Felsmalereien am Chongoni, Malawi

Der Berg Chongoni steht mit seinen typischen Miombo-Trockenwäldern unter Naturschutz und ist für seine bis zu 2.500 Jahre alten Felsmalereien an rund 130 Stätten bekannt, Malawi - © Duncan Payne / Shutterstock
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Die Felsmalereien, die man am Berg Chongoni in Malawi findet, sind teilweise bis zu 2.500 Jahre alt und ein faszinierendes Zeugnis zweier ganz unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen aus Zentralafrika.

Der Chongoni ist ein etwas mehr als 2.000 Meter hoher Berg in der Provinz Dedza im Zentrum des afrikanischen Malawi. Das rund 120 km² messende, mit dem für die Region typischen Miombo-Trockenwald bewachsene Gebiet ist seit 1924 als Waldschutzgebiet deklariert.

Am Chongoni befindet sich eine der wichtigsten Attraktionen von Malawi. Die fünf Chentcherere-Höhlen wurden im Jahr 1969 als geschützte nationale Monumente der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und zählen seit 2006 gemeinsam mit dem Chongoni zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Bekannt ist der Chongoni allerdings weder für seine Flora noch für die Chentcherere-Höhlen, sondern für seine bis zu 2.500 Jahre alten Felsmalereien. Es gibt ungefähr 130 Stätten rund um den Chongoni, an denen diese uralten Kunstwerke an Überhängen und auf größeren Felsblöcken gefunden wurden. Bei den Kunstwerken von Chongoni handelt es sich um die dichteste Ansammlung von Felsmalereien in Zentralafrika.

Die Inhalte der Malereien sind ganz unterschiedlich, auch deshalb weil sie von zwei ganz verschiedenen Bevölkerungsgruppen stammen.

Uralte Felsmalereien der Batwa

Zum einen gibt es Felsmalereien vom Pygmäenvolk der Batwa. Die Jäger und Sammler fertigten die älteren Zeichnungen, von denen manche 2.500 Jahre alt sind, mit roter Farbe an. Dabei hielten sie sich vor allem an abstrakte Formen wie Strahlenkränze, Kreise oder Linien. Im Unterschied dazu sind die Felsbilder anderer Jäger- und Sammlergesellschaften im südlichen Afrika eher naturalistisch und dienten höchstwahrscheinlich anderen Zwecken, wie Regentänzen oder Fruchtbarkeitsopfern. Die Batwa bewohnten den Chongoni und die umliegenden Gebiete von der späten Steinzeit an, also seit etwa 5000 vor Christus.

Neue Felsmalereien der Chewa

Die jüngeren Felsmalereien, die ein Alter von bis zu 1.000 Jahre aufweisen, stammen vom Volk der Chewa. Sie wurden in weißer Farbe gemalt und stellen mythologische Tiergestalten dar. Diese Tierzeichnungen haben eine enge Verbindung zu weiblichen Initiationsriten und wurden wahrscheinlich von Frauen gemalt. Das Außergewöhnliche an den Malereien der Chewa ist, dass sie auch Szenen aus dem bäuerlichen Leben darstellten, was in früheren Zeiten eher unüblich war. Die Chewa bewohnten das Gebiet um den Chongoni seit der späten Eisenzeit, seit ca. 1.000 vor Christus, ihre Nachfahren leben noch heute hier. Es wird vermutet, dass viele der Felsmalereien erst im 19. und 20. Jahrhundert angefertigt wurden; heute dürfte sich aber keiner der Chewa mehr malerisch betätigen.

Die jüngeren Malereien der Chewa zeigen maskierte Tiere, die in Zusammenhang mit den bis heute fortbestehenden Nyau-Geheimgesellschaften stehen. Die Nyau veranstalten maskierte Tänze bei Begräbnisritualen und tragen einen wichtigen Teil zur Stammesidentität bei. Noch heute werden die Stätten, an denen sich die mystischen Felsmalereien befinden, von den Chewa für Zeremonien und Rituale genutzt. Die genauen Bedeutungen und Zusammenhänge der Bilder halten sie aber bis heute geheim.