Sevan-See, Armenien

Das Sevanavank-Kloster aus dem 9. Jahrhundert am Sevan-See, Armenien - © RUZANNA ARUTYUNYAN / Fotolia
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Der Sevan-See im Osten von Armenien ist etwa doppelt so groß wie der Bodensee und der größte See im Kaukasus. Rund um ihn befindet sich neben atemberaubender Natur und idyllischen Sandstränden ein regelrechtes Freiluftmuseum an historischen Kirchen, Friedhöfen und Klöstern.

Der Sevan-See in der Provinz Gegharkunik im Osten von Armenien ist mit einer Fläche von 940km2etwa doppelt so groß wie der Bodensee. Damit ist er der größte See Armeniens und des gesamten Kaukasusgebietes. Mit einer Seehöhe von 1.900 Metern über dem Meeresspiegel zählt er außerdem noch zu den größten Gebirgsseen der Erde.

Der riesige Sevan-See hat heute noch eine Tiefe von maximal 83 Metern. Vor der gezielten Austrocknung zur Landgewinnung durch Stalin, dem Wasserabzug für Landwirtschaft und Stromgewinnung lag der Wasserspiegel um 12 Meter höher. In den 1960er Jahren drohte der See aufgrund des erheblichen Wasserverlustes völlig aus dem Gleichgewicht zu geraten, woraufhin ein Tunnel gebaut wurde, um den Wasserstand zu stabilisieren. Seit 2005 ist ein zweiter Tunnel in Betrieb, der aus dem Ketschut- und dem Spandarjan-Stausee Wasser einspeist. Seitdem hebt sich der Wasserspiegel um jährlich etwa 40cm.

Unterwegs zum Sevan-See

Mit dem Auto ist der Sevan-See von Jerewan aus etwa in einer Stunde zu erreichen. Rund um den Sewansee sind einige geschichtsträchtige Stätten zu finden. Neben manchen aufwendig gestalteten Gräbern aus der Bronzezeit war der Sewansee auch Schauplatz zahlreicher kriegerischer Auseinandersetzungen, worauf historische Aufzeichnungen und Funde von Pfeilspitzen hindeuten. Die Kirchen und Klöster erinnern an die zahlreichen armenischen Königs- und Fürstenfamilien.

Der Sevan-See ist nicht nur ein wichtiger Trinkwasservorrat für Armenien sondern dient auch Erholungszwecken. Während im fruchtbaren Südosten auf der bis zu 17km breiten Küstenebene Obst und Getreide angebaut werden, fungiert der Norden als über 2km langer Badestrand, an dem Resorts, Campingplätze und Picknickbänke die notwendige Infrastruktur für einen perfekten Strandtag bereitstellen. Mit seinem, je nach Sonnenstand, tiefblauen oder türkisen Wasser und den hellen Sandstränden ist er der perfekte Ort für Sonnenbäder, sehr erfrischende Schwimmausflüge (die Wassertemperatur steigt auch im Sommer so gut wie nie über 22°C) und Stranderholung. Am Wochenende geht hier übrigens die Post ab, da sind feuchtfröhliche Strandparties mit reichlich Wodka angesagt.

Kloster Sevanavank am Sevan-See

Die Klosteranlage Sevanavank mit den beiden verbleibenden Kirchen Surb Arakelots und Surb Astvatsatsin auf der Halbinsel „Kghzi” (wörtlich übersetzt „Insel”), die direkt an den Strand anschließt, bietet noch dazu das perfekte Fotomotiv. Das Kloster wurde im Jahr 874 von König Ashot I. ursprünglich auf einer Insel errichtet, aufgrund des Wasserabfalls befindet es sich jetzt auf einer Halbinsel.

Neben einer Pilgerstätte wurde es auch als Exil für in Ungnade gefallene Aristokraten und als Angriffsbasis in den Schlachten gegen die einfallenden Araber genutzt. Seit dem Jahr 1930 ist das Kloster verlassen, heute wird es von der Kirche als Rückzugsort und Seminarort verwendet. Allein die Aussicht über den malerischen See ist es wert, die kleine Halbinsel zu besuchen. Schon auf dem Weg nach oben werden Souvenirs, Naschereien und Kunstwerke angeboten. Neben der Kirche ist eine große Anzahl an Chatschkaren, denkmalähnlichen wunderbar gravierten Kreuzsteinen, aus grünem Stein zu bewundern.

Auch im Osten befindet sich ein Sandstrand, der jedoch nicht so gut ausgebaut ist. Neben einem Luxushotel gibt es hier mehrere kleine Hütten. Die einsamen Küstengebiete eignen sich perfekt für Vogelbeobachtungen. Hobby-Ornithologen können hier mit der armenischen Möwe, der Zwerggans, dem Tundra Schwan, der Moor- und Kolbenente und der Fischmöwe Bekanntschaft schließen. Hin und wieder lässt sich sogar ein armenischer Leopard blicken.

Bewegt man sich vom Sevanavank-Kloster weg Richtung Süden, kommt man an einer Vielzahl an weiteren Kirchen und Klöstern vorbei, unter anderem Noratus mit seiner alten Kirche und den Überresten einer Basilika sowie dem größten Chatschka-Friedhof Armiens, sowie den Klöstern Vaneavan und Makenyats.