Ambohimanga, Madagaskar

Eingang zum Palastgelände von Ambohimanga auf dem afrikanischen Inselstaat Madagaskar - © Pierre-Yves Babelon/Shutterstock
© Pierre-Yves Babelon/Shutterstock

Ambohimanga war einst Sitz der Könige Madagaskars und ist noch heute eine heilige Stätte und Symbol der nationalen Identität der Madagassen.

Der Königshügel von Ambohimanga auf dem afrikanischen Inselstaat Madagaskar befindet sich in der Provinz Antananarivo Avaradrano etwa 20km nördlich der Hauptstadt Antananarivo. Die faszinierende Stätte war bis 1794 Sitz der Könige des Volkes Merina und ist Madagaskars besterhaltene Palastanlage. Bis 1897 waren dort auch die Könige von Madagaskar begraben. 2001 wurde der Königshügel von Ambohimanga auf die Weltkulturerbeliste der UNESCO aufgenommen.

Ambohimanga wurde wahrscheinlich im 15. Jahrhundert auf dem knapp 1.500m hohen „Blauen Hügel” errichtet und entwickelte sich zum politischen und religiösen Zentrum Madagaskars, als das es den Madagassen heute noch dient. Auf der Spitze des Hügels thronte die ehemalige Hauptstadt Madagaskars, die unteren Lagen dienten als Ackerland.

Ambohimanga wurde Mitte des 18. Jahrhunderts vom bedeutenden Merina-Herrscher Andriantsimitoviaminandriana zur Königsstadt ausgebaut. Von hier aus einte der das Königreich der Merina und eroberte später ganz Madagaskar. Auch im 19. Jahrhundert wurden mehrere Befestigungsanlagen errichtet, obwohl damals die Hauptstadt Madagaskars schon nach Antananarivo verlegt worden war.

Ambohimanga heute

Inmitten der Siedlung von schützenden Wäldern umgeben thronte der befestigte Königspalast, der „Rova”. Die Überreste des Rova sind heute noch zu besichtigen. Auf das Palastgelände gelangt man durch ein gewaltiges Steintor, das früher mit einem riesigen Felsblock verschlossen werden konnte. Dahinter findet man die hölzerne Residenz der Königin Ranavalona aus dem 19. Jahrhundert und das eher bescheidene Haus des großen Andriantsimitoviaminandriana. Verglichen mit europäischen Königspalästen ist der Rova äußerst schlicht gehalten. Überreste eines Opferplatzes, an dem Ochsen geschlachtet wurden und des königlichen Bades sind ebenfalls noch vorhanden. Neben dem Sitz des Königs befanden sich auf Ambohimanga auch andere bedeutende Stätten, wie die heilige Quelle, die nie versiegt, der heilige See, in der der König den Staat von seinen Sünden reinwaschen konnte, der Gerichtsstuhl, ein riesiger Granitblock mit steinernen Stufen, oder die Königlichen Bäume Ficus und Draceana, die nur in königlichen Städten gepflanzt werden durften.

Innerhalb des Palastgeländes im östlichen Teil von Ambohimanga ruhten auch die sterblichen Überreste der Könige Madagaskars. Ihre Särge befanden sich in Hütten, die von einem rot-weißen Zaun umgeben waren. Um die heilige Stätte zu entehren und die Macht Madagaskars zu brechen, verlegten die französischen Eroberer die Grabstätten nach Antananarivo und errichteten auf dem Königshügel Kasernen, die jedoch bereits 1904, nach nur 7 Jahren wieder beseitigt wurden.

Noch heute ist der Königshügel von Ambohimanga für die Madagassen eine bedeutende Stätte. Sie glauben nicht an den Tod, sondern an den Übertritt in eine neue Lebensform und pilgern zu den ehemaligen Grabstätten ihrer Könige, um Rituale durchzuführen, oder die Ahnen zum Hilfe zu bitten und um Rat zu fragen.