Qobustan Nationalpark, Aserbaidschan

Felszeichnung im Qobustan-Nationalpark in Aserbaidschan  - © Elnur / Fotolia
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Der Qobustan Nationalpark ist für seine tausende historischen Felszeichnungen bekannt, die bis zu 40.000 Jahre alt sind. Außerdem finden sich in der Halbwüste des Qobustan Nationalparks mehr als die Hälfte aller Schlammvulkane weltweit.

Der Qobustan-Nationalpark befindet sich in Aserbaidschan etwa 50km südwestlich der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku. Seinen Namen erhielt er von der gleichnamigen nahegelegenen Ortschaft. Hauptattraktion des Qobustan Nationalparks sind die vielen prähistorischen Petroglyphen (Felszeichnungen), die in den 1930er Jahren in der Nähe von Qobustan gefunden wurden. Seit 2007 zählen die Fundstätten der Petroglyphen zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Der Qobustan Nationalpark wurde im Jahr 1966 gegründet und umfasst eine Fläche von gut 40km2. Die historischen Felszeichnungen, die die Region zwischen Kaukasus und Kaspischem Meer so berühmt machten, wurden auf etwa 10.000 vor Christus datiert. Sie wurden in den 1930er Jahren durch Zufall entdeckt, als eine Gruppe von Männern auf der Suche nach Schotter die Höhlen des Qobustan Nationalparks betraten. Schon bald wurden sie auf die seltsamen Abbildungen aufmerksam und entdeckten anschließend auch von Menschen geschaffene Höhlen mit weiteren Zeichnungen, die den frühen Menschen der Eiszeit eindeutig als Behausung dienten.

Unglaubliche Vielzahl der Felszeichnungen

Heute sind über 6.000 Steingravuren entdeckt, die alle 5.000 Jahre alt und älter sind. Manche von ihnen werden sogar auf das enorme Alter von 40.000 Jahren geschätzt. Die Abbildungen stellen zum Großteil primitive männliche und weibliche Figuren, Tiere, rituelle Tänze, Boote, Jagd- und Kampfszenen, Kamel-Karawanen sowie Sonne und Sterne dar.

Felszeichnung im Qobustan-Nationalpark, Aserbaidschan  - © catcha / Fotolia
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Aus manchen der Petroglyphen konnte über Tier- und Pflanzendarstellungen herausgelesen werden, dass damals das Wetter in Aserbaidschan deutlich feuchter war als heute. Wilde Ziegen, Pferde, Kühe und Esel grasten damals auf der weiten Savanne und wurden von Löwen, Leoparden und Wölfen gejagt. Auch lateinische Zeichen aus dem ersten Jahrhundert nach Christus wurden entdeckt, der am weitesten östlich gelegene Beweis, dass sich hier einst die Römer aufhielten.

Die Petroglyphen des Qobustan Nationalparks sind übrigens auch auf dem 5-Manat-Schein der aserbaidschanischen Währung zu finden.

Kochender Schlamm und musikalische Steine

Doch nicht nur die Petroglyphen des Qobustan Nationalparks sind schützenswert. Der Nationalpark wurde auch zur Erhaltung der Schlammvulkane, von denen im Qobustan Nationalpark mehr als die Hälfte aller Schlammvulkane weltweit zu finden sind, und musikalischen Steine etabliert. So stehen nun zum Beispiel auch die nahe des Kaspischen Meeres gelegenen Berge Boyukdash, Kichikdash, Jingirdag und der Yazili-Hügel unter dem Schutz der Regierung.

Ein Schlammvulkan im Qobustan Nationalpark, hier finden sich mehr als die Hälfte aller Schlammvulkane weltweit, Aserbaidschan  - © pkrysa - Fotolia
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Insgesamt liegen auf dem Areal des Qobustan Nationalparks an die 400 Schlammvulkane, brodelnde Löcher, in denen sich langsam riesige Blasen in der dunkelbraunen Brühe bilden. Etwa alle 20 Jahre kommt es vor, dass einer dieser Schlammvulkan ausbricht, wodurch Unmengen von Schlamm in die Umgebung verteilt wird und zig Meter hohe Flammen aus den Erdlöchern züngeln. Die Schlammvulkane könnten auch die Wurzel von Aserbaidschans Wortstamm sein, was so viel wie „Land des ewigen Feuers” bedeutet.

Die so genannten Gaval Dash sind musizierende Steine, die durch spezielle Klimabedingungen sowie Öl und Gas aus der Erde speziell geformt wurden, sodass sie wenn mit einem anderen Stein angeschlagen, harmonische Töne von sich geben – ein Phänomen, das sonst nirgendwo auf der Welt auftritt.

Auch wenn die üppige Vegetation von vor 10.000 Jahren verschwunden ist, im wüstenähnlichen Klima der milden Winter und heißen, trockenen Sommer Aserbaidschans wachsen noch heute zwischen wilden Gräsern und Buschland wilde Rosen, Zwergkirschen, Wacholder, Feigenbäume und wilder Wein. Die Tierwelt hat die Großkatzen von damals eingebüßt, mittlerweile streifen Füchse, Schakale, Wölfe, Hasen, Wildkaten und Berghühner den Qobustan Nationalpark.