Tempel der Hatschepsut, Ägypten

Der Tempel der Hatschepsut ist eines der großartigsten Kulturdenkmäler Ägyptens und liegt im Tal Deir el Bahari (Theben) in der ägyptischen Wüste - © Richard Connors / Fotolia
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Der Tempel der Hatschepsut ist eines der großartigsten Kulturdenkmäler Ägyptens. Neben seiner ungewöhnlichen Architektur sticht er vor allem hervor, weil ihn die einzige Pharaonin Ägyptens bauen ließ.

Der gewaltige Totentempel der Hatschepsut liegt im Tal Deir el Bahari (Theben, heute Luxor) in der ägyptischen Wüste weit offen zum Nil, im Rücken das Tals der Könige. Er ist der am besten erhaltene Kalkstein-Tempel der 18. Dynastie und in erster Linien den Göttern Hathor und Amun-Re geweiht. Der Bau unterscheidet sich in seiner architektonischen Erscheinung von anderen Tempeln Ägyptens, da die charakteristischen Höfe durch Terrassen ersetzt wurden, die durch Rampen miteinander verbunden sind. Manche Experten sehen den Tempel als Vorläufer für die spätere Architektur der Griechen und Römer, theoretisch könnte der kolossale Tempel aber genauso ein moderner faschistischer Palast sein. Zweifellos gehört er zu den großartigsten Denkmälern der ägyptischen Kultur.

Erbaut wurde die kolossale Temepelanlage der Hatschepsut durch den Architekten Senenmur, der gleichzeitig auch der Erzieher von Hatschepsuts Tochter und angeblich auch Hatschepsuts heimlicher Geliebter war. Diese Umstände könnten die Ursache sein, dass es Senenmut erlaubt war, seine Grabstätte in unmittelbarer Nähe zum Tempel unter der ersten Terrasse zu erwählen. Bestattet wurde er dort jedoch nie.

Hatschepsut – Einzige Pharaonin in der Geschichte

Das bedeutendste Unterscheidungsmerkmal zu anderen Tempelanlagen Ägyptens ist wohl, dass der Tempel der Hatschepsut im Auftrag einer Frau erbaut wurde – von Hatschepsut selbst. Die einzige bekannte Pharaonin Ägyptens lernte das Streben nach Macht bereits in ihrer Kindheit von ihrem Vater Thutmosis I. Nach der Heirat mit seinem Stiefsohn Thutmosis II und dessen frühen Todes war ihr Sohn, Thutmosis III. noch zu jung für den Herrschersitz. Vorübergehend übernahm diesen seine Mutter, bis sie mit allen bekannten Traditionen brach und sich selbst zur Herrscherin aufschwang.

Über 2 Jahrzehnte regierte sie über ganz Ägypten. Ihren Sohn Thutmosis III sah sie zwar offiziell als Mitherrscher, untergrub seine Macht aber regelmäßig. So rächte sich Thutmosis III. nach ihrem Tod, indem er ihr Andenken zerstören wollte. Die 37 Meter lange Rampe zum Portal des Tempels der Hatschepsut war ursprünglich von Sphinx-Statuen gesäumt, die Thutmosis III. jedoch nach dem Tod der Hatschepsut zertrümmern ließ. Auch einige Statuen und Reliefdarstellungen im Inneren des Tempels wurden stark beschädigt.

Schätzungsweise wurde der Tempel der Hatschepsut etwa um 1500 vor Christus innerhalb von 15 Jahren errichtet. Heute liegt er etwa 45 Fahrminuten von Luxor entfernt. Vom Hatschepsut-Tempel führt eine schnurgerade Prozessionsstraße über den Taltempel der Hatschepsut zum Nilufer und weiter über den Fluss zum Karnak-Tempel – wohl eine der ersten “Autobahnen” der Welt.

Erforschung des Hatschepsut-Tempels

Die ersten Europäer bekamen den Tempel etwa um 1740 zu Gesicht und nannten den Bau „Nördliches Kloster”. Die ersten Ausgrabungen bzw. Schutträumungen am Tempel der Hatschepsut geschahen Ende des 19. Jahrhunderts im Auftrag des Britisch Egypt Exploration Fund. Neben den Aufräumungsarbeiten der herabgestürzten Felsbrocken wurden auch die Wandmalereien im Tempel von Deir el Bahari kopiert und katalogisiert. Die Ausgrabungs- und Restaurierungsarbeiten sind bis heute noch nicht vollständig abgeschlossen.

Besuch des Hatschepsut-Tempels

Der Innenraum des Hatschepsut-Tempels beeindruckt heute noch vor allem durch die kunstvollen Wandmalereien, die überall im Tempel zu finden sind und in mühevoller Kleinstarbeit wiederhergestellt wurden. Hier wird auch sichtbar, dass sich die Hatschepsut immer wieder auch als Mann dargestellt wurde – die Künstler von damals waren mit einem weiblichen Pharao scheinbar zum Teil überfordert.

Die beiden Kapellen in der Tempelanlage sind den Göttern Hathor, Amun-Re und Anubis geweiht und ebenfalls reich verziert. Es gibt auch eine Kapelle der Hatschepsut und des Thutmosis I, von wo aus man in das Sanktuar des Thutmosis I gelangt. Hier sind die Verzierungen leider beinahe vollständig zerstört. Im großen Hof des Sonnenheiligtums wurde ein Sonnenaltar errichtet. Bis auf eine Darstellung der Reise der Sonne über den Himmel ist dieses Heiligtum nicht dekoriert.

In den Hügeln um den Tempel herum sind eine Menge an Löcher im Fels zu sehen, der Steilhang sieht regelrecht wie ein Schweizer Käse aus. Dies sind ehemalige Gräber, die Grabräuber nach ihre Plünderung offen zurück ließen.

Traurige Berühmtheit: Negative Schlagzeilen machte der Tempel der Hatschepsut, als im Jahr 1997 arabische Extremisten einen Anschlag verübten, dem 58 Touristen und 4 Ägypter zum Opfer fielen.

Weiterführende Links:

Beschreibung der Wandmalereien und Felsenbilder im Tempel der Hatschepsut