Nationalpark Tsingy de Bemaraha, Madagaskar

Die felsige Oberfläche des Plateaus des Tsingy de Bemaraha-Nationalparks ist teilweise mit dem einzigartigen madagassischen Trockenwald bedeckt, Madagaskar - © Pierre-Yves Babelon / Fotolia
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Der Nationalpark Tsingy de Bemaraha im Westen Madagaskars beherbergt nicht nur Tiere und Pflanzen, die es sonst nirgends auf der Welt gibt, sondern auch eine einzigartige Karstlandschaft.

Der Nationalpark Tsingy de Bemaraha liegt im Westen Madagaskars in der Provinz Mahajanga. Mit dem Strengen Naturreservat Tsingy de Bemaraha wurde der Nationalpark im Jahr 1990 aufgrund seiner ungewöhnlichen Karstformationen in die Weltnaturerbeliste der UNESCO aufgenommen.

Das etwa 720km² große Gebiet im Distrikt Antsalova wurde erst 1997 zum Nationalpark erklärt, zuvor war auch dieses Teil des Strengen Naturreservats Tsingy de Bemaraha.

Der Nationalpark Tsingy de Bemaraha beeindruckt vor allem durch seine einzigartige Karstlandschaft. Die auffälligen Felsformationen werden „Tsingy” genannt, was ungefähr übersetzt werden kann mit „wo man nicht barfuß gehen kann”. Und das zu Recht. Die Tsingy sind unzählige steinerne Spitzen, die den gesamten Nationalpark wie ein spektakulärer Wald aus Felsnadeln bedecken. Über Jahrtausende wurden die messerscharfen bis zu 20m hohen Spitzen durch Grundwasser, Erosion, Wind und Wetter aus dem Kalkstein geformt.

Der Nationalpark Tsingy de Bemaraha im Westen Madagaskars wurde im Jahr 1990 aufgrund seiner ungewöhnlichen Karstformationen in die Weltnaturerbeliste der UNESCO aufgenommen - © Pierre-Yves Babelon / Fotolia
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Die felsige Oberfläche des Plateaus des Tsingy de Bemaraha-Nationalparks ist teilweise mit dem einzigartigen madagassischen Trockenwald bedeckt, dessen Bäume sich an die Trockenheit angepasst haben. Sie haben mehr Stacheln als Blätter, einen verdickten Stamm, um mehr Wasser zu speichern und freihängende Wurzeln, um das Regenwasser direkt aufnehmen zu können. In den feuchten Schluchten des Parks dagegen haben sich kleine Seen gebildet, an denen Mangroven wachsen. Unglaublich 86% der Pflanzenwelt im Tsingy de Bemaraha-Nationalpark kommt nur hier vor. Im Osten fällt die savannenartige Ebene mit bis zu 400m hohen Klippen steil bergab.

Durch die vielfältigen Lebensbedingungen fühlt sich im Tsingy de Bemaraha-Nationalpark auch eine Vielzahl an Tieren heimisch. 13 verschiedene Lemuren leben in den üppig grünen Bäumen, 66 Reptilien- und 22 Amphibienarten bevölkern die Feuchtgebiete und die Luft wird von knapp 100 Vogel- und 15 Fledermausarten beherrscht.

BILDER: Tsingy de Bemaraha-Nationalpark

Mühsame Zugänglichkeit

Der Tsingy de Bemaraha-Nationalpark liegt etwa 300km westlich der madagassischen Hauptstadt Antananarivo, eine Autofahrt zum nördlichen Eingang „Antsolava” kann jedoch je nach Witterung und Straßenbedingungen mehrere Tage dauern. Mit einem Geländewagen kann man auch die 200km von der Küstenstadt Morondava aus bewältigen und erreicht den südlichen Eingang „Bekopaka”, der etwa 90km vom Nordeingang entfernt liegt. Alternativ kann man von Antananarivo aus in 45min mit dem Flugzeug ins nahe gelegene Tsiroanomandidy fliegen. Eine Entdeckung des Tsingy de Bemaraha-Nationalparks ist nur im Zuge von geführten Touren erlaubt. Die Rundwege führen durch Labyrinthe aus Kalkstein und zahlreiche eindrucksvolle Canyons und Höhlen und regelrechten Kathedralen aus Kalk.

Oder man möchte den Tsingy de Bemaraha-Nationalpark nur sehen und nicht betreten, dann empfiehlt sich ein Rundflug von Morondava aus. Im dortigen Touristendorf kann auch ein Zimmer in Bekopaka gebucht werden. Für einen Besuch des Tsingy de Bemaraha-Nationalparks braucht man also jede Menge Zeit und auch das nötige Kleingeld.

Der Tsingy de Bemaraha-Nationalpark ist außerdem ein Gebiet der Extreme. Erstens herrschen auf seiner steinernen Oberfläche, schattenlosen Oberfläche bis zu 40°C, die auch in der Regenzeit von November bis März nicht wirklich abkühlen. In dieser Zeit ist ein Besuch des Tsingy de Bemaraha-Nationalpark nicht zu empfehlen, da die dampfige Hitze äußerst unangenehm ist und die abfließenden Wassermassen den Zugang zu vielen Regionen erschweren. Im Gegensatz zur gleißenden Hitze des Plateaus herrscht in vielen Schluchten des Tsingy de Bemaraha-Nationalparks feuchte Kühle und Dunkelheit.

Weiterführende Links:

Offizielle Website des Nationalparks Tsingy de Bemaraha (französisch)
Detailinfo zum Nationalpark Tsingy de Bemaraha (englisch)