Agdal-Gärten in Marrakesch, Marokko

Die Saadier pflanzten im 16. Jahrhundert angeblich 26.000 Ölbäume in den Agdal-Gärten in Marrakesch, Marokko - © Lenar Musin / Shutterstock
© Lenar Musin / Shutterstock

Die Agdal-Gärten in Marrakesch wurden bereits im 12. Jahrhundert von den Almohaden als künstliche Oase in der Wüste angelegt. Nach ihrem Vorbild wurden noch viele weitere Parkanlagen errichtet.

Die Agdal-Gärten in der marokkanischen Stadt Marrakesch entstanden Mitte des 12. Jahrhunderts und sind damit die ältesten Parkanlagen in ganz Marrakesch. Gemeinsam mit den Menara-Gärten zählen sie seit 1985 zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Geschichte der Agdal-Gärten in Marrakesch

Die Agdal-Gärten in Marrakesch wurden im Jahr 1157 vom Almohaden-Herrscher Idris I. al-Ma’mun angelegt, ein willkommene Oase mitten in der Wüste. Der Begriff „Agdal” stammt aus der Berbersprache und bedeutet etwa „ummauerte Wiese”. Nach diesem Vorbild entstanden noch viele weitere Gartenanlagen, die zu einem Symbol der almohadischen Herrscher wurden, unter anderem in Rabat, Gibraltar und im spanischen Sevilla.

Mit einer unglaublichen Größe von 500 Hektar war die Gartenanlage in Marrakesch fast so groß wie die Stadt selbst. Die weitläufigen Grünflächen beherbergen Ölbäume, Orangen- und Zitronenbäume, Granatapfelbäume, Feigenbäume, Walnuss- und Mandelbäume, aber auch Palmen und duftende Blumen. Die Flora der Agdal-Gärten ist um einiges vielfältiger, als jene der Menara-Gärten. Bewässert wurde die fantastische Pflanzenwelt über ein unterirdisches Kanalsystem, durch die das Wasser aus dem viele Kilometer entfernten Atlasgebirge bis nach Marrakesch geleitet wurde.

Die Agdal-Gärten fungierten als Obstlieferanten, aber auch als wasser- und schattenspendende Parks, in denen die Kalifen lustwandelten. Die idyllische Atmosphäre der Agdal-Gärten diente immer wieder als Kulisse für hohe Empfänge der Herrscher von Marrakesch. Die Agdal-Gärten dienten interessanterweise auch militärischen Zwecken. In ihren Wasserbecken lernten die almohadischen Soldaten schwimmen, bevor sie sich auf den weiten Weg über das Mittelmeer nach al-Andalus ins heutige Spanien machten.

Als die Residenz der Herrscher nach Fes verlegt wurde, verloren die Agdal-Gärten an Bedeutung. Die erste Renovierung der Gärten fand im 16. Jahrhundert unter den Saadiern statt, die angeblich 26.000 Ölbäume pflanzten, die Gärten verfielen jedoch abermals. Das heutige Erscheinungsbild der Agdal-Gärten mit seiner Umfassungsmauer stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Besuch der Agdal-Gärten in Marrakesch

Heute verlaufen die Agdal-Gärten in Marrakesch im Süden des Königspalastes immer noch über mehrere Kilometer. Die grüne Oase ist gespickt mit malerischen Pavillons, die wie zufällig verstreut in der idyllischen Landschaft auftauchen. Drei Wasserbecken, von denen das größte über 200m lang ist, sorgen für eine angenehme Luft. Am Ufer des größten Beckens, des „Sahraj al-Hana” („Becken der Gesundheit”) befindet sich der Dar al-Hana-Palast, von dessen Aussichtsterrasse aus der Blick bis zum Gipfel des Hohen Atlas fällt.

Ein weiteres architektonisches Highlight stellt der Dar el-Beida im Nordwesten der Agdal-Gärten dar. Hier residiert die königliche Familie wenn sie in Marrakesch anwesend ist. Der Palast ist mit 120 mal 140m vielleicht nicht besonders groß, doch äußerst kunstvoll verziert und wird einem Herrschersitz in jedem Fall gerecht.

Leider können nur einige Teile des Gartens besichtigt werden und auch nur dann, wenn die Sultansfamilie nicht zugegen ist.