Kloster Sanahin, Armenien

Das Kloster Sanahin in der Provinz Lori wurde im 10. Jahrhundert gegründet und ist heute eine der am besten erhaltenen Klosteranlagen des Landes, Armenien - © Nadia Ivanova / Fotolia
© Nadia Ivanova / Fotolia

Das Kloster Sanahin in der heutigen Stadt Alawerdi im Norden Armeniens ist die älteste und am vollständigsten erhaltene Klosteranlage des Landes. Als wunderbares Beispiel mittelalterlicher Klosterarchitektur gehört es seit 1996 zum UNESCO Weltkulturerbe.

Das Kloster Sanahin befand sich einst im gleichnamigen Dorf, heute in der Stadt Alawerdi in der Provinz Lori im Norden Armeniens. Es wurde im 10. Jahrhundert gegründet und ist heute eine der am vollständigsten erhaltenen Klosteranlagen des Landes. Gemeinsam mit dem knapp 4km östlich gelegenen Kloster Haghpat zählt es seit 1996 zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Sanahin bedeutet übersetzt etwa so viel wie „älter als andere”. Diese Bezeichung sollte wohl daraufhin deuten, dass das Sanahin älter als das nahe gelegene Haghpat-Kloster ist. Die beiden Dörfer Sanahin und Haghpat sind nur durch einen schmalen Fluss namens Debet getrennt, befinden sich in Sichtweite voneinander und weisen in ihrem Erscheinungsbild einige Parallelen auf. Seit der Ernennung zum UNESCO-Weltkulturerbe sind die beiden Klöster Teil der Reiseagenturen von Armenien, wodurch der Touristenzustrom deutlich zugenommen hat.

Erscheinungsbild des Klosters Sanahin

Das Hauptgebäude der Klosteranlage ist die im Zentrum gelegene Erlöserkirche. Der Hauptteil des kreuzförmigen Grundrissen erhebt sich harmonisch zur Kuppel, die von vier zweistöckigen Kapellen umgeben ist.

Innenraum im Kloster Sanahin, Armenien - © Maroš Markovič / Fotolia
© Maroš Markovič / Fotolia

Die Muttergotteskirche schließt nördlich an die Erlöserkirche an und stellt das älteste Gebäude des Sanahin-Klosters dar. Sie wurde im Jahr 934 von byzantinischen Mönchen errichtet. Im Jahr 979 wurde die Klosteranlage Sanahin zum Bischofssitz auserkoren und bis ins 13. Jahrhundert ständig ausgebaut. Im Jahr 1063 erfolgte zum Beispiel die Errichtung einer gut ausgestatteten Bibliothek, die von Ferne nur schwer zu erkennen war, was sich in einigen kriegerischen Auseinandersetzungen bewährte.

Ein an eine Vorhalle angebauter Gang diente mit Sitzbänken links und rechts als Schule, in denen die „Sieben freien Künste” (Grammatik, Rhetorik, Dialektik bzw. Logik, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie), sowie Medizin, Kalligrafie und Malerei gelehrt wurden. In den beiden Klöstern lebten und arbeiteten im 11. Jahrhundert an die 500 Mönche, von denen viele so angesehen waren, dass sie Botschafter und Berater ins Ausland begleiteten.

Insgesamt umfasste das Areal in seiner Blütezeit zusätzlich zu Bibliothek und Schule vier Kirchen, einen Glockenturm, mehrere Kapellen und Refektorium, einen klösterlichen Speisesaal. Typisch für armenische Klosterbauten waren die Gawits, Vorhallen, die von jeweils 4 Pfeilern gestützt wurden und eine kuppelförmige Decke mit einer Lichtöffnung aufwiesen. Ein perfektes Beispiel dafür ist die Bibliothek, die sich von einem quadratischen Grundriss in absoluter Harmonie bis zum Oberlicht verjüngt. Bemerkenswert sind auch die feinen Reliefbänder an der Wand, die zu entdecken es in dem zwielichtigen Raum schon guter Augen bedarf.

Auf dem Gelände befindet sich außerdem eine große Anzahl an so genannten armenischen Chatschkare. Wörtlich übersetzt „Kreuzstein” bedeutend sind dies wunderbar gravierte Stelen, die in der Mitte mit einem Kreuz und rundherum mit Pflanzenranken, Tierfiguren und geometrischen Mustern verziert sind. Chatschkare wurden als Sinnbild der Kreuzigung und der Erlösung zur Verbreitung des Christentums an andere Klöster verschenkt, als Siegesdenkmäler oder zur Erinnerung an historische wichtige Ereignisse aufgestellt, oder einfach nur als Grabstein zur Rettung der Seele, zum Schutz vor Naturkatastrophen oder in Gedenken an eine unerfüllte Liebe errichtet.

Auch die Gräber einiger Bischöfe befinden sich im armenischen Sanahin-Kloster.