Ruinen von Groß-Simbabwe, Simbabwe

Die Ruinen von Groß-Simbabwe zeugen noch heute von der einstigen Pracht des damaligen politischen Zentrums des Landes - © 2630ben / Shutterstock
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Die Ruinen von Groß-Simbabwe in der Provinz Masvingo gehören zu den ältesten Steinbauten Afrikas südlich der Sahara und beeindrucken durch ihre faszinierende Bauweise, die komplett auf Mörtel verzichtet.

Die Ruinen von Groß-Simbabwe in der Provinz Masvingo in Simbabwe gehören zu den ältesten Steinbauten Afrikas südlich der Sahara. Die ganz ohne Mörtel erbaute Stadt befindet sich etwa 30km von Maswingo entfernt und zählt seit 1986 zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Simbabwe bedeutet, je nach Übersetzung, „große Steinhäuser” oder „geehrte Häuser”. Das Wort „groß” dient hier nur der Unterscheidung von rund 150 kleineren Ruinen, die im ganzen Land verteilt stehen, denn diese nennt man „Simbabwes”.

Einstige Blüte von Groß-Simbabwe

Groß-Simbabwe hatte seine Blütezeit vom 11. bis zum 15. Jahrhundert. In dieser Zeit lebten bis zu 18 000 Einwohner im politischen Machtzentrum des Landes. Der Einfluss der Stadt reichte über die Grenzen des Landes hinaus bis an die Küste Afrikas. Die Menschen verdienten ihren Lebensunterhalt mit Rinderzucht, Gold und Fernhandel. Archäologen fanden hier Spuren von Jägern und Sammlern, von eisenzeitlichem Ackerbau und von einer arbeitsteiligen Gesellschaft. Da Groß-. auf einem Plateau liegt, waren seine Einwohner vor der Übertragung der Schlafkrankheit durch die Tsetsefliege, die in tieferen Lagen heimisch ist, geschützt.

Die Ruinen von Groß-Simbabwe in der Provinz Masvingo gehören zu den ältesten Steinbauten Afrikas südlich der Sahara - © 2630ben / Shutterstock
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Um 1450 wurde Groß-Simbabwe verlassen. Der Grund dafür ist nicht bekannt, es wird allerdings vermutet, dass das Land aufgrund von Überbevölkerung ausgelaugt war. Das Zentrum der Macht wurde daraufhin nach Norden verlegt, was dem nahe gelegenen Torwa-Reich zu einem raschen Aufschwung verhalf. Die Ruinen seiner Paläste können heute noch in der historischen Stätte von Khami bewundert werden.

Faszinierende Bauweise von Groß-Simbabwe

Im 16. Jahrhundert erreichten portugiesische Reisende Groß-Simbabwe im Bestreben, den afrikanischen Goldhandel zu übernehmen. In ihren Berichten schrieben sie über die eigentümliche Bauweise der Stadt, die mitsamt dem 22 Meter hohen Turm komplett ohne Mörtel erbaut worden war.

Groß-Simbabwe wurde einst mitsamt einem 22m hohen Turm ganz ohne Mörtel errichtet - © 2630ben / Shutterstock
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Und es sollte nicht bei den Entdeckern aus Portugal bleiben. Im 19. Jahrhundert hielt der Deutsche Karl Mauch Groß-Simbabwe für das biblische Goldland Ophir. Später zweifelte er seine These allerdings selbst an. Zu Recht, denn Ophir ist rund 2000 Jahre älter als Groß-Simbabwe. Durch eine Malaria-Erkrankung sah sich Mauch schließlich gezwungen, nach Deutschland zurückzukehren.

Im selben Jahrhundert wurde auch James Theodore Bent mit der Untersuchung der Ruinen beauftragt. Seine Berichte waren zwar von enttäuschten Erwartungen gekennzeichnet, trugen aber einen wesentlichen Teil zur Steigerung der Bekanntheit Groß-Simbabwes im englischen Sprachraum bei. Bent und sein Team gingen bei ihren Untersuchungen allerdings nicht gerade vorsichtig zu Werke und zerstören dabei große Teile der archäologischen Stratigrafie.

Eindrucksvolle Ausgrabungsstätte

Neben den Portugiesen, Mauch und Bent waren noch viele andere Entdecker und Archäologen an den Ruinen tätig. Heute ist das Ausgrabungsgebiet in vier Teile aufgeteilt: die Bergruine auf der Anhöhe, die Einfriedungen in der Talebene, das Shonadorf im Osten und Infrastrukturen mit Hotel, Campingplatz und Verwaltungsgebäuden im Westen.
Das Shona-Dorf wurde errichtet, nachdem Groß-Simbabwe zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt worden war. Es sollte als Touristenattraktion Besucher anziehen, die hier ein Bild vom Lebensstil der Shona erhalten. Es gibt Hinweise darauf, dass die früheren Bewohner Groß-Simbabwes Vorfahren der Shona waren, ein Volk, das heute ungefähr 80% der Bevölkerung Simbabwes ausmacht. Dieses Dorf wird allerdings als wenig authentisch beschrieben, auch weil zur Veranschaulichung der damaligen Lebensweise teils moderne Gerätschaften verwendet werden.

Magere Überbleibsel der einstigen archäologischen Schätze

Da im Lauf der Jahrhunderte so viele Menschen nach Groß-Simbabwe kamen und die Stadt regelrecht ausschlachteten, ist heute nur wenig Erhaltenes im Museum ausgestellt. Noch vorhanden ist allerdings der königliche Schatz, der unter anderem aus eisernen Hacken, Äxten und Meißel, einem eisernen Gong mit Schlaggeräten, zwei großen Speerspitzen, teilweise zu Schmuck verarbeiteten Kupfer- und Bronzedrähten und zehntausenden Glasperlen, die wahrscheinlich aus Indien stammen, besteht.

Ebenfalls erhalten sind acht Vögel aus Speckstein, sieben davon in einem Stück. Dabei handelt es sich um spirituelle Zeichen aus der Blütezeit Groß-Simbabwes. Die etwa einen halben Meter hohen Skulpturen, die echten Vögeln in ihrer Form allerdings eher wenig gleichen, wurden früher auf Steinsäulen gestellt; heute sind sie ein nationales Symbol Simbabwes, das sich unter anderem auf der Flagge des Landes wiederfindet.