rotem und schwarzem Ton, Kupfermünzen, intakte Gefäße und Teile von Wasserpfeifen. Vieles davon kann im Museum im Palast des Shirvanshah bewundert werden.

Im Jahr 2008 wurde in der Innenstadt von Baku ein unterirdischer Geheimgang aus dem 19. Jahrhundert entdeckt. Es wird vermutet, dass er einer von mehreren ist, die in die halbversunkene Sabayil Burg führten und zu dem Netz aus unterirdischen Gängen gehört, die den Herrscherpalast mit der Synykh Gala, der damaligen Moschee, und dem Meer verbanden.